„Victoria“ – Eindringlicher One-Take-Film aus Deutschland

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Zieh dich warm an, „Birdman“! Denn aus Deutschland kommt ein Film, der nicht nur scheinbar, sondern tatsächlich in einem einzigen Take gedreht worden ist – und dieser ist auch noch stolze 2 Stunden und 18 Minuten lang! „Victoria“ ist dabei jedoch nicht nur ein technisches und logistisches Meisterwerk, sondern überzeugt vor allem durch die authentischen Darsteller, die durchgehend glaubhaft bleiben und dafür sorgen, dass dieses kleine Abenteuer in den Berliner Straßen bei Sonnenaufgang eindringlicher ist als viele andere Filme.

Inhalt

Eine Stunde noch, dann neigt sich auch diese Nacht in Berlin wieder dem Ende zu. Vor einem Club lernt Victoria (Laia Costa), eine junge Frau aus Madrid, vier Berliner Jungs kennen – Sonne (Frederick Lau), Boxer (Franz Rogowski), Blinker (Burak Yigit) und Fuß (Max Mauff). Der Funke zwischen ihr und Sonne springt sofort über, aber Zeit füreinander haben die beiden kaum. Sonne und seine Kumpels haben noch etwas vor. Was für Victoria zunächst als verrückter euphorischer Tanz beginnt, entwickelt sich zu einem Abenteuer, als sie für die Gruppe als Fahrerin einspringen soll …

Rezension

Der Film bietet Orts- und Szeneneindrücke des Berliner Party-Nachtlebens sowie von Kleinkriminellen-Poser-Gestalten. Diese Milieustudie entwickelt sich nur langsam, die Handlung bleibt dabei einfach und trotzdem faszinieren einen die Figuren. Dass ein Großteil der Dialoge improvisiert ist und die Darteller durchgehend überzeugend in ihren Rollen bleiben und auch intensive Szenen meistern, führt dazu, dass der Film trotz einfacher Handlung mit viel Leerlauf eine intensive Erfahrung für den Zuschauer bietet. Man hat nach Sehen des Films fast das Gefühl, selbst die letzten zwei Stunden in Berlin die Sonne aufgehen gesehen zu haben.

Was jedoch ein wenig stört, ist die Tatsache, dass die Motivation von Victoria, anscheinend eine Faszination für diese Asi-Truppe zu empfinden und mit ihr abhängen zu wollen, nie ganz plausibel wird. Denn während die Gruppe um Sonne und Co. eindeutig nicht gerade die Intelligenz mit Löffeln gegessen hat, wird Victoria dem Zuschauer als durchaus gebildet vorgestellt. Dass alle Beteiligten stark alkoholisiert sind und wer weiß was noch genommen haben, bietet nur eine Noterklärung für sämtliche dumme Entscheidungen, gerade in Hinblick auf Victoria, die irgendwann bei halbwegs intaktem Gehirn die Notbremse gezogen hätte.

Aber diesen kleinen Kritikpunkt spielen die wirklich umwerfend guten Schauspieler, in erser Linie Laia Costa und Frederick Lau („Die Welle“), zum Glück hinweg, sodass er einen nie völlig aus dem Film reißt und man trotzdem in die Geschichte eintauchen kann. Deren filmische Darstellung in Form einer einzigen Plansequenz trägt ebenfalls dazu bei. Ich ziehe meinen Hut vor der Schauspiel- und Kameraarbeit!

Viel mehr sollte man über diesen Film auch gar nicht sagen, sondern ihn möglichst unvoreingenommen genießen.

Fazit

Inszenatorisch und schauspielerisch ein Meisterwerk, darüber hinaus nah, fesselnd und eindringlich. Pflichtfilm.

Bildergalerie

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