„Prisoners“ – Hochspannender Entführungsthriller!

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Bei „Prisoners“ kommen so einige Erinnerungen an David Finchers „Zodiac“ hoch: Nicht nur gibt Jake Gyllenhaal erneut den Ermittler, sondern auch die ruhige, aber sehr atmosphärische und visuell überragende Inszenierung ist durchaus mit „Zodiac“ vergleichbar. „Prisoners“ ist hochspannend bis zum Schluss und sowohl Gyllenhaal als auch Hugh Jackman als aufbrausender Vater des entführten Kindes überzeugen auf ganzer Linie. Dem Regisseur Denis Villeneuve ist mit dieser düsteren Kleinstadtgeschichte um die Entführung zweier Mädchen, Religionswahn und Selbstjustiz ein kleiner Geniestreich gelungen!

Inhalt

Während die Ehepaare Keller (Hugh Jackman) und Grace (Maria Bello) und Franklin (Terrence Howard) und Nancy (Viola Davis) zusammen in ihrer verregneten pennsylvanischen Kleinstadt Thanksgiving feiern, verschwinden ihre zwei Töchter auf einmal spurlos. Die einzige Spur ist die Beobachtung, dass die Mädchen an einem altem Wohnmobil gespielt haben. Die Polizei greift unter Leitung von Detective Loki (Jake Gyllenhaal) dessen Fahrer auf, den geistig zurückgebliebenen Alex Jones (Paul Dano). Da jedoch keine weiteren Hinweise auf eine Verbindung zwischen Alex und dem Mädchenverschwinden auszumachen sind, wird er wieder freigelassen. Doch der aufbrausende Keller ist fest von der Schuld des Jungen überzeugt und versucht folgend ohne die Polizei, die Mädchen zu finden …

Rezension

Das Drehbuch zu „Prisoners“ schien in Hollywood sehr begehrt zu sein, bevor es schließlich der Kanadier Denis Villeneuve als seine erste US-Regiearbeit verfilmen durfte. Zum Glück findet er dabei eine gute Mischung aus den Möglichkeiten Hollywoods und einer intelligenten, unaufdringlichen Inszenierung. Atmosphärisch düster ist dieser Psychothriller virtuos eingefangen, sodass man ihm zu jedem Zeitpunkt alle möglichen Endszenarien zutraut.

Der Film überzeugt mit seinem Mix aus fesselndem Psychothriller und Selbstjustizdrama und ist visuell schlicht und ergreifend eindrucksvoll. Selten hat man eine verregnete, verschneite Kleinstadt derartig greifbar zu sehen bekommen und eine rasante Autofahrt nahe des Filmendes gehört vermutlich nicht nur zu den spannendsten Szenen dieser Art, sondern auch zu den inszenatorisch am besten eingefangenen.

Auch die Darsteller machen ihre Sache ausgezeichnet: Hugh Jackson zeigt wieder einmal, dass er mehr als Wolverine drauf hat. Aber insbesondere Jake Gyllenhaal, zweifellos ein fabelhafter Schauspieler, rückt erneut von seinem Image als netter Nachbarsjunge ab und gibt den unkonventionellen, einzelgängerischen Polizisten mit Gelhaaren und Tattoos absolut glaubhaft. Der Film deutet geschickt sowohl bei Keller als auch Loki einige Aspekte ihrer Vergangenheit an, ohne diese groß auszuwalzen. Die Entwicklung beider Figuren allein fesselt bereits den Zuschauer.

Paul Dano („Ruby Sparks“), Maria Bello und Melissa Leo können ebenfalls wie der Rest des Casts, der in den Fällen von Terrence Howard und Viola Davis ein wenig zu Kurz kommt, überzeugen. Die Figuren, insbesondere die von Jackman und Gyllenhaal, sind glaubhaft und vielschichtig, auch wenn sie z. B. im Fall des schwarzen Ehepaars eher einen Typus verkörpern sollen. Der gut gewählte Titel lässt sich auf fast jede Person im Film und auf mehreren Ebenen interpretieren.

Dass die Darsteller in ihren Rollen so sehr überzeugen, trägt zu einem Großteil des Filmerfolgs bei: Denn der Film ist nicht nur ein spannender Thriller mit gelungener Story, sondern auch ein Psycho-Drama. Verschiedene moralische Fragen werden aufgeworfen, ohne dass der Film ein klares Statement zu ihnen gibt. So gehen die vier betroffenen Elternteile jeweils ganz unterschiedlich mit der Situation ihrer verschwundenen Töchter um, aber auch die Methoden der Polizeiermittlung erscheinen hin und wieder fragwürdig.

Das Thema Selbstjustiz nimmt eine besondere Rolle im Film ein, ohne dass diese klar legitimiert wird, wie es so oft in amerikanischen Filmen im „24“- oder „Taken“-Stil der Fall ist. Stets fragt man sich, wie man sich selbst in den jeweiligen Situationen verhalten hätte.

Fazit

Die verworrene Geschichte dieses Kleinstadthorrors kann mit seiner ruhigen Inszenierung und trotz langer Laufzeit kontinuierlich fesseln und sich letztlich gut auflösen. Jackman und Gyllenhaal spielen ihre komplexen Rollen großartig und die angeschnittenen Themen um Selbstjustiz und Polizeiermittlung werden klug eingefangen und sind im Großen und Ganzen wertneutral inszeniert. Bis sich die vielen Puzzleteile dieses raffiniert konstruierten Films endlich bis zu einem Ganzen ergeben, hat man fesselnde 153 Minuten vor sich. Absolut sehenswert!

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