„Pompeji“ – Jon Snow kämpft durch Schall und Rauch

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Die Trailer sahen nach jeder Menge Spektakel und wenig Substanz aus – genau das bekommt man auch. Regisseur Paul W.S. Anderson („Resident Evil 1, 4 & 5„, „Die drei Musketiere„) bleibt sich weitgehend treu: „Pompeji“ zeigt 2/3 des Films Gladiatorenkämpfe und 1/3 Vulkan-Katastrophe. Die Figuren sind blasse Schablonen, die Lovestory ist zusammengeschustert und die Bauchmuskeln von Kit ‚Jon Snow‘ Harington geradezu lächerlich. Aber zum einmal anschauen taugt der kurze Spielfilm schon, dafür ist das Thema um Pompeji einfach zu interessant. Nur schade, dass man daraus keinen wirklich guten Film gemacht hat, der der berühmten Stadt am Vesuv gerecht wird!

Inhalt

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Als Kind musste der Kelte Milo (Kit Harington) mitansehen, wie seine Familie von Römern ermordert wurde. Als Sklave stellt er viele Jahre später sein Können als Gladiator unter Beweis, wodurch er nach Pompeji geschafft wird. Dort trifft und verliebt er sich in die Adlige Cassia (Emily Browning), die gerade aus Rom zurückgekehrt ist. Milo soll in seinem letzten Kampf zu Ehren des in der Stadt eingetroffenen Senators Corvus (Kiefer Sutherland), der ebenfalls ein Auge auf Cassia geworfen hat, gegen den Gladiator Atticus (Adewale Akinnuoye-Agbaje) antreten, der seine Freiheit bekommt, sollte er den Kampf gewinnen. Doch plötzlich bricht der nahegelegene Vulkan aus und es kommt zur Katastrophe …

Rezension

Das Schicksal von Pompeji ist faszinierend! Dass man heute durch eine fast vollständig erhaltene Stadt der Antike schreiten kann, die um 79 n. Chr. einfach erstarrte, ist unheimlich beeindruckend – sogar unabhängig der berühmten Asche-Mumien.

Doch der Alltag oder Untergang Pompejis wurde bisher noch in keinem großen Kinofilm verarbeitet – bis jetzt! Doch spätestens, wenn man erfährt, dass der wenig subtile Action-Regisseur Paul W.S. Anderson dahinter steht, wird man wohl kaum Authentizität oder Tiefgang bei den Figuren erwarten. Und wenn schließlich die Charaktere sich trotz der Katastrophe weiter Showdown-Duelle in der untergehenden Stadt liefern, anstatt um ihr Leben zu rennen, wird besonders deutlich, dass der Film lautes Popcorn-Kino ist und man es mit Realitätsanspruch nicht zu genaunehmen sollte.

Doch es hätte auch viel schlimmer kommen können. Paul W.S. Anderson streut ein paar historische Details über die Stadt ein, die jeder wiedererkennen wird, der schonmal dort war (die Arena, das Forum, die Villa etwas außerhalb der Stadt, die Haltungen der sterbenden Figuren), nutzt das Setting aber nur für viele Kämpfe in Arenen oder den spektakulären Schluss. Wirklich toll sind einige Luftaufnahmen der Stadt, sodass man sich ein Bild von der Stadt machen kann; z. B. vom Hafen, von dem heute nichts mehr zu sehen ist. Der Film kann seine große Menge CGI zwar nicht verbergen, sieht aber weit weniger künstlich aus als befürchtet.

Die Figuren sind rein funktionell, sodass die Darsteller kaum was aus ihnen herausholen können. Kit Harington hat sich defintiv die falsche Rolle ausgesucht, wollte er mal eine andere Seite von sich als in „Game of Thrones“ zeigen – schließlich redet er hier noch weniger als dort und wird noch mehr auf Sexappeal und nackten Oberkörper reduziert. Vielleicht kann er schauspielern; nach „Game of Thrones“, „Pompeji“ oder „Silent Hill 2“ habe ich aber keinen Grund für diese Annahme. Aber die simple Rolle des kampferprobten Eye Candys füllt er ganz gut aus.

Kiefer Sutherland wirkt als Oberbösewicht irgendwie fehl am Platz, Carrie-Ann-Moss hat gar nichts zu tun, Adewale Akinnuoye-Agbaje („Lost“), Jared Harris und auch Emily Browning machen ihre Sache durchaus souverän, haben aber ebenfalls als harter Gladiator, netter Vater und unzufriedene Adlige kaum Möglichkeiten, über ihre Ausstrahlung hinaus zu glänzen.

So sieht man jede Menge um die dünne und vorhersehbare Handlung gestrickte Gladiatorenkämpfe, bis dann endlich weit nach der Hälfte der Spielzeit der Vulkan ausbricht und der Film zum Katastrophenfilm wird (und trotzdem noch mehr Duelle zu sehen sind…). Einige der Kämpfe sind durchaus gut inszeniert, auch während der Katastrophe sind ein paar beeindruckende Bilder dabei. Einige billig aussehende Zeitlupen vermiesen einem die Action jedoch hin und wieder.

Und auch die Darstellung vom Untergang Pompejis sollte man wohl nicht zu sehr hinterfragen. Immerhin schien man bemüht, sich zumindest grob am realen Ablauf des Vulkanausbruchs zu orientieren – so entspricht der pyroklastische Strom (um mal mit kürzlich gelernten Fachbegriffen zu prahlen), also die dicke Rauchlawine zum Schluss, durchaus der Realität. Aber spätestens das pausenlose Niederschmettern von riesigen brennenden Felsen oder dass ein Großteil der Stadt einstürzt, sind vermutlich doch frei erfunden.

Alles in allem wirkt der Film weniger reißerisch-dümmlich wie Paul W.S. Andersons letzten Filme, hat aber nicht viel mehr als einige Schauwerte zu bieten. Wenn man nicht viel erwartet, wird man durchaus ganz gut unterhalten; aber wirklich interessant machen kann sich der Film einem eben auch nicht. Potenzial verschenkt.

Fazit

Der Film bietet eine Mischung aus „Gladiator“ und „Dantes Peak“ mit einigen visuellen Höhepunkten, aber insgesamt bekommt man eine sehr oberflächliche Darstellung über das faszinierende Schicksal von Pompeji. Die Charaktere sind Schablonen, die Handlung ist nur Alibi und zu jeder Zeit vorhersehbar, und bis auf die Arena sieht man auch recht wenig von der Stadt. Ansehbares Spektakel ohne Mehrwert.

Bildergalerie

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