„Gefährten“ – Spielbergs Pferdefilm voll Kitsch und Pathos

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Vermutlich, weil ich eigentlich alle Filme von Steven Spielberg gesehen habe, habe ich „Gefährten“ jetzt doch noch eine Chance gegeben. Aber der Film entsprach leider genau meinen Erwartungen, eine rührseelige Ansammlung voller Kitsch und Pathos, fast schon eine Beleidigung des Regisseurs, der doch einst mit Filmen wie „Der Soldat James Ryan“ sehr eindrucksvoll zeigte, wie grausam der Krieg sein kann. Ich frage mich wirklich, für wen dieser weichgespülte Film eigentlich sein soll, Männer wollen keinen Pferdefilm, Frauen keinen Kriegsfilm, also?

Albert kümmert sich rührend um sein Pferd Joey, bis sein Vater es für den Kriegseinsatz verkauft. Im Ersten Weltkrieg erlebt es den Krieg aus der Sicht vieler involvierter Armeen und Zivilisten, doch auch Albert zieht in den Krieg, um endllich wieder mit seinem geliebten Pferd vereint zu sein.

Ok, ich kann mit Pferden nichts anfangen, daher hätte „Gefährten“ sicher auch nie mein Film werden können, aber ich fand es wirklich erschreckend, wie Spielberg in seinem neuen Film seinen Hang zu rührseeligen Szenen, übertriebenem Pathos und weichgespülten Dialogen so auf die Spitze treiben konnte. Natürlich können die Aufnahmen an vielen Stellen optisch überzeugen, und die Grundidee, den Ersten Weltkrieg aus Sicht eines Pferdes zu schildern, ist auch nicht unbedingt unoriginell, aber die Umsetzung ist einfach zu kitschig geraten, vor allem wird die Pferdegeschichte dem Grauen des Krieges einfach nicht gerecht, schließlich gerät das Pferd irgendwie nur an liebe Soldaten aller beteiligten Armeen, die alle so unrealistisch sympathisch daher kommen und sich so rührend um das Pferd kümmern, dass jeglicher Realismus auf der Strecke bleibt. Die schmalzigen Szenen sind so bewusst auf Gefühlsduselei ausgelegt und so überzeichnet, dass echte Emotionen einfach nicht aufkommen wollen.

Auch das Talent von Stars wie David Thewlis, David Kross und Benedict Cumberbatch wurde hier absolut vergeudet, Hauptdarsteller Jeremy Irvine kann man nur wünschen, dass er in einer weniger schmalzigen Rolle sein Talent erneut unter Beweis stellen darf. Beeindruckend sind nur die Aufnahmen mit den Pferden, die wirklich gut choreografiert wurden. Bleibt uns nur zu hoffen, dass Steven Spielberg nach diesem überzeichneten Kitsch mal wieder ein Geniestreich gelingt.

Bildergalerie (zum Vergrößern anklicken)


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