„Masters of Sex“ – Michael Sheen sexualforscht in den 50er Jahren

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Die Showtime-Serie „Masters of Sex“ verfolgt die Pionierarbeit von William Masters und Virginia Johnson in den 50er Jahren über menschliche Sexualität. Dabei ist die Serie weniger provokant als ihr Titel vermuten lässt und setzt das Hauptaugenmerk auf die Figuren und ihre Auffassungen über Sex, Liebe und Lebensplanung. Insbesondere die komplizierte Beziehung zwischen dem ungleichen Wissenschaftler-Duo Masters und Virginia, die von den zwei unglaublich gut miteinander harmonierenden Schauspielern Michael Sheen („Frost/Nixon“) und Lizzy Caplan („Cloverfield“) verkörpert werden, macht die Serie faszinierend.

Inhalt

William Masters (Michael Sheen) hat sich keine leichte Aufgabe ausgesucht, die menschliche Sexualität zu erforschen. Die weitgehend prüde Gesellschaft blickt herablassend auf sein unkonventionelles Forschungsprojekt und macht ihm das Leben schwer. Trotz der vielen Steine im Weg versuchen William und seine Assistentin Virginia (Lizzy Caplan) ihre ungewöhnliche Pionierarbeit fortzusetzen, doch dabei beschäftigen sowohl William als auch Virginia viele Probleme ihres Privatlebens …

Rezension

Die Arbeit von Masters und Virginia, die wegbereitend für die sexuelle Revolution gewesen ist, gibt einen guten Einblick in die Sexualforschung der 50er und verdeutlicht, wie wenig man lange Zeit über Sex wusste (und z. T. heute noch weiß). Dies wird trotz menschlicher Dramen angenehmer Weise meist relativ unbeschwert in Szene gesetzt.

Die Serie schafft es, die toll gespielten Figuren interessant zu machen. So versteht sich der kalte, unnahbare Masters als Sexualforscher im Dienst der Wissenschaft, hat aber von Sex keine Ahnung und ist auch privat reserviert. Nie weiß man so recht, ob man ihn mögen oder hassen soll, behandelt er die Menschen in seinem Umfeld für seine Forschung oder sein Ego gerne auch mal verdammt unfair.

Zum anderen – und dies ist wohl die interessanteste Figur der Serie – ist seine Assistentin Virginia eine freigeistige, aufgeklärte Frau, die ihrer Zeit weit voraus scheint, aber mit ihren Kindern und ihrem Ex-Mann dann doch immer wieder an ihre Grenzen stößt. Diese zwei Charaktere könnten gegensätzlicher kaum sein, kämpfen aber gemeinsam für die gleiche Sache. Gerade Lizzy Caplan überrascht mit tollem Schauspiel und belebt die Serie.

Doch generell ist das Tableau der Figuren gut gewählt: Auch wenn einige drohen, zu einem Typus zu verkommen, ist das gar nicht schlimm, denn schließlich sind genau diese unterschiedlichen Verhaltensweisen das Spannende der Serie. Masters Boss Scully (gespielt von Beau Bridges) z. B. kämpft gegen seine Homosexualität an, Masters Frau Libby (Caitlin Fitzgerald) leidet darunter, nicht schwanger zu werden, und der brillante Arzt Ethan Haas (Nicholas D’Agosto ) möchte sowohl privat von Virginia als auch professionell von Masters Anerkennung bekommen.

Dankenswerter Weise nimmt sich die Serie auch viel Zeit für die Figuren. Und damit ist weniger das „Wer mit wem?“ gemeint (von dem es auch gerne ein wenig weniger hätte geben können), sondern der generelle Umgang miteinander und die grundverschiedenen Ansichten über menschliche Beziehungen und Sexualität.

Dabei werden dem Thema angemessen viele Facetten der Sexualität thematisiert: Man bekommt Einblicke in künstliche Befruchtung, Bordelle, Callboys, sexuelle Offenheit, Spießigkeit und nicht zuletzt Homosexualität, die damals noch komplett gesellschaftlich verpönt gewesen ist.

Was die Serie dabei vom plumpen sexuell Provokanten abhebt, ist der Umstand, dass es nunmal um Sex geht und dieser somit nie zum Selbstzweck verkommt. Attribute wie „die letzten Tabus fallen“, die der Serie teilweise angeheftet werden, sind allerdings fehl am Platz; da ist z. B. HBO deutlich freizügiger und provokanter. Denn abgesehen davon, dass man trotz jeder Menge Sex verhältnismäßig wenig sieht, sind die Sexszenen in „Masters of Sex“ dann doch wieder erotisch-ästhetisch und selten realistisch, wie sie bei HBO zu „Deadwood“-Zeiten mal gewesen sind. Was ein wenig schade ist; da hätte die Serie auch gerne den Mut zu wirklicher Aufklärungsarbeit haben können.

Neben dem Grundthema verschiedener Einstellungen zur Sexualmoral besitzt die Serie weiterhin ein tolles atmosphärisches Setting und thematisiert z. B. mit Mondlandung oder Angst vor russischen Atomangriffen immer wieder den Zeitkontext der 50er.

Fazit

Die Serie gibt einen interessanten Einblick in die Zeit des sexuellen Nicht-Wissens, in der bereits die Idee, Sex erforschen zu wollen, skandalös gewesen ist. Dabei dreht sich die Serie um die Schwierigkeit menschlicher Beziehungen; egal, ob die nun mit Sex zu tun haben oder nicht. Neben einem gelungenen Einblick in die 50er und seine Sexualwelt sind die toll gespielten Figuren vielschichtig und es macht Spaß, die Forschungen und Nebenkriegsschauplätze des Wissenschaftlerteams Masters/Virginia zu verfolgen. Ich freu mich auf die zweite Staffel!

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