„Wer ist Hanna?“ – Killerkind auf Europa-Tour!

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Man nimmt eine recht verworrene Agentenstory, holt sich Peter Jacksons jüngsten, putzigen Schauspielzögling und zwei bekannte Hollywood-Darsteller, lässt sie größtenteils durch Deutschland jagen, dazu kommt ein weniger Kasper Hauser, eine Prise Teeniestory und ein Märchen-Erlebnispark, heraus kommt … eigentlich nichts! „Wer ist Hanna?“ hätte mit diesen Ansätzen ein intelligenter, spannender Thriller werden können, doch am Ende reihen sich nur Logiklöcher an Anschlussfehler und Erklärungslücken, wieder ein Film, der sich nicht für eine Richtung entscheiden konnte und mal wieder an den Drehbuchautoren gespart hat.

Hanna wächst in der Wildnis auf und wird seit ihrer Kindheit zu einer perfekten Waffe von ihrem CIA-Vater trainiert. Als man sie entdeckt, verabreden die beiden einen Treffpunkt in Berlin. Hannas Vater macht sich alleine auf den Weg, Hanna wird in einen CIA-Stützpunkt mitgenommen. Dort tötet sie die vermeintliche Widersacherin ihres Vater und mordet sich in die Freiheit, um sich auf den Weg quer durch Europa nach Berlin zu machen. Dabei hat sie nicht nur mit den Verfolgern, sondern auch mit einer völlig fremden Welt zu kämpfen.

Saoirse Ronan wird meiner Meinung nach überschätzt, sie spielt hier zwar nicht schlecht, schafft es aber während des ganzen Films nicht, dass man sich mit Hanna identifizieren kann. Auch Eric Bana und sogar Cate Blanchett bleiben weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. So sieht man als Zuschauer eine chaotische Verfolgungsjagd von Leuten, die einem eigentlich alle egal sind.

Schade, dass man den Ansatz, dass Hanna ja wie Kasper Hauser bisher fast wild abseits der Zivilisation aufgewachsen ist, nicht richtig ausgebaut hat. In einer der besten Szenen hält sie den gleichzeitigen Betrieb von Fernseher, Wasserkocher, Telefon und blinkenden Leuchtstoffröhren einfach nicht aus und flüchtet, ab da ist das dann aber egal, selbst Internetrecherche ist auf einmal kein Problem. Genauso nimmt ihre Freundschaft zu einem anderen Mädchen jegliche Geschwindigkeit aus dem Film, wirklich zur Charakterbildung trägt das dann aber auch nicht bei, ein weiterer vergeigter Ansatz.

Interessant, dass Deutschland als Filmland immer beliebter wird, als Norddeutscher kann man sich sogar über eine kurze Einstellung mit der Fehmarn-Sund-Brücke freuen, zudem wurde sehr viel in der Berliner Innenstadt gedreht. Doch auch hier passt geografisch vieles nicht zusammen. Wo wurde Hanna groß gezogen? Ich hätte mal Kanada, Grönland oder Norwegen vermutet, aber wieso ist sie dann als nächstes in Marokko? Und welche Meere hat ihr Vater durchschwommen, um bei Fehmarn an Land zu gehen? Wie schnell kann man sich eigentlich zwischen Spanien und Deutschland hin und her bewegen? Fragen über Fragen, die ein Amerikaner sicher niemals stellen würde.

Zuletzt will dann auch das Geheimnis um Hannas Vergangenheit und das geheime CIA-Forschungsprojekt, an dem ihr Vater und die gegnerische Geheimagentin gearbeitet haben, nicht wirklich funktionieren, vermutlich weil es hier auch an logischen Erklärungen mangelt.

Aufgrund der wenn auch nicht gut ausgeführten trotzdem interessanten Ansätze und ein wenig Spannung schafft es der Film noch ins Mittelmaß, bleibt dabei aber weit hinter seinen Möglichkeiten zurück.

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