„Alles Geld der Welt“ – Besser ohne Kevin Spacey!

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Der Film über die Entführung des Enkels von Öltycoon Paul Getty geriet in erster Linie in die Schlagzeilen, weil sich Regisseur Ridley Scott nach den Vorwürfen der sexuellen Belästung bei Kevin Spacey tatsächlich dafür entschied, seinen bereits fertig gedrehten Film zu überarbeiten und alle Szenen mit Spacey neu zu drehen und den Schauspieler durch Christopher Plummer zu ersetzen. Dieser ist eine so gute Besetzung für den arroganten aber auch erhabenen Getty, dass Spacey niemals so gut hätte sein können. Ein Geniestreich ist der Film trotzdem nicht geworden, aber nicht zuletzt dank Plummer, Michelle Williams und Mark Wahlberg durchaus unterhaltsam. Scott schafft es tatsächlich, die zentrale Entführung des Getty-Enkels in den Schatten eines ganz anderen Themas zu stellen, nämlich dem Verhalten von Menschen, die so reich sind, dass jeder Gedanke und auch jede persönliche Entscheidung mit materiellem Kalkül und dem Fokus auf den eigenen Vorteil gefällt wird. Christopher Plummer schafft dabei das Kunststück, den Millardär trotz seiner unfassbaren Reaktionen einen Stolz einzuverleiben, dass man tatsächlich zwischen Verachtung und Respekt zu schwanken beginnt.

Inhalt

In den 70ern gibt es keinen reicheren Mann als den Öl-Milliardär J. Paul Getty (Christopher Plummer). Doch als sein 16 Jahre alten Enkel Paul (Charlie Plummer) in Italien entführt wird und mit 17 Millionen Dollar eine für den Tycoon lächerliche Summe fordert, weigert sich dieser, das Geld zu bezahlen. Pauls Mutter Gail Harris (Michelle Williams), die aufgrund eines Streits lange Zeit keinen Kontakt mehr zu ihrem Schwiegervater hatte, versucht alles, um ihren Sohn auch ohne die Hilfe Gettys zu retten. Dieser stellt ihr allerdings den CIA-Agenten Fletcher Chase (Mark Wahlberg) an die Seite, der allerdings nach einigen falsch gezogenen Schlüssen realisiert, dass die sture Haltung seines Arbeitgebers den Tod dessen Enkels zur Folge haben könnte. Getty hingegen verhandelt skrupellos zu seinem eigenen Vorteil, was Gail dazu zwingt, ihre Strategie ebenfalls anzupassen.

Review

Niemand kann sich vorstellen, wie es ich, so reich zu sein, wie es J. Paul Getty in den 1970ern war. Dessen Stärke war es, jedes Geschäft zu seinem Vorteil zu verhandeln und immer die Oberhand zu behalten. Nur privat ging sein Plan für eine Familiendynastie nicht auf, sein Sohn war unfähig und wurde drogenanhängig, woraufhin seine Schwiegertochter ihm auch noch den hoffnungsvollen Enkel vorenthielt. Während es selbst bei dieser Konstellation schwer nachvollziehbar ist, wie stur und rücksichtslos der Milliardär mit dem Leben seines Enkels spielt, schafft es Ridley Scott tatsächlich, dass man den Respekt vor dem Tycoon nicht verliert. Hier merkt man, dass Christopher Plummer die perfekte Besetzung für J. Paul Getty ist, er war sogar die erste Wahl Scotts vor Drehbeginn. Die bereits veröffentlichten Trailer mit Spacey zeigen, dass dieser die Erhabenheit Plummers nicht zuletzt aufgrund des Altersunterschiedes niemals so hätte auf die Leinwand bringen können. Doch auch Michelle Williams spielt großartig, auf der einen Seite verzweifelte Mutter, auf der anderen Seite eine Kämpferin, die sich in einer Welt der reichen Arroganz behaupten muss. Mark Wahlberg spielt solide, aber nicht unbedingt herausragend.

Auch wenn Scott die wahren Begebenheiten deutlich sichtbar zugunsten kinotauglicher Anpassungen etwas verdreht, kommt die Entführungsgeschichte spannend daher. Das funktioniert natürlich am besten, wenn man die Kenntnisse über den Ausgang der damaligen Ereignisse nicht besitzt. Seine stärksten Momente hat der Film aber, wenn er sich dem alten Getty und dessen Ansichten widmet. Eine bezeichnende Szene ist beispielsweise die, wenn Getty mit einem anderen Mann verhandelt, offensichtlich nachgibt und seine Bereitschaft zur Zahlung „des Geldes“ bereit erklärt und dem Zuschauer erst dann offenbart wird, dass er gerade ein Gemälde für eine gigantische Summe erstanden hat, anstatt endlich das Lösegeld für seinen Enkel locker zu machen.

Die Darsteller sind gut, die Handlung schon aufgrund der wahren Vorlage und der cineastisch interessanten Aufbereitung sehenswert und der Film bis zum Ende spannend und kurzweilig inszeniert. So ist „Alles Geld der Welt“ durchaus sehenswert und das nicht vorrangig aufgrund der „Spacey-Affäre“.

Fazit

Das nachträgliche Ersetzen des in Ungnade gefallenen Kevin Spacey durch Christopher Plummer in der Rolle von Milliardär J. Paul Getty hat dem Film sichtbar gut getan, der trotz einiger Schwächen spannend und interessant umgesetzt wurde.

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