Die „Hobbit 3 Extended Edition“ enttäuscht

Gerade der dritte Hobbit-Film wirkt in meinen Augen wie ein unzusammenhängendes, durch Füller-Szenen und CGI-Kämpfe in die Länge gezogenes Flickwerk und nicht wie ein stimmiger Film (hier die Rezension). Da Peter Jackson angeblich selbst nicht so zufrieden war und angekündigt hat, dass in dieser Exented-Edition eine Menge geändert werden wird, hat man vorsichtig gehofft, die lediglich 20 min längere Extended macht „Hobbit 3“ zu einem stimmigeren Film. Das ist leider kaum der Fall, viele der sinnvollen gedrehten Szenen sind nach wie vor nicht in die Extended gelangt, dafür aber jede Menge vollanimierte Kämpfe, die sogar noch die Kinofassung visuell unterbieten. Schade.

Alles in allem kann man sagen, dass die Extended zumindest ein wenig schlüssiger wirkt, aber nach wie vor viele Handlungsstränge nicht vernünftig abschließt. Eine kleine Übersicht über einige neue oder erweiterte Szenen:

  • Bard auf den Dächern in Seestadt
  • in Dol Guldor werden die drei Elbenringe erwähnt, der alte Bolg will Gandalf seinen Ring abschneiden, bevor Galadriel ihn zersprengt, und der Kampf gegen die Nazgul ist ein wenig anders geschnitten
  • Bofur lässt Bilbo gehen, als er sieht, dass dieser den Berg verlassen will
  • Als Dains Heer eintrifft (diesmal mit Kampfziegen und Streitwagen) bekämpfen sich Elben und Zwerge mit zahlreichen Toten, bevor die Orks ankommen
  • mehr Kampfszenen, u. a. mit Dain, Thranduil, Legolas, Bolg und weiteren Zwergen – inklusive einem sprechenden Bombur und einer Szene, in der Bifur seine Axt im Kopf verliert
  • viele neue Trolle in der Schlacht
  • Gandalf bekommt den ‚dicky‘ Zauberstab von Radagast, der jedoch vor einem Troll versagt; allerdings katapultiert sich aus Versehen Alfrid ins Maul des Trolls, sodass beide sterben
  • lange Actionszene mit dem Streitwagen aus dem Trailer
  • Beorn hat minimal mehr Kampfszenen
  • Beerdigung von Thorin, Kili und Fili und Krönung von Dain

Was auffällt, ist leider, dass das bereits in der Kinoversion schlechte CGI nicht verbessert worden ist, und die neuen Schlachtszenen fast ausschließlich animiert worden sind und teilweise NOCH schlechter aussehen als in der Kinoversion. Man hat die Zeit leider nicht genutzt, die Effekte zu verbessern.

Einige noch immer fehlende Szenen (die bereits gedreht worden sind) und weitere unaufgelöste Handlungsstränge:

  • Windlanze in Seestadt
  • Legolas‘ Hinterherreiten von Bolg am Ende von Film 2 wird nicht mehr erwähnt
  • Beorns Folterszene in Dol Guldur (siehe hier)
  • der Hexenkönig bekommt seine Morgulklinge zurück
  • Gandalfs Blick in den Palantir in Dol Guldur (hier ein Bild)
  • Gandalf berichtet Thorin von den letzten Worten seines Vaters
  • Zählraum im Erebor (siehe hier und hier)
  • Auflösung um die Edelsteinkette von Thranduils Frau
  • Dwalin wird auf dem Rabenberg aufgehalten, Thorin zu helfen (hier zu sehen)
  • Balin bricht auf nach Moria
  • Bilbo gräbt auf der Heimreise die Goldkiste aus der Trollhöhle aus
  • die Seestadt-Menschen erhalten einen Teil des Schatzes
  • Radagast-Kampfszenen und sein Verbleib
  • Tauriels Verbleib

„Die Schlacht der fünf Heere“ bleibt leider auch in der Extended ein Flickwerk, das viele begonnende Handlungsstränge nicht vernünftig auflöst. Als Beispiel sind u. a. Beorn oder Thrain in der Extended von „Smaugs Einöde“ zu nennen, die schlichtweg völlig überflüssig sind, da sie in Film 3 keine Rolle mehr spielen. Dass eine vernünftige Auslösung aller Stränge bei einer Laufzeit von insgesamt 9 Stunden „Hobbit“ nicht gelingt, ist ziemlich traurig. Umso weniger nachvollziehbar ist, dass auch die Extended viele sinnvolle Szenen nicht integriert, dafür noch mehr CGI-Action und Slapstick, was dem Film nicht gefehlt hat.

Der neue Bofur-Charaktermoment ist schön, ein wenig mehr Dol Guldur auch und die Beerdigungsszene ist natürlich Pflicht. Wobei selbst diese sehr kurz ist und nicht nachvollziehbar ist, warum man Gandalfs Rede nicht integriert hat – dies hätte auch als Offtext gut funktioniert, wie dieses Video zeigt:

Thorin's funeral alternate – Gandalf's speech

Auch die kurze Erwähnung Gandalfs, dass Thranduil so hinter den Steinen her ist, weil diese von seiner Frau stammen, wären 10 Sekunden gewesen, die diesen Handlungsstrang abgeschlossen und Thranduils Gesinnungswandel besser erklärt hätten: „Those gems were not all that your wife left you my friend. She left you a son. Tell me, which would she have you value more?“. Die Szene ist hier zu sehen:

Hobbit. Klejnoty żony Thranduila (Thranduil's wife gems. B5A Extended Edition)

Und weitere schöne Charaktermomente wie dieser, in dem Bilbo in Thal seine Eichel vergräbt, haben es ebenfalls nicht in den Film geschafft:

Bilbo planting his acorn in Dale scene

Alles in allem ist also auch die Extended eine vertane Chance. Ist sie besser als die Kinofassung? Vermutlich, alleine die Beerdigung sorgt dafür. Allerdings haben es auch jede Menge schlechter Fun-Scenes à la Peter Jackson und noch mehr ermüdende CGI-Kämpfe in die Extended geschafft, während viele weitere Szenen fehlen, die den Film aufgewertet hätten.

Nunja, Zeit, mit dem „Hobbit“ abzuschließen. Vielleicht kommt ja irgendwann ein Super-Duper-Extended-Cut von allen 6 Mittelerde-Filmen, der noch mehr geschnittene Szenen enthält. Aber da das Problem beim „Hobbit“ auch durch ein Zuviel an schlechten Szenen resultiert, könnte damit wohl auch nichts gerettet werden.

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