Wieso hat sich die Blu-ray noch nicht durchgesetzt?

Ich bin immer wieder bei einem Gang durch Elektronikmärkte verblüfft, dass dort immer noch zahlreiche DVDs zu finden sind und diese sogar stärker zur Schau gestellt werden als die entsprechenden Blu-rays. Man hat das Gefühl, als wäre die Blu-ray Disc noch immer nicht der Film- und Serien-Hauptdatenträger, obwohl sie mittlerweile seit Jahren auf dem Markt ist. Wie kommt’s? Mittlerweile stehen bereits die 4k-Fernseher in den Startlöchern!

Um zu überprüfen, ob dies nicht nur ein subjektiver Eindruck ist, habe ich mal einen Blick auf entsprechende Statistiken geworfen: Tatsächlich fielen in Deutschland Anfang 2013 insgesamt 90,4 % der Videomarktanteile auf physikalische Datenträger, davon 63,8 % auf DVDs und nur 26,6 % auf Blu-rays. 9,6 % hingegen fielen bereits auf das Digitalgeschäft. Auch folgenede Grafik zeigt deutlich, dass die Blu-ray die DVD deutlich langsamer ablöst, als es bei der DVD und der VHS der Fall war:



Grafik 1: VHS, DVD, BD und Digitalfilm in Deutschland von 2000 bis 2012

Merkwürdig finde ich allerdings, dass DVDs noch massiv beworben werden. Man könnte meinen, das Videogeschäft würde alles daran setzen, so viele Leute wie möglich zum Kauf eines neuen Mediums inklusive neuem Player zu bewegen. Die Vorteile des DVD-Nachfolgers sprechen ohnehin für sich; über lange Sicht hat die DVD ausgedient. Aber wieso schleicht diese Entwicklung so sehr, wo doch ansonsten im Elektronikbereich eine geradezu rasante Entwicklung stattfindet?

Mögliche Erklärungsversuche: Obwohl die Vorteile der BD gegenüber der DVD unstrittig sind, liegt hier keine so große Revolution vor wie beim Übergang von VHS auf DVD. Es handelt sich „nur“ um bessere Bild- und Tonqualität. Viele haben daher vermutlich keine Lust auf „schon wieder“ einen medialen Umstieg. Auch dürfte die Zahl der „Wenn ich einen Film gucke, ist es mir egal, worauf“-Leute nicht zu gering sein. Diese haben vermutlich auch nichts mit 3D, 50″-Fernsehern oder HD-Sound am Hut; womöglich steht sogar noch vereinzelt ein Röhrenklotz in einigen Zimmern. Aber eigentlich jeder hat einen DVD-Player, DVDs sind immer noch (unwesentlich) günstiger und – im Gegensatz zur Blu-ray – gibt es nahezu jeden Film auf DVD.

Außerdem schreitet der Ausbau von gestreamtem Content schnell voran: Vermutlich verzichten einige derjenigen, denen es nicht egal ist, in welcher Qualität sie einen Film gucken, gleich ganz auf ein Medium wie die Blu-ray, sondern nutzen (legale oder illegale) Streaming-/Downloaddieste. Zweifelsohne liegt hier auch die (für Sammler zwar traurige) Zukunft des Heimkinos; das Musikgeschäft hat diesen Umstieg von physikalischen zu digitalen Medien bereits erfolgreich abgeschlossen. Nicht zu vergessen ist die Dunkelziffer illegal downgeloadeter/gestreamter Filme, die in der Grafik nicht erfasst ist und ziemlich groß ausfallen könnte. Digitale Filme haben schlichtweg viele Vorteile: Keine nervigen Menüs, schneller Zugriff direkt von Zuhause etc.

Außerdem sind bereits die ersten 4k-Fernseher auf dem Markt (bei derzeitigen Bildschirmdiagonalen von 60″ auch gar nicht mehr so hanebüchen). Außer über das Internet, z. B. vereinzelte YouTube-Videos, gibt es jedoch noch keinen Content für sie. Auch wenn momentan eigentlich kaum einer nach höheren Auflösungen schreit: Das Full-HD-Seitenverhältnis einer Blu-ray droht also schon wieder zu veralten.



Grafik 2: Vergleich der Seitenverhältnisse von DVD, BD, 4k

Die Internetübertragungsraten müssen ausgebaut werden, doch es wird sich immer mehr in Sachen Film online abspielen. Die Selbstverständlichkeit, dass Blu-ray langfristig die DVD als Filmformat Nummer 1 ablösen wird, scheint somit fast fraglich; vielleicht macht das Digitalgeschäft das Rennen und die Blu-ray verkommt zum Übergangsmedium, das sich nie wirklich durchsetzen konnte.

Doch obwohl es also teilweise nachvollziehbar ist, dass der Umstieg von DVD zu BD so langsam von statten geht, wundert es mich trotzdem. Denn im Gegensatz zum Wechsel von VHS zu DVD ist er viel einfacher: BD-Player sind mittlerweile sehr günstig und Blu-rays kaum teurer als DVDs; zudem sind Filme generell in den letzten Jahren sehr günstig geworden. Und es besteht ja keine Notwendigkeit, seine DVDs zu ersetzen; sie sind ja nach wie vor abspielbar mit einem BD-Player. Die hohe Bereitschaft, für ein veraltetes Medium wie die DVD noch Geld auszugeben, anstatt 2-3 € für die entsprechende BD draufzulegen, finde ich nach wie vor kurios.

Mal schauen, wie sich die Zukunft entwickelt. Wie seht ihr das Ganze?

Quellen: bvv-medien.de / Digitalfernsehen.de / Areadvd.de / Hardware.de

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