„Kokowääh“ – Til Schweiger, seine Tochter und viel mehr!

nur miesschlechtfast mittelmäßigmittelmäßigfast gutgutfast sehr gutsehr gutfast einzigartigfast einzigartig   7,33 (3 Stimmen)
Loading...

Til Schweiger spielt einen Macho, der durch weiblichen Einfluss die Freuden einer festen Bindung und der Familie entdeckt, das Motto seines neuen Films weicht nicht sonderlich von „Barfuß“ oder „Keinohrhasen“ ab. Die Geschichte, dass einem unwissenden Vater plötzlich seine junge Tochter vor die Tür gestellt wird und er sich darauf einstellen muss, ist als Film ebenfalls schon unzählige Male verarbeitet worden. Und doch macht Til Schweiger aus „Kokowääh“ endlich wieder einen kleinen Geniestreich, eine wunderbare Mischung aus Emotionen und Humor, nicht zuletzt dank seiner Tochter Emma, die hier zwar oft etwas „overacted“, sich einem aber trotzdem mit ihrer frechen Art ins Herz spielt.

Drehbuchautor Henry hält sich mit miesen Drehbüchern über Wasser, während sein Ex-Freundin mit einem auf einer seiner Ideen basierenden Buch das große Geld absahnt. Aber ihr überraschendes Angebot, gemeinsam das Drehbuch für dessen Verfilmung zu schreiben, bringt Henrys Leben nicht so durcheinander wie die achtjährige Magdalena. Die entpuppt sich nämlich als seine Tochter und wurde von der Mutter mal eben vor seiner Tür abgeladen, da sich ihr Ziehvater Tristan von der Familie abgewendet hat, nachdem er nach acht Jahren erfahren hat, dass er nicht Magdalenas Vater ist. Während Henry nun versucht, eine Beziehung zu Magdalena aufzubauen und sich wieder mit seiner Ex zu arrangieren, werden auch Tristans Vatergefühle wieder wach.

Erstaunlicherweise entpuppt sich Til Schweigers neuer Film nicht als Schenkelklopferfilm, sondern als mitunter sehr emotionale, bisweilen sogar nachdenkliche Komödie. Durch das Wechselspiel der beiden Väter kommt in die vom Grundsatz sehr altbackene Geschichte ein völlig neuer Ansatz hinein, der einen bis zum Ende nicht wirklich wissen lässt, wie sich die neuen und alten Bindungen weiter entwickeln werden. „Kokowäh“ handelt von Beziehungen zwischen Männern und Frauen, Eltern und Kindern sowie Freunden und Gegnern, der Film hält einen trotz knapp über zwei Stunden Lauflänge immer bei Laune und bietet dank seiner gelungenen Mischung aus Humor und Gefühl einen wirklich tollen Kinobesuch.

Wer glaubt, dass es sich hier um eine reine Inszenierung von Schweigers Tochter handelt, der irrt wieder, denn Emma ist zwar der zentrale Charakter im Film, aber insgesamt ist sie eben doch nur ein Teil einer viel größeren Beziehungskiste. Schweiger spielt seinen typischen Charakter wie immer souverän, Samuel Finzi spielt den Tristan wirklich großartig und auch Meret Becker ist in ihrer kleineren Rolle als Magdalenas Mutter Charlotte gut besetzt, etwas nervig ist eigentlich nur Jasmin Gerat als Henrys Exfreundin. Emma Schweiger muss man natürlich schon irgendwie mögen, sonst wird der Film natürlich etwas anstrengend, aber sie zeigt mit ihrer frechen, natürlichen Art, dass sie trotz ihrer acht Jahre auch eine Hauptrolle ausfüllen kann.

Unterm Strich habe ich etwas anderes und dadurch viel mehr bekommen, als ich erwartet habe. Außer Emmas leichtem Overacting und den immer mal wieder störend auftauchenden englischen Ausdrücken in normalen Gesprächen ist der Film wirklich gelungen und darf sich ohne Scham neben Schweigers besten Filmen „Barfuß“ und „Keinohrhasen“ einreihen. Warum einem Typ, der solche Filme schreiben und drehen kann, Griffe ins Klo wie „1 1/2 Ritter“ oder die peinlichen Anteile von „Zweiohrküken“ passieren, ist mir nach diesem Film wieder ein absolutes Rätsel.

Bildergalerie (zum Vergrößern anklicken)


Verwandte Artikel

6 Kommentare

  1. Schweiger hat es tatsächlich geschafft, mit seinem neuen Film nach gleichem seichtem Schema wie dessen Vorgängerfilme unfassbar erfolgreich zu sein. Ich weiß nicht, ob mich das traurig oder wütend machen soll. Aber ich ergreife einfach mal die Chance, dieses Blog als Ventil zu benutzen.

    Ich habe den Film nicht gesehen, werde es wohl auch nicht tun, nachdem ich bei dem Trailer (ich bin ein sehr ruhiger Mensch, aber der Trailer hat mich fast schon aggressiv gemacht) nur dachte: „Oh mein Gott, etwas derart schauspielerisch schlechtes, einfallsloses und kitschiges habe ich seit langer Zeit nicht mehr gesehen! Aber damit dürfte Schweiger dann vielleicht ja einmal ins Wasser fallen, bevor ihm dann Ende des Jahres mit ‚Dreiohrmäuschen’ oder wie auch immer ohnehin wieder ein Selbstläufer-Kassenschlager bevorsteht.“

    Völlig falsch gedacht, der Film steht momentan tatsächlich auf Nummer 1 der deutschen Kino-Charts und hat selbst Filme wie „Black Swan“ in Sachen Zuschauerzahlen längst überholt. Wie bereits bei „Keinohrhasen“ zeigt sich dann anscheinend doch wieder, wie unreflektiert der gemeine deutsche Kinogänger auf große Werbung hereinfällt, ohne etwas zu hinterfragen.

    Schweiger scheint es nicht peinlich zu sein, in einem Film, bei dem er das Drehbuch geschrieben hat, den er produziert hat und wo er Regie geführt hat, nicht nur sich selbst als Hauptfigur zu inszenieren, sondern nun auch noch seine Tochter in einer Hauptrolle in Szene zu setzen. Ich wusste nicht, dass man schlechte Schauspielerei in einem solchen Maß bereits im Trailer erkennen kann. „Jaja, sie ist 8, sie kann es doch nicht besser!“ werden einige schreien – aber dann gibt man ihr doch keine Hauptrolle. Von einer Abigail Breslin, die in „Little Miss Sunshine“ gerade einmal zwei Jahre älter war, ist Emma Tiger (!?) Schweiger meilenweit entfernt.

    Aber das scheint nicht weiter schlimm zu sein, sie muss ja nur ihrem Vater nacheifern (der schon immer recht hölzern und unnatürlich agierte) und merkwürdig-langsam-überbetont unglaubwürdige Sätze aus der Feder des gleichen nuscheln (So redet keine 8-Jährige mehr!) und dabei niedlich aussehen, zwei süße Zöpfe retten da bestimmt schon einiges, was an miesen Textzeilen und schlechter Darstellung verloren geht.

    Die Geschichte scheint so unfassbar unoriginell wie der Rest des Films. Schweiger spielt die gleiche Rolle wie immer; auch als darbender Drehbuchautor sieht er wieder wie eh und je blankpoliert und durchtrainiert aus – wie übrigens alles in seinen Filmen. Dreckige Ecken in Berlin scheint es bei ihm nicht zu geben. Da scheint vermutlich auch in der Nacht die Sonne und die Sonnenauf- und Untergänge dauern Stunden. Schlechte Witze gibt es natürlich auch wieder (Schweiger zerhaut mit der Hand Eier – unterlegt mit einem Bud-Spencer-Sound, welch ein Lacher!), was will man also mehr. Mit sowas geht dann auch der letzte Anspruch an eine halbwegs glaubhafte, nachdenkliche Geschichte verloren. Hauptsache, es gibt viele, viele Zeitlupen mit Kissen- und Essensschlachten und durch die Natur tollenden Menschen. Natürlich mit lauter, überaus bewegender, wunderschöner Musik unterlegt.

    Es wirkt alles sehr unecht und aufgesetzt (besonders das krampfhaft niedlich-freche Verhalten von Schweigers Tochter) und über alle Maßen gewollt. Wie ein Musikvideo. Die arme Emma, die anscheinend die Regieanweisungen bekommen hat, merkwürdig zu artikulieren und zu lispeln, weil das ja so süß ist.

    Dazu gibt es vermutlich ein paar Liebes- und Lebensweisheiten und am Ende ist sowieso wieder alles schön und es haben sich alle lieb und alle Konflikte (wenn dann mal welche auftauchen) sind zum Schluss auf einmal verschwunden, weil ein pathetisches Lied dröhnt und sich alle in Slowmotion bewegen. Happy End.

    Kaum ein anderer deutscher Regisseur würde sich trauen, in seinen Filmen derartiges Hollywood-Pathos und solch einen Kitsch einzusetzen. Was sonst als billiger Fernsehfilm untergehen würde, wird – weil von Schweiger – zum gigantischen Einspielerfolg. Man kann sich das ja gerne ruhig ansehen und sich seicht berieseln lassen, wenn man das mag; aber wie man danach ernsthaft sagen kann, dass man gerade einen guten Film gesehen hat, ist mir schleierhaft.

    Aber es scheint bei ihm jedes Mal zu funktionieren, selbst wenn ein Film wie „Kokowääh“ nicht stärker schreien könnte: Ich bin unoriginell und ein ja ein ach so schöner Wohlfühlfilm, in dem Konflikte einfach im Nichts verschwinden und … schau mal, das Kind ist ja so frech und süß! Ein Film, der fast ausschließlich auf den Niedlichkeitsfaktor baut, dieser aber einfach krampfhaft aufgesetzt und gezwungen erscheint.

    Die Orthographie-Fehler im Titel sind übrigens nicht durch die Schwächen Schweigers in der Deutschen Sprache verschuldet, wie man berechtigterweise nach Orthographie-Perlen wie „Barfuss“ glauben könnte, sondern eine bemerkenswerte Steigerung nach „Keinohrhasen“ und „Zweiohrküken“, bereits im Titel deutlich zu machen: niedlich süß niedlich. Dass ausgerechnet jemand, der seine Filme „Barfuss“ nennt, Facebook-Anglizismen in seine Filme einbaut und falsche Imperative wie „Los, versprech’s!“ benutzt, IPA-Lautzeichen auf dem Poster benutzt, wirkt schon ein wenig fehl am Platz.

    I dislike.

    (Zugegebenermaßen natürlich nur aufgrund des Trailers und aufgrund allem, was ich sonst über den Film in Erfahrung gebracht habe. Da ich den Film nicht gesehen habe, kann ich mir ein richtiges Urteil natürlich gar nicht erlauben. Vielleicht werde ich ja eines Tages feststellen, dass der Film ganz anders ist.)

  2. Schon traurig, dass man sich auf diesem Blog derart abwertend äußern darf, ohne einen Film überhaupt gesehen zu haben. Naja, sei ihnen ihre mit Vorurteilen belastete Welt mal nicht aus dem Gleichgewicht gebracht.

    Ankotzen tut mich diese Ignoranz trotzdem!! Es darf jeder seine Meinung haben, aufgrund eines Trailers und einer bereits vorher festgelegten Meinung hier so vom Leder zu lassen, ist in meinen Augen aber wirklich unangebracht, auf jeden Fall bei einem Blog wie diesem.

    Und dass eine Komödie in den Charts an Independentfilmen mit sehr geringer Zielgruppe wie „Black Swan“ problemlos vorbeizieht, ist ja nun auch nicht gerade verblüffend!

    Wenn mich diese Art und Weise (gleich von zwei Leuten) nicht so aufregen würde, sollte ich mich lieber freuen, dass ich zwei schöne Stunden im Kino hatte, die die beiden niemals haben werden. Und ich bilde mir schon ein, einen guten von einem schlechten Schweiger-Film unterscheiden zu können, die Verrisse von „Zweiohrküken“ und „1 1/2 Ritter“ waren irgendwie von mir, wenn ich mich da mal nicht täusche. Und wer bis heute „Barfuß“ nicht gesehen hat, ist selber schuld!

    Ich hoffe, dass hier noch jemand anders den Film gesehen hat und mich in meiner Meinung unterstützt oder wenigstens auf der Basis dessen, dass er den Film gesehen hat, eine qualifizierte Meinung abgeben wird.

  3. Bessere „Werbung“ kann man für den Film nicht machen.
    Ich werde ihn mir nun auf jeden Fall anschauen, einfach nur um mir eine Meinung bilden zu können.
    Entweder ich werde positiv überrascht oder es war halt mal wieder ein „Til“-Film. Aber bis auf die DVD warte ich dann schon noch…

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.