„Hannibal“ – Mads Mikkelsen als kühler Kannibale

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Die diesen Frühling auf NBC ausgestrahlte und 13 Folgen umfassende erste Staffel von „Hannibal“ rückt ein weiteres Mal den wohl bekanntesten (fiktiven) Kannibalen Dr. Hannibal Lecter ins Rampenlicht. Der wird diesmal nicht im Gefängnis und mit Maske vor dem Kopf gezeigt, sondern als angesehener Psychiater mit dem Hobby, Menschen zu töten und diese dann von sich und nicht selten auch von Unwissenden verspeisen zu lassen. Der Serienfokus liegt allerdings auf der instabilen Psyche des FBI-Ermittlers Will Graham und auf seiner Jagd nach einem Serienmörder.

Inhalt

FBI-Agent Will Graham (Hugh Dancy) soll die Ermittlungen gegen Serienmörder unterstützen, da er äußerst empathisch ist und sich somit auch in Serienmörder hineinversetzen kann. Der Psychiater Dr. Hannibal Lecter (Mads Mikkelsen) hilft ihm bei den Ermittlungen, ohne dass Graham weiß, dass dieser selbst ein Serienmörder ist, der Organe seiner Opfer isst. Mit der Zeit wird allerdings Wills Psyche immer instabiler …

Review

Die Serienkiller-Thematik ist beim Publikum sehr beliebt und wenn dann auch noch bekannte Namen im Spiel sind, sowohl inhaltlich (Hannibal Lecter) als auch schauspielerisch (Mads Mikkelson, Laurence Fishburne, Gillian Anderson), ist der Erfolg garantiert. Doch abseits davon traut sich die Serie einige erzählerisch und inszenatorisch innovative Ansätze, die sie von Vergleichbarem abhebt.

Filmchronologisch stellt die Serienhandlung die Vorgeschichte zu „Roter Drache“ dar, der 2002 mit Anthony Hopkins und Edward Norton erfolgreich verfilmt wurde und der wiederum die Vorgeschichte zu „Das Schweigen der Lämmer“ darstellt. Wurde in „Roter Drache“ erzählt, dass der Ermittler Will Graham Hannibal überführt habe, nachdem ihm dieser als Psychiater bei Ermittlungen geholfen habe, ist genau dies Gegenstand der „Hannibal“-Serie.

Mads Mikkelsen muss sich vor Anthony Hopkins‘ kultträchtiger Performance dabei nicht verstecken, hat er zweifelsohne ebenfalls dessen Charisma und bedrohliche Ausstrahlung. Den kaltblütigen Killer nimmt man ihm sofort ab. Dennoch ist sein Lecter ein ganz anderer: Mikkelsen spielt stets distanziert und ernst, weniger amüsiert-dämonisch oder provozierend.

Vor allem ist jedoch der von Hugh Dancy dargestellte Will Graham ein ganz anderer als der Edward Nortons: Seine „absolute Empathie“ führt in der Serie zu immer größer emotionaler Instabilität und Zerrissenheit. Diese trifft Darsteller Hugh Dancy bestens. Die Hauptfigur ist somit nicht der titelgebende Kannibale, sondern Graham und seine kaputte Psyche. Dadurch geht die Serie andere Wege, als man vielleicht vermutet hätte. Die Figuren sind allesamt moralisch ambivalent, mehrdimensional und ihre Beziehungen zueinander sind es auch. Dem förderlich ist, dass auch der Rest der Schauspielriege eine gute Figur macht, nicht zuletzt Laurence Fishburne.

Allerdings ist die Serie nichts für schwache Nerven! Hochgradig morbid und direkt scheut sich die Serie nicht, jede Folge neue verstörende Traumbilder und auf kranke Art und Weise verunstaltete Leichen zu zeigen. Nach „Dexter“, „Roter Drache“ oder „Sieben“ könnte man meinen, man hätte langsam so ziemlich alles in Sachen abartige Morde gesehen – Fehlanzeige. „Hannibal“ setzt wöchentlich mit derart krankhaften Mordszenarien stets noch einen drauf, dass einem regelrecht schlecht werden kann.

Das Ganze ist dabei stark stilisiert; die gesamte Inszenierung ist visuell und stylisch. Und vor allem kompromisslos düster. Völlig gegensätzlich zu bspw. „Dexter“ bleibt Humor (auch schwarzer) fast ganz ausgeklammert, was die ununterbrochen mit psychedelisch-düsteren Geräuschen unterlegte Musik noch verstärkt. Das muss man erstmal über 13 Folgen aushalten; mir war die Serie deutlich zu ernst und ich hätte mir gewünscht, dass sie zumindest hinsichtlich Lecter mehr schwarzen Humor besitzt.

Wie geht es mit der Serie weiter? Das Ende lässt gespannt auf die bereits vom Sender genehmigte zweite Staffel schauen; auch haben die Produzenten bereits gesagt, dass in weiteren Staffeln irgendwann die „Roter Drache“-Story behandelt werden würde und irgendwann evtl. vielleicht sogar die von „Schweigen der Lämmer“ (auch wenn bei letzterem noch Rechte-Schwierigkeiten gegeben sind).

Fazit

Eine inszenatorisch-visuell sehr professionell gemachte Ermittlerserie, die kompromisslos depressive Stimmung erzeugt und auf jegliche auflockernde Momente verzichtet. Für Fans von Hannibal Lecter oder der Serienmörder-Thematik ein Muss, für alle anderen einen Blick wert. Allerdings ist die Serie keine leichte Kost, sehr morbid-brutal und keinesfalls leichte Unterhaltung für zwischendurch, sondern regelrecht anstrengend zu schauen.

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