„Winter’s Bone“ – Knochenhartes Schicksal in den Ozarks

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Der in den USA 2010 erschienene US-Independentfilm „Winter’s Bone“ war für zahlreiche Filmpreise nominiert, neben drei weiteren auch für den Bester-Film-Oscar und gewann sogar den großen Preis des Sundance Film Festival 2010 (Bestes Drama). Die Adaption des gleichnamigen Romans von Daniel Woodrell handelt vom harten Leben in den Ozarks, einer auch kulturell abgeschiedenen Hochlandregion in den zentralen Vereinigten Staaten. In Deutschland kommt „Winter’s Bone“ am 31. März 2011 in die Kinos.

Inhalt

Die siebzehnjährige Lee (Jennifer Lawrence) versucht verzweifelt, ihren untergetauchten und schwer verschuldeten Vater zu finden, bevor sie das verpfändete Familienhaus aufgeben müsste und mit ihren Geschwistern und kranken Mutter auf der Straße stehen würde. Sie tritt in Kontakt zu Onkel Teardrop (John Hawkes), doch kaum einer will ihr helfen und es scheint, als wenn mehr hinter dem Verschwinden ihres Vaters stecken würde.

Kritik

„Winter’s Bone“ besitzt eine großartige Visualität, die sehr zur depressiven Stimmung beiträgt. Dieser Film ist ein Beispiel dafür, dass einige Geschichten besser auf einer Leinwand denn auf Bücherseiten aufgehoben sind, denn diese Geschichte lebt sehr von seinen Farben.

Obwohl der Film einige Parallelen zum Krimi aufweisen kann, steht die Geschichte um den verschwundenen Vater nicht im Vordergrund; generell gilt dies für die simple Filmstory. Der Film ist im besten Wortsinne langsam und unspektakulär. Insbesondere eine Szene auf dem Wasser ist dennoch sehr intensiv trotz oder vielleicht gerade wegen ihrer Langatmigkeit. Im Film wirkt nichts geschönt, aber ebensowenig überdramatisiert: Der Film ist wertneutral und in einem sehr dokumentarischen Stil inszeniert. Lange Einstellungen, wenig Schnitte oder Zooms, knapp gehaltene Dialoge und eine auf das absolute Minimum reduzierte, lediglich untermalende Filmmusik prägen das düstere, aber glaubwürdige Filmbild und tragen zur dichten Atmosphäre bei.

Somit schafft es der Film, authentisch zu wirken. Dies war sicherlich auch die Absicht, ist der Film in erster Linie eine Milieustudie der Randgesellschaft in den Missouri-Gebirgswäldern. Das abgeschiedene Leben dort ist hart, das Sichern der eigenen Existenz steht an erster Stelle. Die blätterlosen Bergwälder der Ozarks haben einen großen Anteil an der tristen Wirkung des Films. Fast einem apokalyptischen Endzeitszenario ähnlich ist die Gegend trostlos und menschenarm. Die Behausungen sind schlicht, heruntergekommen und auf das pure Überleben ausgerichtet. Die gesamte Filmvisualität ist durchgehend karg und farblos.

„Winter’s Bone“ überzeugt neben der umwerfend tristen Atmosphäre insbesondere aufgrund der glaubhaften Darsteller. Neben Milieu-Studie ist der Film auch Charakterstudie, und Protagonistin Jennifer Lawrence schafft es in ihrer ersten Hauptrolle sofort, den ganzen Film mit ihrer Präsenz zu tragen, was ihr gleich eine Oscar-Nominierung eingebracht hat. Aber neben ihrer starken Leistung überzeugen auch die weiteren Personen. John Hawkes, u. a. aus „Deadwood“ bekannt, hat ebenfalls mit diesem Film eine Oscar-Nominierung erhalten. Einige Charaktere sind sogar nur mit Laien aus den Ozarks besetzt – was sich vielleicht in der Glaubwürdigkeit widerspiegelt.

„Winter’s Bone“ ist das Gegenteil von solchen als „Feelgoodmovie“ bezeichneten Filmstreifen. Er ist sehr langsam, aber kontinuierlich wird im Zuschauer ein Gefühl des Unwohlseins und der Gefahr erzeugt. Die dunkle Suche von Lee erweist sich als hoffnungslos und mitunter brutal. Es gibt keine auflockenden oder gar humoristischen Momente, kein Lächeln im Gesicht der Darsteller.

Fazit

Debra Granik schafft es, mit „Winter’s Bone“ einen bitteren Geschmack auf der Zunge zu erzeugen. Der Film wirkt gerade aufgrund des dokumentarisch-neutralen Stils rau, hart, aber realistisch und ist sehr atmosphärisch. „Winter’s Bone“ thematisiert das fernab der Zivilisation liegende Leben der Berggesellschaft auf dem Ozark-Plateau. Die Story steht im Hintergrund, die Kultur und Landschaft der Ozarks und nicht zuletzt die Protagonistin im Fokus. Insbesondere den überzeugenden Darstellern und der großartigen Visualität ist es zu verdanken, dass der Film im Gedächtnis bleibt und seine Wirkabsicht erfüllen kann.

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