„Die dunkelste Stunde“ – Gary Oldman ist Winston Churchill!

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Nach dem vollkommen vermurksten „Churchill“ mit Brian Cox sieht man dieses Mal Gary Oldman in der Rolle eines der bedeutendsten Staatsmänner der 20. Jahrhunderts. Gary Oldman!? Man darf sich zurecht fragen, was der Ausnahmeschauspieler und der ehemalige britische Premierminister miteinander gemeinsam haben mögen, aber Oldmans schauspielerische Leistung ist einfach umwerfend. Die Maske ist einfach beeindruckend und Oldman spielt den äußerst speziellen Churchill brillant mit all seinen guten und schlechten Eigenarten. Doch was „Die dunkelste Stunde“ von Regisseur Joe Wright noch ausmacht, ist der Zeitpunkt, zu dem er spielt, und weil er einen noch einmal in eindrucksvollen Bildern vor Augen führt, dass der Zweite Weltkrieg vielleicht ganz anders ausgegangen wäre, wenn sich Churchill direkt nach seiner Ernennung zum Premierminister 1940 nicht allen zum Trotz der Option auf Verhandlungen mit Deutschland widersetzt und Großbritannien auf den unausweichlichen Widerstand eingeschworen hätte. Zudem liefert der Film den geschichtlichen Hintergrund für „Dunkirk“ gleich mit, der auch die Ereignisse in einem völlig anderen Licht erscheinen lässt. Ein weiteres Meisterwerk des Kinojahres 2018!

Inhalt

Obwohl man deutliche Vorbehalte hat, wird Winston Churchill (Gary Oldman) 1940 als Nachfolger des ungewünschten Neville Chamberlain (Ronald Pickup) zum britischen Premierminister ernannt. Nazi-Deutschland hat bereits einen Großteil Europas besetzt und auch Frankreich droht zu fallen, die britische Armee ist in Dünkirchen ohne gute Chancen auf eine Rettung eingekesselt und um Churchill sind viele zu Verhandlungen mit den Nazis bereit. Auch der englische König George VI. (Ben Mendelsohn) hat seine Probleme mit dem ruppigen Churchill, der vor einer fast unlösbare Aufgabe steht: Jede Pore in ihm widerstrebt Verhandlungen mit den Nazis, doch die Entwicklung des Zweiten Weltkriegs könnte am Ende auch den Untergang der britischen Inseln bedeuten. Trotz des Druck der anderen Politiker will er England nicht zu einer deutschen Marionette werden lassen und muss dafür so einige schwere Entscheidungen treffen.

Review

Dass Winston Churchill ein außergewöhnlicher Mann und maßgeblich am Ausgang des Zweiten Weltkriegs beteiligt war, ist sicher bekannt, doch wie wichtig die wenigen Wochen nach seiner Ernennung zum Premierminister 1940 waren, war mir so nicht klar. So konzentriert sich „Die dunkelste Stunde“ eben genau auf diesen nahezu aussichtlosen Punkt im Zweiten Weltkrieg, als der Sieg der Deutschen schon fast unausweichlich war. Der Film versteht es meisterhaft, die wichtigsten Momente zu erfassen und mit viel Emotionen auf die Leinwand zu bringen. Die Verfilmung von Churchills komplettem Leben wäre unmöglich gewesen, daher hat der Film einen der prägnantesten Momente ausgesucht. Er nutzt natürlich viele Momente, um ein paar weitere historischer Fakten über Churchill zu vermitteln, aber es geht hier eben nicht nur um diesen, sondern eben um einen ganz besonderen Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg und die Erkenntnis, dass Churchills Sturheit, Weitsicht und taktisches Verständnis mit der Bereitschaft zu Opfern vielleicht ganz Europa vor dem Sieg der Nazis gerettet hat.

Gleichzeitig präsentiert der Film kein verklärtes Bild von Churchill, der bekannterweise alles andere als ein einfacher Mensch war. Arroganz, cholerische Anfälle und so manche spleenige Anwandlung kennzeichnen auch hier den Mann, der vielleicht damals mit seinen Fähigkeiten der perfekte Staatsmann war, aber den man sich nicht unbedingt zum Freund haben wollte. Dass Churchill einem mit seinen vielen Facetten von liebenswert über intellgent zu unbelehrbar, arrogant bis zu abstoßend so perfekt dargestellt wird, ist größtenteils der Verdienst von Gary Oldman, der bis zur Unkenntlichkeit verändert hier wohl die Rolle seines Lebens spielt. Oldman war schon seit „Leon – Der Profi“, „True Romance“ oder „Das fünfte Element“ als Ausnahmeschauspieler bekannt, doch was er hier leistet, ist wirklich einzigartig. Wenn man nicht hier und deine seine Gesichtzüge erkennen würde, wäre vielen sicher nicht klar, wen sie hier sehen. Aber so geht er voll in der Rolle auf, mal als kauziger alter Mann, mal gebrochen und verzweifelt, doch wieder stark und unbeugsam. Es ist schon zu erwarten, dass Oldman nach der Auszeichung mit dem Golden Globe auch noch auf den Oscar hoffen kann. Aber auch die Nebendarsteller wie Kristin Scott Thomas, Ben Mendelsohn oder Lily James sind eine absolute Bereicherung für den Film.

Wie schon erwähnt, kann man den Film zudem als tolle Ergänzung zu Christopher Nolans „Dunkirk“ sehen, der mir zwar optisch und von der Machart sehr gefiel, dem aber auf der anderen Seite die Einordnung in den historischen Kontext fehlte. „Die dunkelste Stunde“ zeigt nun, wie fatal die Situation in Dünkirchen tatsächlich aus politischer Sicht war und welche bitteren und zugleich außergewöhnlichen Entscheidungen Churchills letztendlich zur Rettung der englischen Truppen führte.

Wenn ich Kritikpunkte nennen müsste, übertreibt man an einigen Stellen ein wenig mit dem Patriotismus, doch selbst das tut hier nicht weh, schließlich weiß man, was diese Momente letztendlich für die ganze Welt bedeutet haben und dass gerade diese patriotische Grundhaltung den Ausgang des Zweiten Weltkriegs maßgeblich beeinflusst hat.

Fazit

Ein einzigartiger Gary Oldman spielt einen einzigartigen Staatsmann in einem einzigartigen Film über einen richtungsändernden Moment während des Zweiten Weltkriegs. Selten war Geschichtsunterricht mit dem Fokus auf Politik so spannend inszeniert und so großartig gespielt!

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