„00 Schneider: Im Wendekreis der Eidechse“ – Harter Stoff!

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Multitalent, Entertainer, Musikergenie, Bücherautor, Film- und Theaterregisseur und Schauspieler – keine andere Persönlichkeit im deutschen Comedy-Bereich macht dermaßen ihr eigenes Ding wie Helge Schneider, der mit jeder nur erdenklichen Konvention bricht. Die meisten lieben oder hassen ihn. Nun meldet sich Helge neun Jahre nach seinem letzten Spielfilm „Jazzclub“ im Kino zurück mit einer Fortsetzung von dem als sein bester geltender Film „00 Schneider: Jagd auf Nihil Baxter“ (1994). Neue Anhänger dürfte er damit kaum finden; eher werden selbst seine Fans strapaziert, verzichtet er noch konsequenter als sonst auf Pointen und Dramaturgie.

Inhalt

Kommissar 00 Schneider (Helge Schneider) ermittelt nicht nur gegen allerlei Übeltäter, sondern schreibt auch an seinen Memoaren: Er wurde nicht als Kommissar geboren, sondern musste diesen Beruf erst erlernen. Auf der Suche nach dem Kettenraucher Jean-Claude ‚Die Eidechse‘ Pillemann (Rocko Schamoni) bekommt er weiterhin Besuch von seiner afroamerikanischen Tante, hat Zahn- und Waschmaschinenprobleme und muss sich um so einige Kriminalfälle im spanisch anmutenden Mülheim kümmern; egal ob um sexuelle Übergriffe, Tabakladendiebstahl oder Hühnerklau. Er zieht alle Register polizeilicher Arbeit, um ‚Die Eidechse‘ zu fassen …

Rezension

Wer Angst gehabt hat, dass Helge Schneider sich nach so langer Filmauszeit mit einer Fortsetzung seines bekanntesten Films zurückmeldet, indem er einen Schritt in Richtung Massenkompatibilität geht oder nur an alte Erfolge anknüpfen will, der kann beruhigt sein: „Im Wendekreis der Eidechse“ ist eher noch spezieller als seine anderen Filme. Allein schon aufgrund der Tatsache, dass Helge somit eher alte Fans vergrault, als sich darum bemüht, sich neuen anzubiedern, steht ihm Respekt zu.

Mit dabei als ‚Eidechse‘ ist diesmal der von Studio Braun bekannte Rocko Schamoni; weiterhin gibt traditionsgemäß Helge selbst wieder verschiedene Charaktere. Wie alle Filme von Helge Schneider ist auch dieser eine groteske Ansammlung von dadaistischen Absurditäten: Wie immer werden einige Frauenrollen von Männern gespielt, im Polizeipräsidium sprechen alle unterschiedliche Sprachen, alle Personen spielen gewollt dilettantisch, ein Spannungsbogen sowie ein Ende sind nicht vorhanden und stellenweise passiert minutenlang einfach mal gar nichts. Dass beliebig zwischen der Stadt Mülheim und spanischer Wüste hin- und hergeschnitten wird, gehört in Helges Universum zur Normalität.

Auch hat der Film wenig mit dem ersten 00-Schneider-Abenteuer zu tun; der Kommissar scheint eine völlig andere Persönlichkeit zu sein und bis auf ein einzelnes „Kombiniere, kombiniere“ erinnert nicht viel an die Jagd auf Nihil Baxter. Aussehen, aber vor allem die Sprechweise haben sich in den vergangenen zwanzig Jahren verändert: Er redet natürlich und nicht mehr mit nuscheliger, verstellter Stimme. Generell bietet Helge mittlerweile kaum mehr aufdringlichen Klamauk, sondern der subtile, spezielle Humor findet eher beiläufig im Detail, im Hintergrund und auf der Metaebene statt. Der Film bietet somit kaum Schenkelklopfer, sondern lädt eher leise durch seine Skurrilitäten zum Schmunzeln ein.

Trotzdem schafft es Helge nicht selten, gekonnt Klischees zu parodieren. Wie momentan in vielen seiner Auftritte nimmt die Zigarette auch in diesem Film eine große Rolle ein. Dennoch bleibt der Film so langatmig und ereignislos wie vielleicht kein anderer Helge-Film. Dies ist nur konsequent, macht das Anschauen aber nicht gerade einfacher. Nach lediglich 90 Minuten ist man letztlich doch ganz froh, dass der Film vorbei ist.

Helge hat sein eigenes Universum für sich geschaffen, bei dem es schwierig ist, einen Bewertungsmaßstab zu finden. Helges aktuelle Welt ist weniger von lautem, aufdringlichem Herumhampeln, verstellter Stimme und Grimassen geprägt, sondern eher durch ein universelles Nicht-Vorhandensein, Beiläufigkeit und Langsamkeit. Einige wenige Szenen sind urkomisch (z. B. das Pfannkuchenwerfen oder der Waschmischenentransport), die meisten sind jedoch schnell vergessen. Ein ordentliches Ende oder ein etwas größerer Spannungsbogen täte dem Film sicherlich nicht schlecht.

Fazit

Für Helge-Schneider-Fans ist der Film nicht nur ein Muss, sondern wird die Erwartungen auch befriedigen. Alle anderen werden mit diesem Film vermutlich noch weniger anfangen können als mit seinen anderen Filmen, ist er noch langwieriger und pointenloser als Helges vergangene Filme. Der Film bietet weniger albernes Affentheater, sondern eher einen schrägen, elegischen Leerlauf.

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