Synchronisation – Nicht nur Fluch, auch ein Segen!

In Deutschland scheinen die Fronten zwischen Gegnern und Befürwortern von Synchronisation mittlerweile recht verhärtet zu sein. Doch obwohl natürlich einiges gegen eine synchronisierte Filmfassung spricht, scheint mir das „Ich kann synchronisierte Filme gar nicht mehr anschauen“-Gejammer auch ein wenig zu übertrieben angesichts der Tatsache, dass Deutschland im weltweiten Vergleich eine unglaublich gute Synchronisationsarbeit leistet. Daher an dieser Stelle trotz aller Kritik ein Lob an deutsche Synchronisation!

Gerade unter gebildeteren Leuten und Filminteressierten ist es seit der DVD, die es ja erst möglich gemacht hat, Filme im Original zu schauen, sehr in Mode gekommen, verächtlich über synchronisierte Filme zu sprechen. Denn ein Film funktioniere ja nur im Original, es gehen ja die ganzen Wortwitze verloren, man könne schauspielerische Leistungen ja gar nicht mehr wirklich beurteilen und es würde ja total aufgesetzt und übertrieben betont klingen. Und da es mittlerweile nicht nur auf DVDs und Blu-rays, sondern auch in Kinos und über das Internet immer mehr Möglichkeiten gibt, Filme im Originalton zu schauen (und gerade im Serienbereich auch oft deutlich früher als synchronisiert), lehnen viele Leute Synchronisation mittlerweile komplett ab. Zu Recht?

Nicht unbedingt! Natürlich treffen einige der Kritikpunkte zu, es gibt auch so einige Beispiele für misslungene Synchronarbeit und auch ich sehe viel im zweifelsohne besseren Originalton. Dennoch ist die Synchronisation Deutschlands weltweit einmalig gut: Sie ist lippensynchron, es gibt eine große und meist passende Sprecherauswahl und mittlerweile wird auch immer mehr versucht, sogar Akzente und Dialekte beizubehalten. Es wird oft der Vergleich zu kleineren Ländern gezogen, die sich keine Synchronisationslandschaft leisten können und deshalb grundsätzlich alles untertiteln. Klar bringt das als Nebeneffekt einen kulturellen Mehrwert, aber sollte man deshalb das Privileg Deutschlands so schlecht machen?

Sprachbegabte können sich natürlich freuen, sollten sie einen englischen Film ohne Probleme in allen Einzelheiten verstehen; aber das dürften nicht allzuviele sein. Und spätestens, wenn es über das Englische hinausgeht, wird’s selbst für diejenigen problematisch. Und was wäre die Alternative? Untertitel. Doch was schadet einem Film mehr? Synchronisation oder störende deutsche/englische Untertitel im Bild, sodass man kaum noch was vom Film sehen kann? Oder in Kauf nehmen, dass man ohne Untertitel im Originalton eben nur einiges versteht? Ist gerade die Visualität bei einem Film nicht das Wichtigste?

Ich sehe mittlerweile viel im Original, meist allerdings mit englischen Untertiteln. Allerdings wäge ich ab: Ist mir bei einem Film der Inhalt wichtiger, sehe ich die Synchronisation. Ist mir die Visualität wichtig, verzichte ich auf Untertitel und nehme entweder in Kauf, nicht alles zu verstehen, oder greife auf die Synchro zurück.

Insofern bin ich froh, stets die gute deutsche Synchronisation nutzen zu können und finde es schade, dass diese mittlerweile kaum noch wertgeschätzt wird. Daher mit diesem Artikel ein kleines Danke an die Synchronisation!

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