„Zu scharf, um wahr zu sein“ – „Pie“ trifft auf „Mary“

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„Zu scharf, um wahr zu sein“ scheint nach dem offiziellen Kinoposter eine der 08/15-Billigzoten mit albernen Sexwitzen und Fäkalhumor zu sein, dabei kann die Komödie einen durchaus überraschen. Denn man stellt nach der Hälfte des Films fest, dass noch immer keine albernen Witze fallen und man sich sogar gut unterhalten fühlt. Schuld daran sind sympathische und unverbrauchte Jungdarsteller, eine Liebesgeschichte – die funktioniert – sowie eine sehr merkwürdige Szene um zwei Männer, einen Rasierapparat und einem behaarten Genitalbereich.

Kirk hat seit Jahren den selben Posten als Angestellter beim Sicherheitsdienst am Flughafen und auch privat kommt er nicht voran. Er trauert immer noch seiner früheren Beziehung nach und wird durch eben diese Ex-Freundin, die jeden Tag bei seiner Familie vorbei kommt, gedemütigt. Als er durch Zufall ein Date mit Molly bekommt, fasst er sein Glück nicht. Sie ist schön, intelligent und alles andere, was man sich sonst noch von einer Frau erträumen kann. Doch seine Minderwertigkeitskomplexe sorgen dafür, dass er diese Beziehung zerstören wird. Denn er hält sich für vier von zehn Punkten in der Werteskala und Molly ist eine glatte Zehn.

Vom Anfang an wirkt es wie eine ganz billige US-Komödie ganz nach dem großen Bruder „American Pie“. Ein paar Jungdarsteller – welche über allerlei peinliche sexuelle Geschichten philosophieren – eine schöne Hauptdarstellerin und viele Dates, wo sehr viel schief gehen kann, dazu noch ihr Ex-Freund – der Kirk nicht leiden kann. Doch dabei bleibt der Film erstaunlich bodenständig. Die Witze besitzen Niveau, meistens zumindest, der Film wirkt auch gut als Liebesfilm und man kann sich mit vielem davon identifizieren. Die Angst, man wäre nicht gut genug für seine Partnerin und all die anderen Probleme, die man sich selber erschafft, wenn man über das bevorstehende Date nachdenkt und man sich dabei viel zu viele Sorgen macht. Leicht naiv und doch sympathisch ist die Botschaft, dass man sich ohne rein objektive Merkmale in eine Person verlieben kann, einfach der Liebe wegen.

Dadurch schaffen Drehbuchschreiber und der Regisseur, dass man sich mit den zentralen Personen identifizieren kann, obwohl „Kirk“ schon sehr stark gedemütigt wird. So sammelt der Film Pluspunkte, weil er einfach Charme besitzt und man mit den Personen mitfühlen kann, obwohl hinsichtlich des Drehbuches sogar starke Fehler begangen werden. Ähnlich wie „Liebe braucht keine Ferien“ besitzt dieser Film in der ersten Hälfte eine kaum erkennbare Spannungskurve, welche in der zweiten Hälfte so lebhaft wie der Puls eines Toten ist. Dass die Zuschauer deswegen nicht innerlich abschalten, sei den Schauspielern und den amüsanten Dialogen zu verdanken.

Sicherlich ist dieser Film kein großer Wurf, doch er kann unterhalten, die Witze bringen einen zum Lachen und der Zuschauer kauft die ihm dargestellte Liebesgeschichte ab. Mehr „Verrückt nach Mary“ als „American Pie“, dabei sogar mit dem Verzicht von peinlichen Zoten. Ein kleiner Geheimtipp.

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