„Gone Girl“ – Thrillige Ehemetapher mit Medienkritik

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David Fincher liefert mit „Gone Girl“ erneut einen gelungenen Thriller ab, der trotz stolzer Laufzeit von 2,5 Stunden niemals langweilig wird. Dabei wird die Spannung nur durch die Geschichte aufrechterhalten und nicht durch Action. Doch trotz der guten schauspielerischen Leistungen wirkt der Film am Ende nicht ganz rund: Man hat z. T. das Gefühl, dass die Buchadaption von Gillian Flynn, die auch das Drehbuch zum Film geschrieben hat, viele Themen anspricht, aber keines wirklich im Fokus steht und von denen sich die meisten zum Schluss verloren haben. Die psychologische Ausgefeiltheit der Figuren hinkt irgendwann leider den übergeordneten Ebenen des Geschehens hinterher. Dennoch ist der Film durchaus sehenswert!

Inhalt

Gone Girl

Amy Dunne (Rosamund Pike) verschwindet an ihrem fünften Hochzeitstag mit ihrem Mann Nick (Ben Affleck) plötzlich. Der ehemalige Journalist Nick, der mit seiner Schwester Margo (Carrie Coon) eine Bar betreibt, gerät schließlich selbst ins Visier der ermittelnden Polizisten Rhonda Boney (Kim Dickens) und Jim Gilpin (Patrick Fugit). Schließlich tauchen nach und nach Indizien auf, die darauf hindeuten, dass Amy Angst vor ihrem Mann hatte. Aber Nick beteuert seine Unschuld. Schon bald ist nicht mehr sicher, wer in dieser Geschichte noch die Wahrheit sagt, und wer nicht …

Rezension

Bei dem ganzen Lob für Finchers neuen Film waren Vorfreude und Erwartungen recht hoch – weshalb mich der Film dann ein wenig enttäuscht hat. Wer eine spannende Geschichte mit handwerklich hochwertiger Inszenierung und guten schauspielerischen Leistungen erwartet, wird auf seine Kosten kommen. Darüber hinaus gibt es aber eigentlich kaum etwas, was „Gone Girl“ wirklich zu einem richtig starken Film machen würde.

Das größte Plus des Films ist sicherlich, über die gesamte Dauer Spannung zu erzeugen, ohne Action zu zeigen: Die Story fesselt kontinuierlich und man will die ganze Zeit wissen, wie es weitergeht. Auch die Schauspieler machen allesamt ihre Sache gut: Neben einem souveränen Ben Affleck (gute Besetzung!) und der vielgelobten Rosamund Pike sind es vor allem Nebenfiguren wie die Polizistin Rhonda Boney (Kim Dickens) oder Nicks Schwester (Carrie Coon), die wirklich gute Leistungen abliefern und im Kopf bleiben.

Inszenatorisch ist der Film allerdings weit weniger beeindruckend visuell und musikalisch durchkomponiert wie die letzten Filme Finchers. Obwohl Bild und Untermalung stimmig sind, zeigen sie kaum etwas vom Genie des Regisseurs und sind nicht mehr (aber auch nicht weniger) als schlichtweg handwerklich gut.

Erzählerisch ist der Film jedoch recht interessant und wartet mit einer ungewöhnlichen Dramaturgie auf: Zu Beginn wird neben kurzen verbildlichten Auszügen aus dem Tagebuch Amys die Suchaktion von Nick gezeigt und zwischen den beiden Darstellungen, die nicht immer ganz zueinander passen, hin- und hergeschnitten.

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An einigen Stellen dreht sich auf einmal der Film in eine andere Richtung. Das hält zwar das Interesse des Zuschauers aufrecht, aber einige Wendepunkte sind eher absehbar und andere wirken ein wenig zu zufällig oder gekünstelt. In meinen Augen verliert der Film im Verlauf der zweiten Hälfte immer mehr, da einige Entwicklungen geradezu hanebüchen sind. Der Mindfuck-Teil der (in meinen Augen deutlich besseren) ersten Filmhälfte verliert sich dann leider irgendwann: Wird erst geschickt Misstrauen gegenüber allen gesät und Indizien in alle Richtungen eingeworfen, ist plötzlich die Katze aus dem Sack und die Detektivarbeit des Zuschauers kann heruntergefahren werden.

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Es wird viel Spannung aufgebaut, nur dass das Ende den lang erwarteten „Showdown“ einfach nicht darstellt, sondern zu einem merkwürdig offenen und fast lächerlichen Abschluss kommt. Der Film will sich wohl selbst als eine zynische Metapher auf die Ehe und Medien sehen – denn realistisch wird es spätestens zum Ende nicht mehr. Das unglaubwürdige Ende – ohne viel verraten zu wollen – kommt wahnsinnig abrupt und rundet viele aufgeworfene Themen und Figuren (wie den Star-Anwalt oder die ominösen losgeschickten Detektive) nicht wirklich ab. Aber das Ende scheint auch ein größerer Kritikpunkt an der Romanvorlage zu sein.

Generell scheint das zentrale Thema des Films zu sein, die Ehe zu entzaubern und zu zeigen, was durch gegenseitige Enttäuschungen und Verletzungen alles passieren kann und zu wem man für den Partner werden kann. Die Darstellung der Ehe als emotionaler Tod der beiden Ehepartner ist ganz nett und dazu passt das Ende natürlich auch in dieser überzeichneten Form – es führt nur leider dazu, dass man die Personen irgendwann nicht mehr wirklich erstnehmen kann. Plausibilität und Ehemetapher driften in der zweiten Filmhälfte dann doch recht weit auseinander und die interessanten und mühsam konstruierten Figuren werden verworfen.

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Durchaus gelungen ist hingegen die Medienkritik im Film, die streckenweise eine fast größere Rolle als die weitere Entwicklung der Figuren und Geschichte einnimmt. Das Thema der Manipulation der Öffentlichkeit wird gut dargestellt, wenn auch zum Schluss – genau wie die Ehemetapher – ein wenig zu überzeichnet.

Alles in allem bleibt „Gone Girl“ trotz Meckerns auf hohem Niveau aber ein guter Thriller, dessen Ausgang man sich nie wirklich sicher sein kann und der durchweg unterhält. Ein Meisterwerk ist es in meinen Augen aber leider nicht – da hat man von Fincher durchaus rundere Filme gesehen.

Fazit

Der Film hat eine unkonventionelle Dramaturgie mit einigen Twists und ist spannend. Fincher liefert fesselndes Kino, auch wenn Visualität und Musik weniger perfekt konstruiert wie in vielen seiner anderen Filmen sind und sich der Film somit auf die Geschichte beschränkt. Diese zieht einen bis zum Schluss in seinen Bann, sollte aufgrund einiger Unplausibilitäten aber eher auf einer Metaebene betrachtet werden: Ehemetapher und Medienkritik sind die Stichpunkte. Lohnt sich dennoch anzuschauen!

Bildergalerie

bookthief

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