„Melancholia“ – Hochzeit, Depression und Weltuntergang

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Gone Girl

Lars von Trier ist wohl einer der depressivsten Filmemacher unserer Zeit und ein Misanthrop dazu. In „Dogville“ führte er uns mit sehr einfachen Mitteln die schlechte Natur der Menschen vor Augen und „Antichrist“ bot als eine Art verfilmter Depression eine absolut bizarre Mischung aus kunstvollen Bildern und einer wirklich düsteren Orgie aus Sex und Gewalt. „Melancholia“ hingegen kommt sehr ruhig daher, aber mit einer nicht weniger deprimierenden Atmosphäre und einem wirklich bedrückenden Weltuntergangsszenario.

Justines Hochzeit wird im großen Stil gefeiert, doch nicht zuletzt der Stress, die lieben Verwandten und ihre eigene Melancholie sorgen dafür, dass sich die Hochzeit vom glücklichsten Moment im Leben immer mehr zu einem Albtraumszenario entwickelt. Am Ende steht Justine vor einem gigantischen Scherbenhaufen und verliert sich in einer heftigen Depression. Doch der Planet Melancholia, der sich in Richtung Erde bewegt, könnte das Ende für alles Leben auf der Welt bedeuten, wenn die Wissenschaftler mit ihren Berechnungen falsch liegen sollten, dass er die Erde knapp verfehlt. Während Justines vorher so starke Schwester Claire immer mehr ihrer Kraft angesichts der drohenden Katastrophe verliert, gewinnt Justine langsam wieder an Kraft dazu.

Lars von Trier liebt es, die Menschen mit seinem Filmen runter zu ziehen und schickt in seinem neuen Film sogar einen ganzen Planeten los, um die Erde mit seinen ihm so ungeliebten Bewohnern auszulöschen. Das tut er natürlich wieder in oft sehr ansprechenden Bildern und mit großartig besetzten und eindrucksvoll spielenden Schauspielern wie Kirsten Dunst, Kiefer Sutherland, Charlotte Gainsbourg, John Hurt, Udo Kier sowie Alexander und Stellan Skarsgard, allerdings muss man seine Filme nicht unbedingt mögen. Denn wer sich diesen Film ansieht, wird sich danach schlecht fühlen. Eine Hochzeit, symbolisch für einen glücklichen Moment im Leben, entpuppt sich nur als Katastrophe, mit getrennten Eltern, die sich vor allen Gästen noch einmal angiften müssen, einem streng durchgeplanten Ablaufplan, der keinen Platz für Individualität und keine Luft zum Atmen lässt, einem gutaussehenden Bräutigam, der aber nicht mehr zu bieten hat als gut auszusehen und einer Braut, die sowieso nicht an das Glück glaubt. Schockierend ist an diesem Szenario natürlich der Realismus, auch wenn Lars von Trier hier sicher alle Hochzeits-Horrorszenarien versammelt hat.

Während viele Filmemacher dem Zuschauer in ihren Filmen eine Welt zeigen, wie man sie gerne hätte, zeigt einem Lars von Trier die düsterste Realität. Während man die erste Hälfte des Films auf der Hochzeit leiden kann und so vom Regisseur noch mal vorgeführt bekommt, wie sinnlos und lieblos die Menschen miteinander umgehen können, schickt er in der zweiten Hälfte den Erlöser aller, die sowieso an nichts mehr glauben: den Planeten Melancholia. Menschen, die glücklich und stark wirkten, werden zu hilflosen, weinerlichen Geschöpfen, nur die Depressiven können dem drohenden Untergang ganz gelassen entgegen gehen, schließlich hat das Leben ja sowieso keinen Sinn mehr und die Menschheit auszurotten ist ja ein Segen für das gesamte Universum.

Sollte man mit dieser Einstellung von Triers auf einer Wellenlänge sein, wird es einem nach dem Film nicht besser gehen, aber man sollte sich dringend ärztliche Hilfe suchen. „Melancholia“ ist wie schon „Antichrist“ eher etwas für Fans von andersartigen Filmen, die durch ihre Schauspieler, Bilder und Emotionen überzeugen, den meisten wird der Film aber vermutlich zu langatmig, zu depressiv und einfach zu düster sein. Wer den Stil von „Antichrist“ mochte, aber gerne auf die Gewalt verzichtet hätte, ist hier vermutlich ganz richtig.

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