„Paranoia“ – Mieser Versuch eines Cyberspionagethrillers

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Obwohl man sich zunächst freut, Harrison Ford mal äußerlich anders und in einer eher neuen Rolle zu sehen, greift er nach „Firewall“ erneut mit seiner Rollenauswahl bei einem Cyberthriller in den Misthaufen. Denn „Paranoia“ macht eigentlich trotz einiger bekannter Gesichter kaum etwas richtig. Die Geschichte und die Rollen bleiben unendlich langweilig und spannungsarm; weiterhin kommt noch hinzu, dass man das Gefühl hat, die Macher wissen eigentlich gar nichts über die Technik, von der sie die ganze Zeit reden. Ein „riskantes Spiel“ war dieser 08/15-Langweiler auf keinen Fall.

Inhalt

Der Karriere machen wollende Adam Cassidy (Liam Hemsworth) fliegt aus einem Technologiekonzern, reizt aber aus Trotz die Firmenkreditkarte auf einer Party nochmal richtig aus. Der Firmenchef Nicolas Wyatt (Gary Oldman) nutzt dies als Druckmittel, Adam als Spion in der Firma seines Erzrivalen Jock Goddard (Harrison Ford) einzuschleusen, um innovative Daten zu stehlen. Zu allen Ungunsten verliebt sich Adam auch noch in ein hübsches Mädel (Amber Heard), das er ausnutzen muss …

Rezension

Die Idee eines modernen Cyberspionagethrillers ist ja an sich nicht schlecht. Doch obwohl man hier und da ein paar platte Anspielungen auf NSA-Skandal (alle brisanten Daten eines Menschen sollen auf seinem Handy immer abrufbar sein) und Finanzkrise (die Leute der oberen Firmenhierachie sahnen einen dicken Bonus nach dem anderen ab) kommen, darf man keine tiefgründigeren oder intelligenten Abhandlungen solcher Thematiken erwarten. Dadurch verspielt der Film schonmal jegliche Chance, seinem Ich-bin-top-aktuell-Image-Versuch gerecht zu werden.

Wirklich fatal ist allerdings, dass der Film einfach nicht spannend werden will. Er ist routiniert auf Hochglanz poliert und dümpelt so vor sich hin, aber gerade für einen Film über moderne Spionage erwartet man eigentlich, dass jeder mit jeden irgendwelche Spiele spielt und alles verworren ist. Das hält sich aber doch sehr in Grenzen; wirklich unvorhersehbar oder verworren ist hier kaum etwas und der Film ist sehr ereignislos und linear. Die Buchvorlage liefert vielleicht auch nicht gerade eine einfache Vorlage für einen intensiven Thriller, aber mit einem anderen Regisseur als Robert Luketic, dessen bester Film der durchschnittliche „21“ ist, hätte man vermutlich viel mehr rausholen können.

Liam Hemsworth kann nicht schauspielern und latscht einfach nur monoton und sich selbst für ziemlich cool haltend im perfekt-schmalzigen Manager-Look durch den Film. In regelmäßigen Abständen darf er dabei seinen nackten aufgepumpten Oberkörper vor die Linse halten.

Am Interessantesten sind sicherlich noch Gary Oldman und Harrison Ford als zwei Erzrivalen; und in gemeinsamen Szenen zwischen ihnen kommt endlich mal ein wenig Chemie und fühlbare Spannung auf. Beide spielen souverän bis gut, können aber dann auch nicht mehr viel aus dem Film herausholen. Ford spielt dankenswerter Weise mal verhältnismäßig reserviert und overacted kaum; als wirklicher Bösewicht funktioniert er dennoch nicht. Gary Oldman hat man auch in ähnlichen Rollen schon öfter gesehen, auch wenn er diese gut ausfüllt.

Amber Heard soll am Anfang wohl noch eine selbstbewusste Businessfrau darstellen, verkommt dann aber sehr schnell zum weinerlichen Loveinterest ohne Storyrelevanz. Weitere Nebendarsteller wie Richard Dreyfuss oder „Lost“-Star Josh Holloway können ebenfalls keine Akzente setzen.

Zu allem Überfluss erscheint das ganze Gerede um die Smartphone-Technologie wie Blendwerk; man erzählt einfach irgendwelche technisch klingenden Dinge, um so zu tun, als hätte man davon Ahnung. Sich wirklich beschäftigen mit den ja technisch interessanten Möglichkeiten tut der Film nicht; eher werden Hacker wie vor 30 Jahren als irgendwelche zaubernden Leute dargestellt, die irgendwie irgendwas machen können – meist vereinfacht und grafisch simpel simuliert. Willkommen im Jahr 2013.

Fazit

War leider nichts. „Paranoia“ bietet gähnende Langeweile, einen hornbrillenbesetzten, kahlköpfigen Harrison Ford und den nackten Oberkörper von Liam Hemsworth. Ansonsten sollte man nicht zu viel von diesem Spionagethriller erwarten; Unvorhersehbarkeit, Realismus, brisante Aktualität oder Spannung am allerwenigsten.

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