„I’m Still Here“ – Die verlorenen Jahre des Joaquin Phoenix

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Als Joaquin Phoenix („Walk The Line“) im Herbst 2008 seinen Ausstieg aus dem Schauspielgeschäft bekannt gab, war das für die Filmindustrie ein kleiner Schock, so schien doch einer der talentiertesten und erfolgreichsten Schauspieler der vergangenen Jahre seine Passion endgültig an den Nagel zu hängen. Doch wäre das nicht schon genug des Guten gewesen, erschien JP – wie er sich neuerdings nannte – einige Monate später mit Sonnenbrille, ungepflegt langen Haaren und verfilztem Rauschebart beim amerikanischen Late-Night-Talker David Letterman. Desinteressiert und grenzdebil weihte er das ohnehin schon verwirrte Publikum in seinen neuesten Plan ein: Joaquin Phoenix möchte Hip-Hop-Künstler werden. Hatte er den Verstand verloren oder handelte es sich tatsächlich um ein reales Projekt mit echten Ambitionen?

Inhalt

Joaquin Phoenix beendet seine Schauspielkarriere, um Hip-Hop-Künstler zu werden und engagiert seinen Schwager Casey Affleck („Ocean’s Eleven“), diese wahnwitzige Idee als Regisseur in Form eines dokumentarischen Spielfilmes festzuhalten. Nach anfänglichen Schwierigkeiten und trotz einiger Treffen mit P. Diddy muss „JP“ feststellen, dass der lange Weg zum Rap-Star steiniger wird, als anfangs vielleicht noch vermutet…

Kritik

Hoax oder nicht Hoax? Meint er es tatsächlich ernst mit seiner Karriere als Rapper? Die zahlreichen Blogger des Internets sahen in Joaquin Phoenix ein gefundenes Fressen, denn nicht nur hatte der doch arg verstörende Auftritt bei Letterman das  Ansehen des vermeintlich ehemaligen Schauspielers erschüttert, auch musste man sich die Frage stellen, inwiefern die ganze Geschichte glaubwürdig war. Konnte sich der einst so sympathische Phoenix tatsächlich in den launischen, heruntergekommenen Möchtegernrapper transformiert haben? Natürlich nicht. „Written by Casey Affleck and Joaquin Phoenix“ im Abspann waren die Worte, welche die Cineasten dieser Welt letztendlich aufatmen ließen.

Betrachtet man den Film nun als Dokumentation, so muss man sagen, dass sie als solche nicht funktioniert, da es spätestens dann, wenn der Assistent entnervt seinen Darm in der Nacht auf das Gesicht Phoenix‘ entleert, auch für den Letzten deutlich sein sollte, dass es sich hierbei um keine herkömmliche Dokumentation handeln kann. Sieht man den Inhalt hingegen als fiktives Machwerk – man könnte es fast „Film“ nennen – so war ich doch recht angetan. Joaquin Phoenix spielt seine Rolle absolut überragend. Er furzt, bestellt Prostituierte, flucht, prügelt, heult und natürlich: rappt. Erstaunlich ist hingegen, dass man ihm trotz seines leicht überzogenen Spiels mit seinem Alter Ego die Rolle abnimmt und mich persönlich würde es schockieren, wenn er nicht zumindest für den Oscar nominiert würde, wenngleich der Film selbstverständlich ein Flop an den Kassen der amerikanischen Lichtspielhäuser war. Auch die anderen Rollen sind bis ins letzte Detail perfekt besetzt; selbst Sean Combs alias P. Diddy erledigt seinen Job ordentlich und sorgt sogar für den einen oder anderen Lacher. Zu bemängeln gäbe es lediglich die Regie des Casey Affleck: Der Film ist extrem verrauscht, einige Einstellungen seltsam und das Ende des Filmes deutlich zu lang geraten. Ob und inwiefern diese Dinge vielleicht sogar Absicht waren, lässt sich leider nicht genau sagen.

Fazit

Der Film wird es ob seiner Thematik vermutlich nicht in die deutschen Kinosäle schaffen, zumal die gesamte Vorgeschichte lediglich einem sehr begrenzten Teil der deutschen Bevölkerung bekannt sein sollte. Bewaffnet mit dem Hintergrund, dass es sich hierbei um die filmische Aufbereitung eines fast zweijährigen „Aprilscherzes“ handelt, kann ich den Film jedem ans Herz legen, der an gutem Schauspiel und der generellen Problematik der amerikanischen Medienlandschaft Interesse hat. Casey Affleck und Joaquin Phoenix erheben in Bezug auf Letztere nicht nur ein Mal ermahnend den Finger und zeigen sehr deutlich auf, dass sich ein mancher Schauspieler in eben jener schneller verliert, als es ihm vielleicht lieb ist.

Von meiner Seite gibt es vier von fünf Punkten, denn Mut und Kreativität sollten immer belohnt werden.

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