„Under the Skin“ – Johansson als tödliche Alien-Verführerin

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„Under the Skin“ bietet einen psychedelischen Trip ins triste Schottland und eine kühle, verführerische und sehr freizügige Scarlett Johansson. Der Regisseur macht es einem alles andere als leicht, den Film zu verstehen – würde die offizielle Inhaltsangabe nicht verraten, dass es sich um ein Alien handelt, das Männer ‚verspeist‘, wäre nicht einmal das wirklich verständlich. Stimmungsvoll werden die irrationalen Bilder mit starken Albtraum-Klängen untermalt, was den Film zu einem fesselnden audiovisuellen Erlebnis macht. Inhaltlich thematisiert der Film Einsamkeit und Körperlichkeit; viele Szenen und die wortlose, distanzierte Inszenierung hinterlassen allerdings oft ein Fragezeichen.

Inhalt

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In einem Lieferwagen fährt die hübsche Laura (Scarlett Johansson) durch einsame Landschaften und Städte Schottlands. Das übernatürliche Wesen scheint ständig auf der Suche nach Beute zu sein: Auf Parkplätzen, in Clubs oder dunklen Gassen verführt sie willige Opfer – einsame Männer mit Hoffnung auf schnellen Sex. Wenn sie begreifen, was sie erwartet, ist es bereits zu spät. Doch der unnahbaren, überirdischen Schönheit kommen allmählich Zweifel an ihrer tödlichen Mission …

Rezension

Dass der auf Michel Fabers Roman „Die Weltenwanderin“ basierende Film experimentell und fernab des Mainstreams sein würde, hatte ich erwartet. Dass aber ca. 90 % des Films nicht gesprochen wird, der Zuschauer mögliche Erklärungen sämtlicher Geschehnisse ohne viele Anhaltspunkte allein interpretieren muss und es ca. eine Stunde dauert, bis sich immerhin eine kleine Entwicklung zum monotonen Männeraufreißen und in metaphysischen Räumen Herumschweben abzeichnet, hatte ich hingegen nicht erwartet.

Es ist immer schön, wenn Regisseure ihre speziellen Filme jenseits von geläufigen Bahnen inszenieren können und sich dafür auch mal Hollywood-Größen wie Scarlett Johansson hergeben – welcher der Film anscheinend so wichtig war, dass sie so ziemlich alles von ihrem Körper zeigt, obwohl sie sonst nicht gerade dafür bekannt ist, sich für Filme auszuziehen. Sie füllt die Rolle des übernatürlichen Wesens gut aus, auch wenn sie dafür über weite Strecken kühl und emotionslos bleibt; eine faszinierende Aura kann sie dennoch erzeugen.

Dem Zuschauer sollte bewusst sein, dass der Film keine einfache Unterhaltung bietet, sondern langatmig und wenig erklärend daherkommt. Obwohl die Story mit männerverführendem sexy Alien sehr stark an „Species“ (1995) erinnert, bekommt man hier dann doch etwas ganz anderes als beim benannten SciFi-Softporn-Trash mit Natasha Henstridge, sondern einen Film, der weitgehend ziemlich zäh, wenngleich auch faszinierend ist.

Der mysteriöse Film beschreibt als zentrales Thema die Entwicklung eines Körpergefühls und behandelt in mehrfacher Sicht Einsamkeit, zu der der Handlungsort Schottland so einige tonell passende Bilder hinzufügen kann – egal ob es sich dabei um das Nachtleben von Glasgow, menschenleere Wälder oder nächtliche Fahrten über ländliche Straßen handelt.

Dass Regisseur Jonathan Glazer insbesondere für Werbe- und Musikclips bekannt ist, glaubt man nach der experimentellen und sehr visuellen Inszenierung sofort. Die Bilder und die düstere musikalische Untermalung sind hypnotisierend, selbst wenn man nicht immer versteht, was sie genau bedeuten sollen. Ein paar Erklärungen mehr oder zumindest eine weniger eintönige Inszenierung wünscht man sich am Ende aber schon.

Der britische Film, der es nicht in die deutschen Kinos geschafft hat und hier erst Ende September auf BD/DVD erscheinen soll, wird sicherlich polarisieren. Viele werden ihn einfach nur sterbenslangweilig und unsinnig finden, andere eine starke Parabel über zentrale menschliche Gefühle darin erkennen.

Fazit

„Under the Skin“ ist sehr atmosphärisch, zeigt starke Aufnahmen von Schottlands Landschaften und Nachtleben, bietet eine über weite Strecken der Rolle angemessen ausdruckslos-verführerische Scarlett Johansson und zahlreiche psychedelische Ausflüge in schwarze oder weiße Räume, deren Interpretation – wie viel von dem, was im Film passiert – dem Zuschauer überlassen wird. Inszenatorisch experimentell und großartig, inhaltlich langwierig und kryptisch.

Bildergalerie

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