„Gravity“ – ‚Der Film, der das Kino retten kann‘

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Regisseur Alfonso Cuarón („Children of Men“, „Harry Potter 3“) ist mit „Gravity“ ein neuer Geniestreich gelungen. Audiovisuell bietet der Film ein derart umwerfendes und spannendes Erlebnis, wie man es schon lange nicht mehr im Kino sehen konnte. Und das sage ich als Kritiker der derzeitigen Animationsorgien zu einem zu 60 % aus CGI bestehenden Film. Schade ist lediglich, dass sich Cuarón ausschließlich um die Optik gekümmert hat und die Charaktere und Dialoge dementsprechend flach und langweilig bleiben, dass man sich gewünscht hätte, er könnte wie bei „Children of Men“ eine großartige Visualität mit großartigem Inhalt verbinden.

Inhalt

Als die Raumstation Explorer von Trümmerteilen eines Satelliten schwer getroffen wird, drohen die Astronauten Dr. Ryan Stone (Sandra Bullock) und Matt Kowalski (George Clooney) im All verschollen zu gehen. Mit allen Mitteln versuchen sie, zu überleben und irgendwie wieder auf die Erde zu kommen …

Rezension

Ganze sieben Jahre sind seit Alfonso Cuaróns letztem Film vergangen, da er zahlreiche Rückschläge bei der Produktion seines Weltraumabenteuers einstecken musste. So ist nicht nur Robert Downey Jr. kurzfristig als männlicher Protagonist abgesprungen, sondern Cuarón musste vor allem technische Herausforderungen meistern. Sein ursprünglich als kleiner Film geplantes Space-Abenteuer, bei dem er neben Regie auch für Drehbuch, Schnitt und Produktion verantwortlich ist, wurde schließlich zu einem bombastischen CGI-Werk mit völlig neuer Technik: Während viele andere Astronautenfilme den Sturzflug eines Flugzeugs nutzen, bei dem für einen kurzen Moment tatsächlich Schwerelosigkeit herrscht, entwickelte Cuarón eine Mischung aus CGI und Realaufnahmen.

Während ich zunächst nach dem Trailer noch sehr skeptisch war, da dieser doch sehr nach künstlichem CGI aussah, verflog diese Skepsis im Kino ziemlich schnell: Der Film schafft das, woran der „Hobbit“ gescheitert ist und demonstriert überzeugend, wie das Kino der Zukunft aussehen könnte. Ich habe noch nie ein so umwerfendes 3D in Kombination mit HFR gesehen. Während die höhere Framerate beim „Hobbit“ eher störend wirkte und es teilweise zum Speed-up-Effekt kam, sieht „Gravity“ technisch einfach perfekt aus (nutzt „Gravity“ statt 48 sogar 60 fps?). Die Bewegungen sind absolut flüssig und natürlich und unterstützen den Film. Er ist einer der wenigen Filme, die man unbedingt in 3D und HFR im Kino sehen muss, da er ansonsten vermutlich stark verliert. Dass der Film bisweilen als Retter der Kinos bezeichnet wird, ist also durchaus nachzuvollziehen. Für mich ist der Film ein technischer Meilenstein, der sich problemlos zu „Jurassic Park“ und „Avatar“ einreihen kann.

Mit „Gravity“ zeigt Cuarón somit noch mehr denn je, dass er ein sehr visueller Mensch ist und frönt erneut minutenlangen Einstellungen ohne sichtbare Schnitte: Die umwerfende Anfangssequenz kommt sage und schreibe ca. eine Viertelstunde lang ohne Schnitte aus. Die dadurch erzeugte Unmittelbarkeit wird zudem dadurch unterstrichen, dass es im Film nahezu keine Zeitspünge gibt und oft das Geschehen aus der Sicht der Protagonisten gezeigt wird. So bleibt der Film trotz eingeschränktem Handlungsort die ganzen 90 Minuten lang eindringlich und fesselnd.

Generell ist der Film sehr um Authentizität bemüht: Dass – im Gegensatz zum Trailer – keine Geräusche im All zu hören sind, unterstreicht die klaustrophobische Grundstimmung des Films perfekt, harmoniert mit dem eindringlichen Score und tut der Spannung keinen Abbruch. Nett war auch, dass alle drei großen derzeitigen Weltallparteien mit den USA, Russland und China gewürdigt wurden. Generell ist auch der Kernaspekt um den gefährlichen Weltraumschrott den Zeitungen nach alles andere als Science Fiction (siehe hier).

Den Inhalt des Films kann man hingegen mit einem Satz wiedergeben. Aber das ist auch nicht weiter schlimm, will der Film auch nichts anderes als hypnotisierende Aufnahmen bieten – und das tut er hervorragend.

Die emotionale Ebene hingegen wirkte auf mich ziemlich aufgesetzt: Trauma und Einsamkeit der Titelheldin konnten mich ebenso wenig überzeugen wie die möchtegerncoolen Sprüche von George Clooney, der als lässiger Charakter zu einem stichwortgebenden Klischee verkommt. Die platten Dialoge sind sicherlich der größte Schwachpunkt des Films und sorgen dafür, dass man „Gravity“ nicht als vollkommenen Film bezeichnen kann. Dennoch hat Sandra Bullock überzeugt und konnte den Film problemlos alleine tragen. An einigen Stellen des Internets hört man bereits Rufe nach einem zweiten Oskar.

Mit „Children of Men“ verglichen fehlt einem also leider die Komplexität. Wenn man es aber schafft, sich einfach nur von den Bildern des Films berauschen zu lassen, ohne mehr zu erwarten, dann ist auch „Gravity“ durchaus gelungen.

Fazit

Mit „Gravity“ ist Cuarón ein technisches Meisterwerk geglückt, dass das Kino erfolgreich in eine völlig neue Richtung lenkt und ein unvergleichliches visuelles Erlebnis bietet. Der Film bleibt kontinuierlich spannend und zieht den Betrachter in seinen Bann. Lediglich die übergeordneten emotionalen Aspekte können wenig überzeugen und die Figuren und Dialoge bleiben relativ flach und uninteressant. Dennoch ist er einer der wenigen Filme, die man unbedingt in einem gut ausgestatteten Kino sehen muss – und zwar in 3D und HFR!

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4 Kommentare

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