„Planet der Affen: Revolution“ – Affentheater aus Hollywood

nur miesschlechtfast mittelmäßigmittelmäßigfast gutgutfast sehr gutsehr gutfast einzigartigfast einzigartig   5,40 (5 Stimmen)
Loading...

Mit Remakes oder Reboots – wer kann mittlerweile noch sagen, wo der Unterschied bei diesen Begriffen liegt – ist das ja so eine Sache. Die meisten sind überflüssig, da sie weder inhaltlich noch künstlerisch mit dem Original mithalten können. Einige werden unterschätzt, da sie mit eben diesem verglichen werden, obwohl sie eher als eigenständiges Werk angesehen werden sollten. Es ist also eine gewisse Spannbreite der Bewertungsmöglichkeiten vorhanden. Es gibt nämlich auch solche Remakes/Reboots, die durchaus als gelungen betrachtet werden können. „Planet der Affen: Prevolution“ (2011) gehörte in diese Kategorie. Anders als in Burtons misslungener Variation des Themas aus dem Jahre 2001 wurde hier einerseits sehr intelligent an die Original-Pentalogie aus den 1960er/1970er Jahren angeknüpft, andererseits ein eigenständiges Film-Universum geschaffen. Kommerziell erfolgreich war der Film auch noch, daher kam kürzlich die Fortsetzung in die Kinos. Diese hinterließ jedoch ein eher zwiespältiges Gefühl.

Inhalt

Die Ereignisse des ersten Teils liegen mittlerweile zehn Jahre zurück und der Virus, der sich am Ende des Vorgängers über die ganze Erde verbreitete, hat den Großteil ihrer Zweibeinigen Bewohner ausgelöscht. Diese Epidemie ist mit dem Namen Affengrippe verbunden, wie im Vorspann berichtet wird. Die Affen aus dem Forschungslabor in San Francisco haben sich währenddessen unter Führung des Schimpansen Caesar (der digitalisierte Andy Serkis) in den Wäldern in der Nähe von eben dieser Stadt ihre eigene Zivilisation aufgebaut und ihre Intelligenz weiterentwickelt. Sie kommunizieren über Zeichensprache, jagen in Rudeln und haben eine Gesellschaft scheinbar ohne Standesunterschiede aufgebaut. Ihr oberster Leitsatz lautet: „Affe tötet keinen Affen.“ Die Idylle wird jäh gestört, als klar wird, dass menschliche Überlebende im Begriff sind, eine Kolonie in San Francisco aufzubauen und dafür auf den nahe gelegenen Staudamm angewiesen sind, um wieder Strom zu erzeugen. Dumm nur, dass sich dieser im Gebiet der Affen befindet. Auf beiden Seiten agieren in der Folgezeit friedliche und kriegerische Charaktere mit- und gegeneinander, Vorurteile brechen sich ihre Bahn und es kommt sogar zu einem Komplott gegen Caesar …

Rezension (leichte Spoiler!)

Ganz ungewohnt zunächst zu den negativen Dingen dieses Streifens. Das Werk von Regisseur Matt Reeves kann sich nicht so richtig entscheiden, wohin es tendieren möchte. Eine Prise Drama hier, ein wenig Action da, einige Thriller-Anleihen, Science-Fiction ist sowieso dabei und alles unterlegt mit zivilisationskritischen Aussagen. Irgendwie zu viel des Guten. Man mag den Filmverantwortlichen zu Gute halten, ganz bewusst den Spagat zwischen den Genres gewagt zu haben, aber das Rad läuft leider nicht ganz rund.

Zudem bewegt sich das ganze Geschehen in ausgetretenen Pfaden. Zwei sich fremde Welten prallen aufeinander, hüben wie drüben gibt es Gute und Böse, man kämpft gegeneinander und lernt voneinander. Erinnert vom Storyschema her an „Der mit dem Wolf tanzt“, „Last Samurai“ oder „Avatar“ – wirkliche Aha-Effekte gibt es (fast) nicht. Allerdings sind am Ende die Affen dem Menschen ähnlicher als andersherum, wodurch der Film viel von seinem Reiz verliert. Ganz besonders deutlich wird dies in der Szene erkennbar, in der Caesar selbst mit dem höchsten Gesetz bricht.

Außerdem ist der Dreh in 3-D ein Witz. Für 95 Prozent des Streifens hätte man diese Technik (und damit den höheren Eintrittspreis) nicht gebraucht.

Und folgendes fällt noch ganz gravierend auf: im Gegensatz zum ersten Teil, in dem James Franco als menschlicher Part den tierischen Darstellern ebenbürtig war, geht in diesem Film die Seite der Zweibeiner vollkommen unter. Jason Clarke oder Keri Russel kommen mit ihrer ewig gleichen Mimik in keiner Minute gegen Serkis und Co. an und Gary Oldman ist, abgesehen von einer Szene, in seiner Rolle total unterfordert.

Sollte man dennoch ins Kino gehen? Wer die Originalfilme und den ersten Teil mochte, der wird trotzdem nicht wirklich enttäuscht. Für die Liebhaber der Ur-Versionen sind wieder viele Anspielungen an eben diese versteckt, die zudem eine vielversprechende Weiterentwicklung der Storyline vermuten lassen. Das Ende ist ziemlich hoffnungslos gestaltet, es scheint klar, dass ein Krieg unumgänglich ist. Dieses eher negative Ende ist zwar eher der Möglichkeit einer weiteren Fortsetzung geschuldet, aber dass es mal nicht das übliche Friede, Freude, Eierkuchen gibt, gefällt.

Zudem ist die technische Umsetzung der Affen nahezu perfekt. Wut, Empörung, Erleichterung, Mut – all diese Gefühle werden überaus glaubhaft rübergebracht. Das Performance-Capture-Verfahren, bei dem nicht nur die Körperbewegungen, sondern auch die Gesichtsausdrücke der Schauspieler gescannt und digitalisiert werden, wird immer weiter optimiert. Ob das für die Zukunft des Films allgemein eher ein Fluch oder ein Segen sein wird, bleibt abzuwarten, in diesem Einzelfall ist es faszinierend.

Wer sich allerdings weder von der Tricktechnik beeindrucken lässt und auch mit den Originalfilmen nicht viel am Hut hat, wird „Planet der Affen: Revolution“ aufgrund der oben beschriebenen kritischen Aspekte wahrscheinlich mit eher zwiespältigen Gefühlen verlassen. Das vorhandene Potential wurde einfach nicht wirklich ausgenutzt, wie es so schön heißt.

Bildergalerie (zum Vergrößern anklicken)


Verwandte Artikel

3 Kommentare

  1. Ich habe zwar den Film noch nicht gesehen, aber ein sehr schönes und zutreffendes Statement zu Reboots/Remakes zu Beginn! ;)

  2. Ich habe nun endlich den FIlm gesehen und kann der gelungenen Rezension in jeder Hinsicht zustimmen. Hat mir insgesamt ganz gut gefallen, aber da wäre wirklich mehr dringewesen und alle benannten Kritikpunkte sehe ich auch. Gut auf den Punkt gebracht!

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.