„Der Babadook“ – Indie-Horror mit Metaebene

nur miesschlechtfast mittelmäßigmittelmäßigfast gutgutfast sehr gutsehr gutfast einzigartigfast einzigartig   8,00 (4 Stimmen)
Loading...

Mit einem Jahr Verspätung ist in diesem Mai das Regiedebut „Der Babadook“ von Jennifer Kent auch in Deutschland erschienen. Und hier verbirgt sich eine kleine Horror-Perle: Vordergründig geht es um das fiktive Kinderbuch „Babadook“, dessen schreckliche Figur die Protagonistin heimsucht, hintergründig geht es allerdings eher um die Probleme von dieser, alleine als überforderte Mutter ihr schwieriges Kind zu erziehen. Inszenatorisch bietet der Film eine experimentelle Ton-Farb-Schnitt-Mischung, in der Realität und Traum miteinenander zu verschwimmen scheinen. Dieser kleine hochgelobte Film ist definitiv sehenswert, auch wenn auf Horrorseite etwas mehr dringewesen wäre.

Inhalt

Locke

Nach dem tragischen Tod ihres Mannes führt die junge Krankenschwester Amelia (Essie Davis) ein zurückgezogenes Leben mit ihrem Sohn Samuel (Noah Wiseman). Eines Abends liest sie ihm ein Kinderbuch mit dem Titel „Mister Babadook“ vor und Samuel glaubt, darin das Monster aus seinen Träumen zu erkennen. Anfangs denkt Amelia, die Furcht des Jungen sei unbegründet, doch sie wird zunehmend mit unheimlichen Phänomenen konfrontiert. Mit dem „Babadook“ sickert eine unheilvolle Bedrohung schleichend in das Leben der beiden. Wenn er einmal da ist, lässt er sich nicht mehr vertreiben …

Rezension

Inszenatorisch interessant visualisiert der farbentsättigte Film das triste Innere von Amelia. Dabei wirkt der Film teilweise ähnlich stilisiert wie das unheimlich-großartig für diesen gestaltete Kinderbuch „Mister Babadook“, welches klar der eigentliche Star des Films ist und ihm seine unheimliche Atmosphäre verleiht. Die musikalische Untermalung und die psychedelischen Bilder tun ihr Übriges.

Aber neben dem visuellen Genuss bietet der Film auch eine erstaunlich gute Leistung der beiden Schauspieler, die den Film über die zentrale Mutter-Kind-Beziehung nahezu alleine tragen müssen und es auch können. Stets weiß man nie, ob man mit der Mutter noch mitfühlen soll oder nicht, auch das anstrengende Kind stellt auch den kinderliebtsten Zuschauer immer wieder aus die Probe. Dennoch bleiben beide Figuren glaubhaft und bieten Identifikationszugänge an.

Dabei geht es eigentlich nur um eine typische „Haunted-House“-Geschichte mit bekannten Elementen, die jedoch nicht nur sehr perfektionistisch audiovisuell komponiert ist, sondern auch auf übergeordneter Ebene funktioniert, die spätestens mit dem Ende relativ offensichtlich wird und der Film rund wird.

Als reiner Horrorfilm ist „Babadook“ allerdings zum Teil etwas zu harmlos. Die Atmosphäre ist stets zum Zerreißen, aber ein paar mehr Schockmomente hätten dem Film dennoch gut getan. So scheint es, als hätte das Wesen Babadook sein unheimliches Potenzial nicht vollends entfalten können. Da wäre mehr gegangen.

Regisseurin Jennifer Kent hat mit „Der Babadook“ ihren Kurzfilm „Monster“ (auch sehenswert und fast härter als der Spielfilm!) gelungen zu einem langen Spielfilm verfilmt. Hier ist der Kurzfilm zu sehen (Achtung: Erst sehen, wenn man den Spielfilm schon gesehen hat, sonst verdirbt man sich das Ende):

Fazit

Jennifer Kents „Der Babadook“ ist ein inszenatorisch interessantes, unheimliches Horrordrama, das mit einem genial-düsteren Kinderbuch samt entsprechender Figur punkten kann und auch noch (oder in erster Linie) auf einer Metaebene funktioniert. Harte Schockmomente gibt es eher nicht, die Grundstimmung aber ist nervenraubend. Trotz all der bekannten Elemente mal wieder ein kleiner Horrorfilm, der aus der Reihe der 08/15-Horrorfilme ausschert und zum Mitdenken anregt.

Bildergalerie

alllost-g

alllost-g

alllost-g

alllost-g

alllost-g


alllost-g

alllost-g

alllost-g


Verwandte Artikel

Ein Kommentar

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.