„Westworld“ – Ambitionierte Serie mit zu vielen Fragen

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1973 inszenierte „Jurassic Park“-Autor Michael Crichton seinen eigenen SciFi-Roman „Westworld“, in dem ein Roboter in einem Freizeitpark Amok läuft und die Besucher bedroht. Mit Autor Jonathan Nolan und Produzent J.J. Abrams wurde die Idee als HBO-Serienfassung jetzt neu inszeniert und die Handlung um zahlreiche Facetten erweitert. Leider wirft die Serie dabei dermaßen viele Fragen auf, dass man irgendwann nicht mehr genau weiß, welchen Antworten man eigentlich gerade nachjagt und welche von den Machern gar nicht beantwortet werden wollen. So will „Westworld“ einfach zu viel und verliert sich in all seinen Mysterien, obwohl die Serie ansonsten eigentlich eine Menge zu bieten hat.

Inhalt

In einer fernen Zukunft hat der geniale Wissenschaftler Dr. Robert Ford einen Wildwest-Freizeitpark mit lebensechten Robotern erschaffen, wo die Besucher vorgegebenen Handlungssträngen folgen können und sich ohne alle Regeln in jeder Hinsicht austoben können. Doch ein paar der Roboter beginnen sich an die Gewalttaten zu erinnern, die man ihnen angetan hat und beginnen sich zu wehren.

Review

Alleine wenn man den beeindruckenden Cast um Anthony Hopkins, Evan Rachel Wood, Ed Harris, Thandie Newton, Jeffrey Wright, James Marsden, Ben Barnes, Luke Hemsworth und Rodrigo Santoro sieht, merkt man, dass HBO hier für die Zeit nach „Game of Thrones“ ein neues Serienhighlight etablieren möchte. Mit Jonathan Nolan und seiner Frau Lisa Joy als Autoren und Showrunner hat man sich dafür eigentlich auch die richtigen für eine gransiose Handlung engagiert, doch leider schießen diese etwas über das Ziel hinaus.

„Westworld“ lebt zum einen von seinem faszinierenden Setting, zum anderen von den zahlreichen Charakteren, aber wenn man es realistisch betrachtet in erster Linie von seinen Mysterien und den vielen offenen Fragen. Die Serie ist eine Schnitzeljagd auf der Suche nach der Wahrheit, nach Verbindungen und Erklärungen und vor allem Absichten der menschlichen und künstlichen Charaktere. Das macht aber leider schon nach einigen Fragen nur noch begrenzt Spaß, zu viele Handlungsstränge und zu viele offene Fragen geben einem nicht die Chance, sich auf etwas Wesentliches zu konzentrieren.

Während man eigentlich darauf hofft, das nicht unbedingt logische Konstrukt des Parks an sich zu verstehen, was leider auch bis zum Ende der ersten Staffel, nicht wirklich befriedigend erklärt wird, werden einem zahlreiche ande Mysterien aufgetischt. Warum können sich einige Roboter plötzlich erinnern? Wer ist der Mann in Schwarz und was sind seine Absichten? Was steckt hinter dem neuen Handlungsstrang, den Erbauer Ford gerade im Geheimen erstellt? Was ist das für eine Firma, die ihren Einfluss auf den Park ausweiten will? Wer ist echt und wer nicht? Was spielt eigentlich wann? Was ist mit Fords Partner passiert? Diese Fragenliste könnte man endlos weiterführen.

Natürlich werfen einem die Macher immer wieder Brocken zu, doch so wirklich zusammenführen tun sie alles erst in den letzten Episoden den zehnteiligen erste Staffel. Bis dahin ist aber schon so viel passiert, dass man sich trotz der „Auflösungen“ gar nicht mehr alles korrekt zusammensetzen kann. Ich war froh, dass ich nach jeder Folge die zahlreichen Fantheorien verfolgt habe und ich so einige kluge Hintergedanken mehr im Kopf hatte, um den Geschehnissen wieder interessierter zu folgen.

Letztendlich ist der Plot trotz seiner mitunter recht großen Logiklücken ja schon interessant, auch der Cast ist beeindruckend und spielt hervorragend, aber mit ein paar weniger offenen Fragen hätte man der Handlung deutlich besser folgen können. Jonathan Nolan zeigt, dass er Zuschauer aufs Glatteis führen und immer wieder überraschen kann, aber hier hat er es leider übertrieben. Eigentlich müsste man mit dem Wissen nach dem Staffelfinale die ganze erste Staffel noch mal schauen, um alles zu erfassen, doch wer macht das schon.

Letztendlich hat „Westworld“ natürlich weiterhin Potential, gerade das Staffelfinale zeigt, das die gesamte erste Staffel eigentlich nur eine Einleitung für die eigentliche Handlung war, das macht schon noch Spaß auf mehr. Aber vielleicht lassen die Macher sich das nächste Mal etwas mehr in die Karten blicken, um neben dem Rätselspaß auch das interessierte Weiterverfolgen der einzelnen Geschichten ansprechender zu machen.

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