„The Spectacular Now“ – Authentisch emotional

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„The Spectacular Now“ ist eine der wenigen Dramödien, die es fast durchgehend schaffen, ungekünstelt zu wirken und Stereotype zu vermeiden. Es liegt dabei nicht nur an der Inszenierung von James Ponsoldt und den „(500) Days of Summer“-Drehbuchschreiben Scott Neustadter und Michael H. Weber, dass diese Buchverfilmung so glaubhaft wie selten das Gefühl des Erwachsenwerdens einfangen kann, sondern allen voran den umwerfend guten Hauptdarstellern Miles Teller und Shailene Woodley. Abgesehen vom treffend eingefangenen Coming-of-Age-Aspekt des Films hat es auch kaum ein anderer Film geschafft, Alkohol so subtil-beiläufig und gleichzeitig zum sehr präsenten Thema zu machen.

Inhalt

Der 17-jährige Sutter Keely (Miles Teller) lebt für den Augenblick: Er feiert gerne, ist gesellig, wird von allen gemocht und hat kein Problem mit Selbstbewusstsein. Doch sein Leben ändert sich, als er von seiner Freundin verlassen wird und anschließend nach einem Vollrausch in einem fremden Vorgarten von der gleichaltrigen Aimee Finicky (Shailene Woodley) gefunden wird, die eher introvertiert ist. Obwohl Sutter seine Ex zurückgewinnen will, kommen er und Aimee sich immer näher, bis die Grenzen zwischen Ordnung und Unordnung, falsch und richtig sowie Freundschaft und Liebe verschwinden und Sutters selbstsichere Fassade zu bröckeln beginnt …

Rezension

Wie bei fast allen Filmen bin ich froh gewesen, nicht genau zu wissen, was mich erwartet. Der Film steigt mit vollem Tempo ein und wirkt zunächst fast wie eine x-beliebige Teenie-Komödie – doch das ändert sich zunehmend im Verlauf des Films, der immer ernstere Töne anschlägt. Er zeigt ein gutes Einfühlvermögen, die Probleme der heutigen Jugend und des schwierigen Prozesses des Erwachsenwerdens zu thematisieren, ohne den Holzhammer zu schwingen oder in stereotypische Muster und Rollenbilder zu verfallen; so ist Sutter z. B. beliebt, aber nicht der beliebteste Star der Schule, und Aimee ist schüchtern, aber kein absoluter Außenseiter. Der Film setzt sich klug mit verschiedenen Lebenskonzepten und Verantwortungsübernahme auseinander, allen voran Sutters Konzept „Leben für den Augenblick“.

Alle beteiligten Darsteller setzen ihre vielschichtig angelegten Figuren auch umwerfend gut um – allen voran die herrlich natürliche Shailene Woodley, aber auch Hauptdarsteller Miles Teller kann zeigen, dass er deutlich mehr „Projekt X“ drauf hat. Das Schauspiel der beiden wirkt glaubhaft und nicht aufgesetzt – selten sah man eine authentischere Szene über das erste Mal. Auch die Nebenrollen, mit Kyle Chandler, Mary Elizabeth Winstead und Jennifer Jason Leigh zum Teil halbwegs prominent besetzt, überzeugen und bleiben trotz geringer Screentime als ernstzunehmene Charaktere im Gedächtnis. So wirken z. B. Sutters Ex, ihr neuer Freund oder seine Schwester real und nicht wie ein Klischee.

Vermutlich kann man den Film unterschiedlich interpretieren, aber in meinen Augen ist er nicht nur ein gelungener Film über die schwierige Zeit des Erwachsenwerdens, sondern in seiner zweiten Hälfte wird deutlich, dass es auch ein Alkoholikerfilm ist. Obwohl Sutters Hang zum übermäßigen Alkoholkonsum zwar fast nie ausgesprochen wird, kann man dieses Problem doch als ausschlaggebend für alle Probleme interpretieren. Und alleine, wie der Film es schafft, dies nicht aufdringlich mit erhobenem Zeigefinger, sondern nach und nach mehr in den Vordergrund zu schieben, ist nicht nur genial, sondern vermutlich auch sinnvoll, um gleichaltrige Jugendliche über diese Problematik zum Nachdenken anregen zu können. Denn in keiner Jugend war der übermäßige Alkoholkonsum so gesellschaftlich akzeptiert und zum normalen Leben zugehörig wie heutzutage.

Einzig das letzte Drittel des Films lenkt ein wenig in altbekannte Muster ein und läuft ein wenig Gefahr, das differenzierte Spektrum der Handlungs- und Gefühlswelt Sutters zu einem Ich-will-nicht-wie-mein-Vater-werden-Komplex zu reduzieren. Auch muss jeder selbst entscheiden, ob die kurze letzte Szene den Film zufriedenstellend abschließt oder nicht eher überflüssig ist. Das lässt den Film jedoch kaum schlechter werden.

Fazit

Eine glaubhafte, natürlich wirkende Dramödie über das Erwachsenwerden mit großartig aufspielenden Darstellern, die es weitgehend schafft, Stereotype zu vermeiden und selbst Nebenfiguren differenziert darzustellen. Absolut sehenswert!

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