„Star Wars: Das Erwachen der Macht“ – Solider Fan-Service

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„Das Erwachen der Macht“ macht auf der Oberfläche einiges richtig, enttäuscht aber durch genau diese Oberflächlichkeit und die selbstgeschürten Erwartungen. „Star Wars 7“ beweist in erster Linie, dass die Marketing-Abteilung von Disney fantastisch ist. Der Film ist nur leider weitaus weniger interessant als der, der beworben wurde und über dessen Details monatelang spekuliert worden ist. Die große Geheimniskrämerei war schlichtweg überflüssig. Interessante Ideen, eine clevere Story oder Antworten auf die vielen offenen Fragen bekommt man kaum. Der Film ist über weite Strecken ein Remake von „Episode 4“, das zwar Star-Wars-Feeling erzeugt und kurzweilig ist, aber klar auf Nummer sicher geht und Nostalgie-Fan-Service abliefert. Nichtsdestotrotz bietet er gute Unterhaltung.

Inhalt

Die diktatorische Erste Ordnung hat die planetenzerstörende Starkiller-Superwaffe gebaut. Rey (Daisy Ridley) lebt fernab davon ein hartes Leben auf dem Wüstenplaneten Jakku und gerät nur durch Zufall durch den desertierten Sturmtruppler Finn (John Boyega) in ein Abenteuer, in dem sie nicht nur auf den legendären Kriegshelden Han Solo (Harrison Ford) und sein Raumschiff stößt, sondern auch auf die Spur des auf mysteriöse Weise verschwundenen Luke Skywalker (Mark Hamill) gerät. Doch während sich der Widerstand, angeführt von Generälin Leia (Carrie Fisher), für den finalen Schlag gegen die geürchtete Starkiller-Base bereit macht, ist der böse Kylo Ren (Adam Driver), Verehrer von Darth Vader und Handlanger seines Meisters Snoke (Andy Serkis), den Helden Rey, Finn und Han Solo auf der Spur …



Review

Der Film ist zu gut, um wirklich schlechtgemacht zu werden. Ich habe mich wirklich auf den Film gefreut, obwohl ich sicherlich kein Meisterwerk erwartet habe, sondern klar war, dass in erster Linie viel von der Originaltrilogie geklaut wird. Doch dass die Story teilweise geradezu lächerlich zufällig und unglaubwürdig sein und über sämtliche Hintergründe fast nichts erzählt werden würde, war für mich dann doch recht enttäuschend. Ich bin überrascht, wie ausnahmslos begeistert die Welt von diesem Film ist – vom Filmkritiker bis zum Super-Star-Wars-Nerd. Denn, ganz ehrlich, wirklich verdient hat das der Film nicht, auch wenn ihm einiges gelingt. Vorsicht mit dem Weiterlesen, hier wird gespoilert!

Was macht der Film richtig?

Was dem Film wirklich gut gelingt, ist das alte Star-Wars-Feeling aufkommen zu lassen, auch wenn immer erkennbar bleibt, dass der Film trotz aller Nostalgie auch eine neue Generation ansprechen soll. Man stellt gleich eine Beziehung zu den Figuren her und taucht in die verschiedenen Welten ein. Und damit ist dem Film schonmal das gelungen, was viele bei der Prequel-Trilogie (PT) vermisst haben.

Schon im Vorwege haben Disney und Abrams deutlich gemacht, die Prequel-Trilogie komplett zu ignorieren und „Episode 7“ sowohl inhaltlich als auch tonal und visuell an die Originaltrilogie anzuknüpfen. Obwohl viel CGI zum Einsatz kommt und der Film auch klar nach diesem Jahrzehnt aussieht, wurde – wie tausendfach vorab beschworen – viel an realen Sets mit echten Raumschiffkulissen, Animatronics, Masken und Kostümen gedreht. Das tut ihm sehr gut: Der Film sieht modern aus und wirkt im Gegensatz zu Episode 2 und 3 trotzdem haptisch und echt.

Auch liegt der Fokus wieder mehr auf den Figuren und weniger auf billigen Over-the-Top-Actionszenen. Und hier zeigt sich ein weiteres deutliches Plus des Films: die großartigen Schauspieler. Sowohl Daisy Ridley als auch John Boyega sind sofort sympathisch, machen ihre Sache gut und haben auch eine gute Chemie zu den altbekannten Darstellern.

Von diesen hat Harrison Ford die größte Rolle und zeigt sich überraschend motiviert. Man hat ihn vermutlich seit 15 Jahren nicht mehr so agil und begeistert schauspielern sehen wie in diesem Film. Sein Auftritt bereichert den Film auf jeden Fall und leitet gekonnt die Staffelübergabe an die neue Generation ein. Carrie Fisher sieht dann leider doch wie der digital geliftete Ian Holm im „Hobbit“ aus und bekommt nicht so viel zu tun, aber auch ihre Szenen gehen in Ordnung.



Adam Driver wird als Kylo Ren alias „BEEEN!“ vermutlich durch seine Demontage nach Abnahme des Helms polarisieren, hat mir aber sehr gut gefallen – mit und ohne Maske. Er ist der strauchelnde Anakin Skywalker, den uns die PT verwehrt hat.

Alle weiteren Schurken-Figuren hingegen enttäuschen. Der Mangel an wirklich bösen Gegenspielern ist generell ein Manko des Films. Domhnall Gleeson overacted als steife Hitler-Parodie maßlos, Gwendoline Christie, vorab als Badass-Boba-Fett-2.0 vorgestellt, kommt als Captain Phasma im Film kaum vor und macht nix, außer schnell überwältig und in die Müllpresse geschmissen zu werden. Und bei Supreme Leader Snoke (Andy Serkis) hat man dann so richtig ins Klo gegriffen. Das CGI sieht mies aus, das Design ist weder bedrohlich noch cool, und die Riesen-Darstellung merkwürdig. Man kann auf Benicio del Toro in „Episode 8“ hoffen, denn momentan mangelt es an einem angsteinflößenden Bösewicht.

Alle weiteren Schauspieler bekommen wenig Raum; Max von Sydow stirbt nach zwei Sätzen, der brillante Oscar Isaac bleibt ein langweiliges Fliegerass-Heldenklischee, Chewbacca verkommt zur Heulsuse, dessen Fan-Favorite-Armbrust mindestens ebenso viel Aufmerksamkeit wie er bekommt, Lupita Nyong’os Rolle ist klein und verschwindet plötzlich spurlos und Mark Hamill liefert vielleicht eine seiner besten schauspielerischen Leistungen ab, die sich allerdings auf ca. 5 Sekunden beschränkt.

Dennoch: Die Schauspieler sind klasse gecastet und machen fast ausnahmslos das Beste aus ihren Rollen.

Dass nun eine gelungene Frauenfigur im Mittelpunkt steht und der Film generell deutlich mehr Diversität bietet als die alten Teile, hat sicher eine strategische Komponente (mehr Merchandise-Verkäufe, weil noch mehr Leute erreicht werden), ist aber grundsätzlich natürlich zu begrüßen. Man kann gespannt sein, ob Disney auch eine Schwulenbeziehung einbauen wird, zumindest hat Oscar Isaac gesagt, dass er seine Szenen mit Finn mit romantischer Ausrichtung gespielt habe. Dass mit Finn einem Sturmtruppler Individualität zugestanden wird, ist generell eine der wenigen neuen und tollen Ideen von „Episode 7“.

Der Humor, von dem es wirklich erstaunlich viel im Film gibt, ist oft situationsbedingt und grundsätzlich gelungen, und distanziert sich vor allem sehr vom albernen Kinder-Pups-Humor der Prequels. Nicht jeder Spruch sitzt und gerade einige sehr platte Fan-Service-Momente hätten nicht sein müssen, aber gerade im Vergleich zu den berüchtigten George-Lucas- oder Peter-Jackson-Fun-Scenes ist der Humor echt in Ordnung.

BB-8 ist R2-D2 in noch tausendmal niedlicher und wird daher von jedem geliebt. Auch wenn das berechnende Element dieses Droiden immer im Hinterkopf ist: Disney hält dem Zuschauer mit BB-8 quasi Katzenbabys vor die Kamera, sodass man sich nicht wehren kann und ihn einfach süß finden muss. Ob es nicht vielleicht auch subtiler geklappt hätte, sei dahingestellt. Die dahinterstehende Technik ist allerdings wirklich bewundernswert!



Der Film geht schnell und ohne Pausen voran, sodass er kurzweilig daherkommt und nie langweilig wird. Das alles führt dazu, dass der Film durchaus sehbar ist und niemanden völlig enttäuschen wird.

Was macht der Film falsch?

Aber J.J. Abrams macht es sich mit „Star Wars 7“ wirklich deutlich zu einfach, indem er viel zu sehr Nostalgie feiert und alles, was in den Prequels vorkam (auch das, was gut war), außen vor lässt. Es ist tatsächlich schon fast ein Remake von „Episode 4“. Die Parallelen sind unnötig deutlich, wenn zu Beginn ein Widerstandskämpfer der bösen Gegenorganisation wichtige Pläne vorenthält und in einem Droiden versteckt, der dann auf einem Wüstenplanet von einem machtsensitiven Teenager gefunden wird, der durch ihn in ein Abenteuer gerät. Dabei flieht er mit dem Rasenden Falken vom Planeten, findet eine Vaterersatzfigur, die denn später stirbt, und wird langsam mit der Macht vertraut. Dann noch eine Barszene, ein neuer Tarkin, ein neuer Darth Vader, ein neuer Imperator, ein neuer Todesstern, eine Yoda-ähnliche Kreatur mit Machtratschlägen und zum Schluss ein neuer Obi-Wan, der zu Reys Ausbildung bereitsteht.

Neue Raumschiffe? Nix da, X-Wings, TIE-Fighter, Sternzerstörer und natürlich der Rasende Falke. Da hatte die Prequel-Trilogie tatsächlich wesentlich mehr zu bieten! Gleiches gilt für die Planeten: Wüstenplanet, Eisplanet und Waldplanet – seriously!? Das umwerfende Skellig Michael zum Schluss war daher meiner Meinung nach die beste Location: real, wunderschön, neu und trotzdem Star-Wars-mäßig.

Positiv hingegen ist, dass ALLE Kreaturen neue sind und kein einziges Wesen aus der OT oder der PT übernommen worden ist. Deren Design passt zu Star Wars und erweitert das Universum. An dieser Stelle hätten jedoch zugunsten der Kontinuität ruhig ein paar Aliens im Hintergrund bekannten Rassen angehören können – auch hier war die Prequel-Trilogie wirklich kreativ und hatte viele gelungene neue Alien-Rassen zu bieten trotz bekannter Wesen.



Das Pacing ist Abrams-typisch sehr schnell. So wird der Film nie langweilig, aber gerade in der zweiten Hälfte fehlt in wichtigen Momenten Zeit und der Film wirkt gehetzt. Pläneschmieden in der Widerstand-Basis gegen den Starkiller? Nein, nur eine Minute „Ich mach’s, werde da einfach mal alleine rein und alles rocken!“ – „Okay, viel Spaß“! Viel zu schnell und auch inhaltlich einfach echt armselig. Han stirbt, ohne dass wir wirklich was über seine oder Leias Beziehung zu Kylo Ren in Erfahrung gebracht haben. Es gibt weder von Chewbacca noch Leia eine Trauerszene für ihn. Ein solcher Mangel an ruhigeren, atmosphärischen Szenen hat gerade der zweiten Hälfte des Films geschadet. Da hätte man meiner Meinung nach die ganze Szene auf Hans Frachter streichen sollen, die generell nur mittelmäßig und für den Film überflüssig war.

Trotz des Tempos fehlt es dem Film an wirklich großartigen Actionszenen, die man kaum erwarten kann, nochmal zu sehen. Selbst das Podrennen und der finale Lichtschwertkampf in „Episode 1“ waren als einzelne Actionszenen spannender als jene in „Episode 7“.

Schade waren auch Aussagen wie „Ich rede mich eh aus allem raus“, „Ich werde alleine die Starkiller-Base plattmachen“ und ähnliche allmächtige Han-Solo-Momente. Das ist dann genauso spannend wie ein unantastbarer James Bond oder Thorin Eichenschild, der sagt: „Das sind nur ca. 100 Orks, also kein Problem“. So vernichtet man Bedrohung, Realismus und Spannung.

Dass dann der gesamte Film durch krasse Zufälle geprägt ist, spricht auch nicht für ein ausgeklügeltes Drehbuch. Einen Lichtschwertkampf zu beenden, indem zufällig ein riesiger Erdriss die Kämpfer trennt, muss doch nicht sein.

Leider wird auch teilweise übertrieben. Neben dem „in Lichtgeschwindigkeit manuell in die Atmosphäre eines Planeten fliegen“-Quatsch oder dem Sonne-Aufsaugen ohne Auswirkungen auf das Sonnensystem ist es vor allem Rey, die deutlich overpowert ist. Sie kann nicht nur plötzlich Jedi-Geistestricks aus dem Nichts (einen Gruß an Daniel Craig unter der Stormtrooper-Rüstung), sondern besiegt auch – ohne jemals ein Lichtschwert in der Hand gehabt zu haben – Kylo Ren relativ problemlos, obwohl dieser von Luke UND Snoke trainiert worden ist. Man fragt sich, wieso sie überhaupt noch von Luke in „Episode 8“ ausgebildet werden sollte, wenn sie schon jetzt alles kann und selbst den Hauptbösewicht aus dem Stehgreif plattmacht.



Dass sie dann nicht nur neuer Luke Skywalker, sondern auch noch neuer Han Solo ist, da sie nebenbei auch noch technisch wahnsinnig bewandert ist und selbst den Falken intuitiv ohne Kopiloten fliegen kann, ist etwas zu viel des Guten. Alle Sprachen des Universums scheint sie auch zu sprechen, versteht sie nicht nur Chewbacca, sondern selbst BB-8.

Weiterhin hat leider der Soundtrack von John Williams weniger geboten als bei allen 6 „Star-Wars“-Filmen zuvor. Das mag auch daran liegen, dass es im Film kaum ruhige Momente gibt, die wie die legendären Momente in der OT nur durch die Musik Gänsehaut erzeugen könnten. Einzige Ausnahme: die letzte Szene, in der gut Spannung aufgebaut wird und neue, tolle Gänsehaut-Musik gespielt wird. Ansonsten werden nicht zu oft alte Themen gespielt, sondern nur an Stellen, an denen es sinnvoll war. Man kann gegen die PT sagen, was man will, aber deren Soundtracks waren sehr gut: „Duell of the Fates“ aus „Episode 1“ nur als ein Beispiel von vielen.

Welche Ankündigungen und Versprechen löst der Film außerdem nicht ein?

Einige Schauspieler unterfordert, Story nicht nur krass geklaut, sondern grundsätzlich unlogisch und voller konstruierter Zufälle oder gerade gegen Ende echt platt. Was aber wirklich am meisten enttäuscht hat, war die Tatsache, dass durch das Marketing samt Geheimniskrämerei, den ganzen Spekulationen, Gerüchten, Trailern, Aussagen von Abrams etc. jede Menge angedeutet und erörtert worden ist, nur damit letztlich im Films aber wirklich fast nichts aufgelöst oder erklärt wird.

Und ein „das wird alles noch in den nächsten Filmen erklärt“ lasse ich ebenso wenig gelten wie „das wird alles in den Geldschneiderei-Büchern/Serien/Comics/Whatever erklärt“. Der Film muss für sich stehen können und es geht wirklich nicht in Ordnung, dass die vergangenen 30 Jahre seit „Rückkehr der Jedi-Ritter“ ein großes Fragezeichen hinterlassen und nicht mal die politische Ausgangssituation verständlich wird. Wie stehen nun Republik und Widerstand zueinander? Wurde da mal schnell Coruscant (!) mit dem Senat der Republik vernichtet? Samt deren Flotte? Hat die überhaupt eine Flotte? Warum steht dann im Opening Crawl, die Republik hilft dem Widerstand – macht es andersherum nicht mehr Sinn? Zumindest sehen wir vom Widerstand nicht mehr als einen Bunker und 5 X-Wings.

Weder versteht man Leias Charakter noch auch nur die groben Zusammenhänge der Kräfte bzw. Organisationen. Und das ist in jedem Fall zu wenig und gehört in DIESEN Film, der die Lücke zu „Rückkehr der Jedi-Ritter“ schließen müsste. Aber schon klar, die Leute haben sich über die langweiligen Politik-Szenen in der Prequel-Trilogie beschwert, daher lassen wir jedweden Dialog über die politische Situation weg, auch wenn man dann nicht mal ansatzweise versteht, worum es in diesem Film eigentlich geht. Da sind halt Gute und Böse – so wie in „Episode 4“ – schnell noch die Republik ganz vernichten (wie den Senat in „Episode 4“ auflösen), dann sind da halt wieder nur Rebellen gegen Imperium (mit anderen Namen). Reicht doch, oder? Nee, mir nicht.



Die Entscheidung, dass die großen Drei alle abgewrackt sind und die Situation trotz tanzender Ewoks nach „Episode 6“ nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen ist, ist ja grundsätzlich interessant, aber darüber hätte dann mehr kommen müssen. Warum gründet Leia anscheinend aus Frust gegen die Neue Republik den Widerstand? Warum ist Han nichts Besseres eingefallen, als wieder zwielichtige Schmuggelgeschäfte zu machen? Warum ist Luke so fertig mit den Nerven, weil er seinen Schüler verloren hat, dass er nicht nur jede Hoffnung aufgegeben hat, sein Jedi-Wissen weiterzugeben, sondern auch seine (mutmaßliche) Tochter auf dem Wüstenplaneten entgegen seines Versprechens versauern lässt?

Nicht mal, dass Rey eine Skywalker ist, wird aufgelöst, noch warum sie auf Jakku ausgesetzt worden ist. Und welche Rolle spielte Max von Sydows Charakter dabei? Wieso hat die große, angeblich so enthüllende Rückblende nur quasi aus Trailer-Einstellungen bestanden? Zentrale Trailer-Einstellungen, wie die Übergabe des Lichtschwerts von Maz an Leia, fehlen hingegen völlig.

Und wer sind die vorher groß angekündigten Ritter von Ren? Welche Rolle spielt Snoke, ist er der Anführer der Ren? Sind alle Ren tot oder wo sind alle hin? Sind das alles Ex-Schüler von Luke? Worin unterscheiden sich nun die Ritter von Ren von den Sith? Ich kann bisher keinen Unterschied ausmachen.

Es ist eine interessante Idee, dass Kylo ein Möchtegern-Vader ist, der einfach nur dem Ren-Kult angehört und alte Sith-Relikte sammelt. In diesem Zusammenhang wäre Lukes Lichtschwert tatsächlich der bessere MacGuffin gewesen, nach dem Kylo jagt, da es Vaders Schwert war. Auch dass Kylos Schwert ein uraltes zusammengebasteltes Sith-Relikt ist, weshalb es so roh ist und durch die Parierklingen antik wirkt, wäre interessant. Auch das Gerücht, Luke habe sich geopfert, um ein altes Sith-Grab zu bewachen, das am Filmende geöffnet wird und einen alten Sith-Meister (zugunsten der Kontinuität am besten Darth Plagueis) zu befreien, war ein interessantes Gerücht. Diese ganzen Gerüchte waren letztlich spannender und runder als der tatsächliche Film – zumal selbst der Titel und der Teaser ein starkes Wiederaufflammen der Macht suggerieren. Dass damit jetzt einfach nur die „neue Hoffnung“ Rey gemeint sein soll, da es mit Snoke ohnehin aus unerklärlichen Gründen wieder so eine Art Obersith gibt und selbst Kylo die dunkle Seite der Macht schon beherrscht, ist tatsächlich enttäuschend.

Auch die Gerüchte, dass auch der Widerstand eine Todesstern-artige Waffe besitzt und Leia vor der Entscheidung steht, sie gegen die First Order einzusetzen, klang interessant und hätte die klaren Gut-Böse-Fronten ein wenig aufgemischt. Auch hätte sich hier ein möglicher Unterschied einer pazifistischen Republik und dem militärischen Widerstand (auch noch unter Führung Leias), der nun ebenfalls zu drastischen Mitteln greift, als interessant herausgestellt. Wieso letztlich der Starkiller (mal wieder) durch ein paar X-Wing-Schüsse explodiert, habe ich nicht nachvollziehen können.

Warum ist Luke für den Widerstand überhaupt so wichtig – oder ist er es nur für Leia? Und warum geht dann niemand mit zu ihm, als endlich sein Aufenthaltsort bekannt wird? Warum hat Luke überhaupt eine zweigeteilte Schatzkarte hinterlassen, wenn er nicht gefunden werden will, und „versteckt“ sie zur Hälfte in R2-D2? Der sich dann random im richtigen Moment wieder einschaltet?

Auch die zahlreichen Cliffhanger schreien nach Franchise und sind unangebracht, sobald man den Film als eigenständiges Werk ernstnimmt. Natürlich glaubt niemand, dass Kylo oder General Hux beim Zerstören des Starkillers gestorben sind, und auch kommt in „Episode 8“ vermutlich heraus, dass es selbst Captain Phasma geschafft hat, aus der Müllpresse zu klettern. Aber im Film nicht mal eine Pseudo-Erklärungsszene einzubauen, dass Hux Kylo Ren noch (wie auch immer so schnell) im Schnee finden und aufsammeln konnte, ist arm. Dass dann auch noch Finn im Koma gelassen wird und mit einem großen Cliffhanger auch noch bei Rey abgeschossen wird, also das Schicksal aller drei Hauptfiguren im Unklaren gelassen wird, hätte nicht sein müssen.



Damit ist erstmal genug gesagt worden, obwohl man sicherlich noch seitenweise über Details und gefällte Entscheidungen bezüglich „Episode 7“ weiterreden könnte. Insgesamt waren leider viele Gerüchte interessanter als der Film, dessen Geheimniskrämerei man sich hätte sparen können, da wirklich kaum etwas über irgendwelche Hintergründe erklärt wird.

Trotz der ganzen negativen Aspekte bleibt ein unterhaltsamer Film, der sich nach „Star Wars“ anfühlt, dabei aber viel zu viel kopiert und wenig Neues bietet. Und vor allem seinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht wird. Dass der Film trotz der teils dürftigen Handlung und den immensen Lücken und ungeklärten Fragen noch unterhaltsam bleibt, liegt an den guten Schauspielern, deren passender Chemie und den kurzweiligen Dialogen.

Dass George Lucas (nach der Offenbarung, dass sein „Episode-7“-Skript von Disney abgelehnt worden ist) zynisch und verbittert über „Episode 7“ sagt, es sei der Film, den die Fans haben wollen, trifft es leider perfekt. Denn alle feiern diesen Film und sprechen nur von kleinen Schönheitsfehlern. Disneys Strategie, ein sicheres Nostalgiefest ohne Wagnisse abzuliefern, ging vollends auf und J.J. Abrams hat sich geschickt aus der Affäre gezogen.

Wirklich interessant wird nun, ob es „Episode 8“ gelingt, aus all den Andeutungen nun einen eigenständigen Film zu machen, der für sich selbst stehen kann und das bietet, was man zumindest teilweise schon in „Episode 7“ erwartet hätte.

Fazit

Alles in allem ist der Film inszenatorisch weitgehend gelungen, erzeugt „Star-Wars“-Feeling, macht Spaß und bietet gute Schauspieler. Dass die Handlung durch Zufälle stark konstruiert und stellenweise geradezu hanebüchen ist, ist schade. Insgesamt stiehlt sich Abrams geschickt davon, indem er nur einen Film aus Versatzstücken der Originaltrilogie zusammenbastelt, die zwar nur selten in Form wirklich plumper Referenzen daherkommt, aber jegliche Originalität vermissen lässt. Viele vorab aufgeworfene Fragen über Hintergründe werden schlichtweg nicht beantwortet, so dass sich der Film nur wie ein kleines Rad in der Disney-Geldmaschine anfühlt, das zum Kauf zahlreicher weiterer Informationsmöglichkeiten motiviert.

Bildergalerie

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