„Die Entdeckung der Unendlichkeit“ – Gut, aber zu vereinfacht

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„The Theory of Everything“ ist ein Film von James Marsh über das Leben von Stephen Hawking, wobei sein Privatleben und weniger sein Schaffen als herausragender Physiker im Mittelpunkt steht. Momentan erhält der Film durch die Oscar-Nominierung als bester Film und für seine Hauptdarsteller Freddy Redmayne als Stephen Hawking und Felicity Jones als seine Frau viel Aufmerksamkeit. Trotz guter bis hin zu faszinierender schauspielerischer Leistungen umschifft der Film zahlreiche Komplexitäten und ist daher weniger eindrücklich als erhofft.

Inhalt

Stephen Hawking ist ein hochtalentierter Student der Physik an der Universität Cambridge. Er schafft herausragende Leistungen in seinem Fach, ohne sich groß anzustrengen. Auf einer Party lernt er die Studentin Jane kennen, sie verlieben sich und werden ein Paar. Auch als bei Stephen die fortschreitende Erkrankung ALS (Amyotrophe Lateralsklerose – eine unheilbare Erkrankung, bei der zunehmend die Nerven kaputtgehen, die die Bewegung von Muskeln ermöglichen) diagnostiziert wird, beschließt Jane, gemeinsam mit Stephen gegen die Erkrankung zu kämpfen, auch wenn ihm eine Lebensdauer von nur 2 Jahren vorausgesagt wird. Bei Stephen hingegen bewirkt die Diagnose einen Motivationsschub, er beschäftigt sich mit der Theorie zu schwarzen Löchern und versucht eine Formel zu finden, die den Beginn der Welt elegant erklärt. Währenddessen liegt die Last der Familie mit nachher drei Kindern und die zunehmenden gesundheitlichen Probleme von Stephen alleine auf Janes Schultern.

Rezension

„The Theory of Everything“ ist ein guter Film, angenehm stringent erzählt ohne Rückblenden, mit toll komponierter Musik von Johann Johannson (auch oscarnominiert) und besonders im Falle von Eddie Redmayne hervorragend gespielt. Wie er durch die die schwindende Muskelkraft verdreht im Rollstuhl sitzt, erinnert verblüffend an Stephen Hawking.

Auch Felicity Jones spielt ihre Rolle gut. Die Oscar-Nominierung finde ich jedoch nicht so sehr gerechtfertigt wie bei ihrem Kollegen. Es liegt weniger an ihr als am Drehbuch, aber die Motivation Janes, diese teilweise absolut harte und überfordernde Rolle als Frau eines Schwerkranken, aber brillianten Mannes, der keinerlei Aufgaben im Familienleben übernehmen kann, wird nicht komplett deutlich. Es wird klar, dass sie ihren Mann liebt und es wird auch gezeigt, wie angestrengt und frustriert Jane manchmal ist. Trotzdem erscheint sie als eine unerklärliche Quelle an Kraft und Loyalität.

In einer der Szene, wo ein Freund Stephen eine Treppe hinaufträgt wird angedeutet, dass Jane ihren Mann auch trägt oder auf die Toilette bugsieren muss. Dies wird aber nie gezeigt (wohl, weil die zarte Felicity Jones dies auch nicht könnte). Gerade diese Momente wären aber interessant gewesen, so bleibt es ein Geheimnis, wie Jane die körperlich sehr anstrengenden Aspekte der Pflege hat übernehmen können, gerade mit insgesamt drei Schwangerschaften dazwischen.

Hawking möchte nicht, dass Jane sich Hilfe bei der Pflege holt. Im Film gibt er schnell nach, als er sieht, wie angestrengt Jane ist. Zahlreichen Berichten zufolge muss der wirkliche Stephen Hawking hier deutlich vehementer darauf bestanden haben, dass keine Hilfe nötig sei und sie lange verweigert haben.

Insgesamt werden die zahlreichen Konflikte, die die Geschichte bietet, meist harmloser dargestellt, als sie eigentlich sein/gewesen sein dürften. Stephen Hawking als Filmperson ist immer sehr charmant und geduldig und macht oft kleine Witze, um eine Situation zu entschärfen, die aufgrund seiner Erkrankung angespannt werden könnte. Er verhält sich wie die Person, die wir aus öffentlichen Auftritten kennen. Ob Stephen Hawking sich in seinem Privatleben auch immer so verhalten hat, bleibt etwas fragwürdig.

Zu Beginn der Erkrankung ist Stephen kurz verzweifelt, findet sich aber schnell mit seinem Schicksal ab. Jane weint in einer Szene oder sieht gestresst aus, ist aber nie ernsthaft am Ende. Selbst als Jane sich in den Pfarrer/Chormeister verliebt, der zudem zahlreiche Aufgaben in der Familie von Klavierlehrer/Ersatzvater bis Pfleger für Stephen übernimmt und der sich schließlich in seine Pflegerin Elaine Mason verliebt (die er später geheiratet hat), bleiben Eifersuchtsszenen aus, beide verstehen das und wünschen sich nur das Beste.

Wo in solchen Momenten die Dramatik erstaunlich oft umschifft wird und die Szenerie dadurch harmloser wirkt, als sie gewesen sein muss, werden andere Momente deutlich dramatisiert, z. B. Stephens Lungenentzündung, die zum Luftröhrenschnitt und Stephens Stimmverlust führt. Dies war ein deutlich längerer Prozess als im Film und Stephen erkrankte auch nicht urplötzlich in der Oper.

Für mich am meisten enttäuschend war aber der geringe Anteil der Arbeit Stephen Hawkings im Film. Ab und zu tauchen mal ein paar Formeln auf oder es wird eine Theorie anhand von Kartoffeln und Erbsen erklärt, aber man erfährt viel weniger über seine Arbeit als erwartet. Als ich überlegte, was Stephen in dem Film eigentlich entwickelt, fiel mir grob was zu Schwarzen Löchern und Zeit ein und dass Stephen anhand seiner Erkenntnisse die Nichtexistenz Gottes zu beweisen scheint. Mehr aber auch nicht. Das mag auch nicht der Fokus des Films sein, der mehr Wert auf das Privatleben legt, aber das Privatleben eines Menschen zu zeigen, der noch lebt und der in der Öffentlichkeit stark respektiert wird, bietet die Gefahr der Verharmlosung von Konflikten und die zu positive Darstellung der Personen, um keinen zu verletzen.

Fazit

Der Film ist hervorragend gespielt, gut aufgebaut und angenehm unkitschig, auch wenn der Trailer anderes vermuten lässt. Jedoch war der Respekt gegenüber der Person Stephen Hawking und seiner Frau wohl so groß, dass keine komplexe und wirklich glaubwürdige Darstellung ihrer Personen gelingt. So schafft es der Film aber auch nicht, einen wirklich zu ergreifen, obwohl die Geschichte es selbstverständlich hergeben würde.

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