Kurz kritisiert 18: Von Friesen, Fieslingen und Fliewatüüt

Und wieder schiebe ich mal ein paar Kurzkritiken von Filmen dazwischen, die auf jeden Fall kurz erwähnt werden sollten, aber bei denen es für eine komplette Review nicht gereicht hat. Dieses Mal sind „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“, „Florence Foster Jenkins“, „Vier gegen die Bank“, „The Void“, „War Machine“, „Ostfriesisch für Anfänger“, „Shin Godzilla“ und „Der Elefantenmensch“ mit dabei.

robbitobbiRobbi, Tobbi und das Fliewatüüt (D 2016)

Nein, das Original war zwar ein Puppenspiel, aber nicht von der Augsburger Puppenkiste! Daher war es mir auch nicht möglich, die anstrengende Serienversion aus den 70ern noch mal anzusehen. Die Neuauflage über den kleinen Jungen Tobbi, der einen Roboter aus dem All kennenlernt und mit ihm ein verrücktes Fahrschwimmflugzeug baut, um Robbis Eltern zu finden, kommt sehr kindgerecht daher, Logik wird daher auch nicht groß geschrieben. Deutsche Stars wie Bjarne Mädel oder Alexandra Maria Lara können hier auch in ihren Nebenrollen schwer gegen das Drehbuch anspielen, machen mit ihrer Darbietung aber vielleicht das junge Publikum glücklich. Den tollsten Moment bei dem Film hatte ich allerdings, als ich als Drehort Friedrichstadt erkannte, ein kleines Städchen an der Nordsee, wo es mich in meiner Kindheit oft verschlagen hat. „Fliewatüüt“ bleibt ein tolles Wort, der Film ist definitiv nur für Kinder, aber auf dem Niveau schaubar.

florencefosterjenkinsFlorence Foster Jenkins (USA 2016)

Donald Trump kann beleidigt behaupten, was er will, Meryl Streep ist eine großartige Schauspielerin. Als die titelgebende Sängerin, die trotz ihrer miserablen Gesangskünste hoch hinaus wollte und immer von ihr zugetanen Menschen umgeben war, die sie im Glauben ließen, sie wäre ein echtes Talent, kann Streep voll überzeugen. Die tragikomische Handlung hat so viele gefühlvolle Momente, regt genauso zum Lachen wie zum Weinen an und zeigt auch Hugh Grant und „The Big Bang Theory“-Star Simon Helberg in wirklich tollen Rollen. Ein wirklich schöner Film!

Vier gegen die Bank (D 2016)

Die Zeiten, wo man von Til Schweiger, Matthias Schweighöfer und Michael Herbig tolle Filme erwarten konnte, sind lange vorbei. Da kann auch Jan Josef Liefers als vierter im Bunde nichts mehr retten, die langweilige Handlung über vier Männer, die ihre Bank ausrauben wollen, weil die sie um ihr Geld gebracht hat, ist nicht nur uralt, sondern hier auch so lahm und unlogisch inszeniert, wie man es bei dem Cast erwartet hätte. Bleibt nur die Frage, wieso hinter der Kamera der legendäre Wolfgang Petersen („Das Boot“, „Die unendliche Geschichte“, „Outbreak“, „Troja“) für diese neue Version seines TV-Klassikers aus den 70ern nach vielen Jahrzehnten in Hollywood wieder nach Deutschland zurückkehrte.

The Void (CAN 2016)

Verrückt und irgendwie kultig! Was die Regisseure Jeremy Gillespie und Steven Kostanski hier auftischen, ist eine echte Hommage an trashige Splatter-Horrorfilme aus den 80ern. Blutig und brutal, die Maskenbildner und Kreaturenschöpfer durften sich richtig austoben. Ekelhafte Mutanten, mörderische Sekten, wissenschaftliche Experimente, ein Tor zur Hölle, dieser Film hat alles! „The Void“ ist sicher nicht jedermans Sache, aber wer auf trashige Slasher mit völlig verrückter Handlung und den absurdesten Wendungen steht, der bekommt hier echt ein kleines Highlight zu sehen. Nichts für schwache Nerven!

War Machine (USA 2017)

Brad Pitt spielt für Netflix einen stoischen General, der den Krieg in Afghanistan endlich beenden soll. Die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte hat ihre guten Momente, aber irgendwie ist der Film nicht rund. Er ist zwar als Satire erkennbar, aber trotzdem irgendwie ohne richtigen roten Faden. Neben Pitt spielen auch noch Anthony Michael Hall, Topher Grace, Will Poulter, Tilda Swinton und Ben Kingsley mit. Das wertet den Film zwar auf, hebt ihn aber auch nur leicht aus dem Mittelmaß. Warten wir mal ab, ob Netflix mit seinen eigenen Film irgendwann solche Geniestreiche wie die eigenen Serien auf den Weg bringen wird.

Ostfriesisch für Anfänger (D 2016)

Dieter Hallervorden hatte in den letzten Jahren einige gute Leistungen im Kino abgeliefert, so liegt es nicht in erster Linie an ihm, dass dieser Film über einen bockigen alten Ostfriesen, der aufgrund ein paar ungünstiger Verwicklungen plötzlich Ausländern seine ganz eigene Art Deutschunterricht gibt, irgendwie trotz der lustigen Grundidee nicht über maues TV-Mittelmaß hinauskommt. Zum einen ist Hallervorden eben kein Friese, er hat sich mit seinem frisch erlernten Plattdeutsch zwar sichtlich Mühe gegeben, aber ein Jan Vedder hätte hier viel besser gepasst. Zudem ist die Handlung so hanebüchen, dass es einem irgendwann schon schwerfällt, bis zum Ende durchzuhalten. Tut uns leid, Jungens! Nich lang schnacken, Kopp in’n Nacken!

Shin Godzilla (JAP 2017)

In Japan ist es seit jeher eine Ehre, wenn man einen „Godzilla“-Film drehen darf. Mit „Shin Godzilla“ kommt die aktuellste Version des japanischen Monsters daher, bei denen die Macher sich an zahlreiche Vorgaben zu halten hatten, damit ihr Film als würdiges Mitglied der Reihe anerkannt wird. So erinnert der Grundstil tatsächlich an die inzwischen unfreiwillig komischen alten Monstertrashfilme mit Schauspielern in Gummianzügen und peinlichen Effekten, und doch hat sich auch hier einiges weiterentwickelt. Letztendlich bietet die Handlung nur bedingt mehr Inhalt als ein erneutes Plattgewalztwerden Tokios durch das Monster, das macht aber während des Film einige absurde Verwandlungen durch, bis es letzendlich zum klassischen Godzilla wird. Wer nicht auf den nächsten „Godzilla“-Film aus Hollywood im Kampf gegen „Kong“ warten möchte, kann dieser netten Monstertrash auf jeden Fll zwischenschieben.

Der Elefantenmensch (USA 1980)

Zuletzt eine kleine Zeitreise in die 80er zu einem Filmklassiker mit John Hurt und Anthony Hopkins über einen seit Geburt entstellten Mann, der von einem Arzt aus einer Kuriositätenshow gerettet wird und trotz seines grauenvollen Aussehens langsam in die bürgerliche Welt eingeführt wird, aber unter zahlreichen Rückschlägen zu leiden hat. Der Film ist nicht zuletzt dank seiner schwarz-weißen Machart optisch wirklich gelungen, er ist spannend aufgebaut und gleichzeitig sehr gefühlvoll, ohne auch nur ansatzweise kitschig oder zu melodramatisch zu werden. Doch warum habe ich diesen Klassiker ausgegraben? Da ich mich gerade in der späten dritten Staffel von „Twin Peaks“ von Regisseur David Lynch völlig in seine absurde Welt entführen lasse, wollte ich mich mal einem seiner ersten Filme widmen, der außer dem künstlerisch anspruchsvollen Stil im ersten Moment so gar nicht wie ein Lynch-Film aussehen will. Dennoch war „Der Elefantenmensch“ der Einstieg von Lynch in die Welt Hollywoods, die ihm kurz danach den Regieposten von „Dune – Der Wüstenplanet“ einbrachte, für den er sogar die Regie von „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ abgelehnt haben soll. Auch fast 40 Jahre später ist dieses frühe Werk noch absolut sehenswert.

Bildergalerie

florencefosterjenkins

florencefosterjenkins

florencefosterjenkins

florencefosterjenkins

florencefosterjenkins

robbitobbi

robbitobbi

robbitobbi

robbitobbi

robbitobbi


Verwandte Artikel

Ein Kommentar

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.