„Mad Max: Fury Road“ – Kompromissloses Action-Kunstwerk

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Selten schafft es ein Film, einen so umzuhauen wie der vierte „Mad Max“. Der Trailer war originell und hob sich angenehm vom ganzen Blockbuster-Superhelden-Einheitsbrei ab. Und (schon fast unerwartet) kann der Film tatsächlich alle geschürten Erwartungen erfüllen! Was für ein furioses Endzeit-Action-Gewitter! Zwei Stunden eine einzige lange Actionszene, die aufgrund großartiger Inszenierung und Detailliebe nie langweilig wird. Die Story – so man sie denn so nennen will – ist dabei nebensächlich; aber dies hat wohl auch keiner anders erwartet. Der Film ist ein kleines Meisterwerk in seiner perfekten Bild-Ton-Komposition, die ein wahres auf die Spitze getriebenes Vollgas-Feuerwerk entfacht und einen niedergeschmettert und überwältigt aus dem Kino entlässt. Sehenswert!

Inhalt

Die einarmige Rebellin Furiosa (Charlize Theron) biegt mit dem Laster nach links ab, statt geradeaus zu fahren. Deshalb jagen sie die Bösen unter Führung von Immortan Joe (Hugh Keays-Byrne) mit allen Fahrzeugen, die sie haben. Max Rockatansky (Tom Hardy) hilft mehr oder weniger freiwillig Furiosa und ihren Begleitern bei der Flucht …

Rezension

Dem 70-jährigen (!) George Miller („Mad Max 1-3“) ist es tatsächlich gelungen, Max Rockatansky nach 30 Jahren in die heutige Zeit zu versetzen. Dass die Idee für einen vierten Film schon seit 1999 in der Entwicklung war und immer wieder heftige Rückschläge einstecken musste, merkt man dem Film nicht an. George Miller nimmt das Beste aus den alten Teilen und kombiniert es mit heutigen Sehgewohnheiten: Heraus kommt ein Film mit beeindruckender handgemachter Auto-Action, die schnell geschnitten und in jeder einzelnen Einstellung perfekt komponiert ist. Der Film ist im positiven Sinne absolut ‚too much‘ und ‚over the top‘!

George Miller hat sich anscheinend gedacht: „Was war das Beste der bisherigen Filme? Die Laster-Endsequenz aus Teil 2! Super, dann mache ich aus dieser Sequenz einen gesamten Film! Aber der Bösewicht aus Teil 2 war nicht so böse-überzeugend wie aus dem ersten Teil? Dann caste ich einfach für Film 4 wieder den Schauspieler des Bösewichts aus Teil 1!“

Der abgefreakte Film setzt die postapokalyptische Wüsten-Visualität der Vorgänger fort und fasziniert mit seinem abgedrehten Einfallsreichtum. Der Film ist dreckig, grotesk, verrückt, abartig und eine einzige Achterbahnfahrt. Die stilisierten orange und blau leuchtenden Bilder werden vom rhythmisierenden Soundtrack unterstützt, sodass der Film trotz seiner langen Actionszenen stets mitreißend ist und unterhält. Der Film sieht wahnsinnig gut aus: Beeindruckende handgemachte Action, die zwar wohl sicherlich digital aufgepeppt wurde, aber zu jedem Zeitpunkt echt wirkt.

George Miller dazu: „Ich bin überzeugt davon, dass man als Zuschauer auch heutzutage immer noch erkennt, wenn Bilder aus dem Computer kommen. Selbst wenn sie richtig gut sind, wirken sie immer ein bisschen gefälscht. [Daher] habe ich versucht, dass alles echt ist: die Stunts, die Autos, die Wüste.“ Und diesen Aufwand sieht man dem Film an!

Das Produktionsdesign ist fantastisch und wie bei den Vorgängerfilmen detailverliebt und neben der handgemachten Action der eigentliche Star des Films. Ausnahmsweise ist das „vom visionären Regisseur“ im Trailer gerechtfertigt. Auch die Schauspieler – wenngleich kaum in subtilen Dramamomenten gefordert – sind ideal ausgewählt und strahlen stets die für derartige Action benötigte Präsenz aus. Allen voran Charlize Theron, die Tom Hardy klar die Show stielt und mit Glatze und Stahlarm-Prothese stets ‚badass‘ ist. Aber auch Nicolas Hoult oder der das pure Böse verkörpernde Wüsten-Vader von Hugh Keays-Byrne sind in ihren Rollen perfekt.

Bei den Studios, die heutzutage nur noch weichgespülte PG-13-Einheitsbrei-Blockbuster produzieren, ist es ein wahres Wunder, dass es noch Ausreißer wie „Mad Max 4“ gibt. Der ist im Übrigen tatsächlich hart und in jeder Hinsicht kompromisslos (Rarität: in Deutschland FSK-16), aber man sieht dennoch kaum Blut oder direkte Gewalt.

Ein paar Wermutstropfen gibt es dann letztlich doch. Zum einen – was wohl eher eingefleischte Mad-Max-Fans stören wird – hat dieser Film kaum was mit der ursprünglichen Figur von Mel Gibson zu tun. Gegen Tom Hardy als Ersatz spricht grundsätzlich nichts. Aber nicht nur, dass er kaum spricht und durch seinen übel aufgepumpten Körper und sein Herumgegrunze eher geistig minderbemittelt herüberkommt (und die viel zu tiefe deutsche Synchro verstärkt dies nur) – er wird auch merkwürdigerweise kaum als Hauptfigur inszeniert. Dies ist im Film eher Furiosa. Sie treibt die Handlung an, macht die stärkste Entwicklung durch und ist gefühlt auch deutlich öfter im Bild als Max. Bei dem denkt man immer mal wieder, wenn er im Bild ist: „Ach stimmt, der ist ja auch noch dabei!“. Merkwürdige Entscheidung, stört aber nicht wirklich.

Auch die Tatsache, dass ‚Mad‘ Max nun immer mal wieder Visionen von Leuten aus seiner Vergangenheit hat, also tatsächlich halbwegs verrückt ist, hätte man sich sparen können. Auch der eine oder andere Oneliner während der Action-Szenen tat nicht Not, wenngleich auch keiner wirklich wehtut. Aber bei einem Film, der derart gegen den Hollywood-Einheitsbrei angeht, hätte man auch darauf verzichten können. Die Motorrad-Ommas kann man in diesem völlig absurden Film noch akzeptieren, auch wenn sie schon stark an der Grenze zur Lächerlichkeit stehen. Passen aber ins Bild.

Gespannt kann man sein, was nun aus der geplanten Fortsetzung „Mad Max: The Wasteland“ wird. Ein langes Auswalzen der Actionsequenz aus Film 2 mit Max in der Nebenrolle wird da nicht mehr funktionieren. Mal sehen, ob es George Miller gelingt, für eine Fortsetzung eine neue Richtung einzuschlagen.

Alles in allem ist der Film so unterhaltsam wie schon lange kein Film mehr. Dröhnende Autos, bombastische Actioneinlagen und jede Menge abgefahrene Ideen machen den Film sehr sehenswert. Der Film ist in sich absolut stimmig und ergibt in seiner Reduziertheit ähnlich wie seinerzeit „300“ ein einmaliges Seherlebnis ab. Ohne Frage einer der besten und einfallsreichsten Actionfilme der letzten Jahre, der sich nach Herzblut und nicht nach generischer Routine anfühlt. Wer durch den Trailer gepackt wurde, sollte vom Film nicht enttäuscht werden.

So sollten gute Actionfilme aussehen. Nimm dies, Michael Bay!

Fazit

Der Film löst alles ein, was der Trailer verspricht: Eine grandiose künstlerische Mischung aus handgemachter, stilisierter Action und absurdem Wahnsinn. Story? Braucht man nicht. Der Film schafft es, mit seinen beeindruckenden, hypnotisierenden Bildern, dem wummerndem Sound und einfallsreichen Action-Ideen zu fesseln. Dass Max als Charakter dabei untergeht und Furiosa die Show überlässt, wird deshalb verziehen. Unbedingt im Kino ansehen!

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