„Enemy“ – Lynchiger Doppelkopf-Mindfuck

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Lange gab es nicht mehr so einen kryptischen Film im Lynch/Cronenberg-Stil wie „Enemy“. Jake Gyllenhaal spielt seine Doppelrolle wieder einmal ausgezeichnet! Visuell und inhaltlich fesselnd erfordert der Mystery-Thriller vom „Prisoners„-Regisseur Denis Villeneuve die Betrachtung des Films auf einer Meta-Ebene, da zwischen die ansonsten halbwegs geradlinige Erzählung ein paar Psycho-Szenen mit Spinnen-Metaphorik eingestreut werden und die verschiedenen Figuren und Beziehungskonstellationen zum Teil miteinander verschwimmen. Aber das Beste: Der Film lädt zum Nachdenken und Nochmalsehen ein und im Gegensatz zu den Lynch-Filmen gibt es auch einige Anhaltspunkte, wie der Film nun zu verstehen ist.

Inhalt

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Dem Geschichtsprofessor Adam (Jake Gyllenhaal) erscheint das Leben wie ein endloser, nicht greifbarer Traum. Gelangweilt von seinem Alltag und seiner Beziehung lässt er Tag um Tag in Lethargie verstreichen – bis er in einem Film den Schauspieler Anthony (Jake Gyllenhaal) entdeckt, der ihm bis aufs Haar gleicht. Verstört aber auch fasziniert von dieser Entdeckung, beschließt er, seinen Doppelgänger aufzuspüren. Je tiefer Adam in Anthonys Welt eindringt und dabei auch dessen Frau (Sarah Gadon) näher kommt, desto mehr scheinen die Grenzen zwischen den beiden Personen zu verschwimmen. Die anfängliche Neugier steigert sich zur Besessenheit; ein bizarres und gefährliches Spiel beginnt …

Rezension

Nach seinem Hollywood-Debut „Prisoners“ gelingt Denis Villeneuve erneut mit Gyllenhaal in der Hauptrolle ein kleiner Geniestreich. Es handelt sich dabei um eine Adaption von „Der Doppelgänger“ José Saramagos, die allerdings nur sehr lose auf der eindeutigeren Vorlage basiert – so stammt selbst die zentrale Spinnen-Metaphorik nicht aus dem Roman.

Bereits die grau-in-grau eingefangenen Wolkenkratzer-Landschaften wirken beklemmend und spannen – sogar explizit auf dem großartigen Cover – einen Bogen zur Geisteswelt von Gyllenhaals Figur(en). Die trist-düstere Atmosphäre passt zur Charakterstudie des in sich gekehrten Adam. Doch handelt es sich dabei um die gleiche Person aus der merkwürdigen Eingangsszene einer Untergrund-Performance mit Lapdance und Vogelspinne? Wie stehen Adam und Anthony letztlich zueinander? Doppelgänger? Zwillinge? Ist einer nur eine Einbildung? Handelt es sich um dieselbe Person?

Der Zuschauer fragt sich nicht nur während des Films, wohin sich der wohl entwickelt, sondern muss auch danach noch überlegen, wie das Gesehene nun verstanden werden soll. Selbst der Zeitraum und Ort des Geschehens sind unklar. Die Frage der Identität ist jedoch die zentrale im Film – und nicht einfach zu beantworten. Die beiden Doppelgänger-Figuren scheinen zum Teil miteinander zu verschmelzen – zu groß scheinen die Ähnlichkeiten der beiden, alleine schon zwischen ihren beiden Freundinnen. Und auch die Mutter gibt mit einem wichtigen Satz über Blaubeeren einen guten Hinweis zur Interpretation.

Spoiler zeigen

Doch die vielen Indizien zur Interpretation sind zum Teil irreführend und nicht eindeutig – und schließlich kommt ein derartig effektives und verwirrendes Ende, wie man es schon lange nicht mehr im Kino gesehen hat und das den Zuschauer während des Tarantinohaften Abspanns erstmal perplex im Sessel sitzen lässt. Die vom einen oder anderen Zuschauer erhoffte eindeutige Auflösung bleibt aus.

Somit lässt sich sagen, dass dieser traumartig-surreale Psycho-Film sicherlich unterschiedlich gedeutet werden kann, Villeneuve es aber gelingt, den Film trotzdem spannend zu gestalten und einige Anreize für eine zweite Sichtung zu schaffen. Sein Verwirrspiel geht vollends auf!

Fazit

Villeneuve findet mit Toronto die richtige Stadt und mit Gyllenhaal den richtigen Hauptdarsteller für seinen Mindfuck-Psychothriller. Der Film ist atmosphärisch dicht und zieht einen in seinen Bann, auch wenn der skurrile und verwirrende Verlauf den Zuschauer fordert, das Gesehene auf einer Meta-Ebene interpretieren zu müssen. Für Freunde von verwirrenden und metaphorischen Filmen im Lynch-Stil absolut sehenswert!

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