„Non-Stop“ – Actionmittelmaß in großer Höhe

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Von der Theorie her passt hier alles zusammen: Liam Neeson als Hauptdarsteller, das begrenzte Setting eines Flugzeuges, das zudem klaustrophobische Enge verspricht und ein Spannung versprechender Plot. Am Ende aber steht wieder die Einsicht, das Theorie und Praxis zwei unterschiedliche Welten sein können – und in diesem Fall muss ein „Leider“ hinzugefügt werden. Denn der jüngst in den deutschen Kinos angelaufene Actionthriller „Non-Stop“ des spanischen Filmregisseurs Jaume Collet-Serra ist leider nur Mittelmaß in allen Belangen.

Kurz zur Story: Der von Neeson dargestellte Air Marshal Bill Marks ist auf einem vermeintlichen Routineflug von New York nach London eingesetzt. Schon in der ersten Einstellung wird deutlich, dass er ein ernstes Alkoholproblem zu haben scheint und auch sonst ziemlich verbraucht ist. Seinen Job mag er zudem nicht sonderlich gern. Irgendwann während des Flugs bekommt er auf seinem Diensthandy die Mitteilung, dass alle 20 Minuten ein Passagier sterben wird, wenn nicht 150 Millionen Dollar auf ein bestimmtes Konto überwiesen werden. Die Hatz nach dem Erpresser auf engstem Raum beginnt und fordert erste Todesopfer – darunter der zweite Air Marshall, der scheinbar etwas verbirgt, und der Pilot. Doch steht‘s scheint der Bösewicht dem zunehmend verzweifelten Marks einen Schritt voraus zu sein, an dessen Zurechnungsfähigkeit berechtigte Zweifel bestehen. Marks gerät immer stärker unter Verdacht, selbst der Drahtzieher zu sein, und die verängstigten Passagiere planen seine Überwältigung. Nur seine Sitznachbarin Jen Summers (gespielt von Julianne Moore) hält unerschrocken zu ihm. Doch kann er ihr wirklich vertrauen?

Klingt doch zumindest spannend, oder? Leider hält die filmische Umsetzung dem nicht stand, dafür krankt der Film einfach an zu vielen Schwächen. Ok, das jetzt hier kein Tiefgang in der Story und in der Charakterentwicklung zu erwarten ist, ist schon klar, aber um wirklich gut unterhalten zu können, fehlen einfach die Würze und innovative Einfälle. Zudem ist die Handlung gespickt mit Klischees und Logiklöchern, über die man nicht hinwegsehen kann.

Das fängt bereits mit Neesons Rolle an. Der irische Schauspieler agiert wie gewohnt souverän, stellt seinen Charakter und dessen Probleme glaubhaft dar und steckt als immerhin bald 62-jähriger Actionstar seine Kollegen aus der gleichen Generation (Bruce Willis, Arnold Schwarzenegger etc.) mittlerweile reihenweise in den Sack. Aber ein kaputter Ex-Cop, mit Alkohol- und familiären Problemen? Irgendwie ist diese Typisierung doch echt schon ausgereizt.

Hinter Neeson fallen dann alle anderen Darsteller weit ab, was aber auch dem Drehbuch zuzuschreiben ist. Moore soll scheinbar die undurchsichtige Komponente sein, hat aber meist nicht vielmehr zu tun, als mit wehleidigem Blick durch das Flugzeug zu rennen und hin und wieder einige gute Ideen zu haben. Dann gibt es da noch die Schar an potentiellen Verdächtigen, allesamt aber auch nur eine Klischee-Parade, an der sich der Zuschauer abarbeiten soll: der Moslem, aus religiösen Gründen schon terrorverdächtig; der grimmig drein schauende New Yorker Cop; der Hip Hop-Gangster aus der Bronx; der sanfte Lehrer; der aufbrausende Bürohengst usw. usf. Diese Personenansammlung kennt man bereits aus ähnlichen Filmen wie „Flightplan“ oder auch aus „Flug 93“.

Trotzdem ist das bis dato Geschehene gar nicht mal so unspannend. Ein Faustkampf auf der Bordtoilette ist ziemlich gut in Szene gesetzt, die Intensität der Suche wird peu à peu nach oben geschraubt und auch die Mordfälle werden nicht ausgereizt. Alles nicht das Gelbe vom Ei, aber es gibt wahrlich viele schlechtere Actionthriller.

Doch leider begeht der Film in den letzten 20-25 Minuten den großen Fehler, mitten im größten Spannungsmoment das alte Seil zu kappen und ein neues zu flechten, welches den Streifen aus seiner bisherigen Bahn reißt. Statt der Handlung an der Stelle, als die Passagiere gegen Marks revoltieren, nun eine gewisse psychologische Komponente zu verleihen (Stichwort: viele Menschen auf engem Raum, die in Panik verfallen) werden nun neue Elemente eingebaut, die so gar nicht in das bisher Geschehene passen. Die Einzelteile sind hier einfach nicht stimmig zusammengesetzt. Das wirkt sich auch auf die Auflösung auf. Diese überrascht zwar immerhin halbwegs (Thriller-erfahrene Kinogänger könnten sich diese zumindest denken), aber die Erklärung des „Warum“ und „Wieso“ ist einfach nur total konstruiert. Es ist deutlich zu merken, dass alle Enden hier mit der Holzhammermethode zusammengefügt wurden. Die angesprochenen Logiklöcher, die teilweise groß wie ein Fußball sind, lass ich hier einfach mal unkommentiert, denn mittlerweile sollte Logik für 90 % aller Filmproduktionen nicht mehr als Maßstab herhalten.

Unterm Strich also die Empfehlung, für diesen Film kein Geld an der Kinokarte auszugeben. Auf den heimischen Abspielgeräten kann man sich den Streifen dann durchaus mal antun, Unterhaltung wird für knapp 106 Filmminuten zumindest zeitweilig geboten, ohne dass man aber vor Spannung feuchte Hände bekommt.

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Ein Kommentar

  1. Ein netter Actionfilm, bei den ich mich allerdings mal wieder gefragt habe, wann Liam Neeson eigentlich zu so einem Stereotypen geworden ist. Früher hätte ich ihm deutlich mehr Facetten zugetraut, keine Ahnung, warum er seit ein paar Jahren eine Art neuer Jason Statham geworden ist. Ist mir bei diesem Film mal wieder aufgefallen, nachdem ich mehrfach gehört habe, es wäre mal wieder ein „typischer Liam-Neeson-Film“. Bei seiner Rollenwahl seit „96 Hours“ hat er diese Festlegung auf einen bestimmten Charakter aber definitv mit zu verantworten.

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