„I, Tonya“ – Margot Robbie unterhält als „Eishexe“

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Die Geschichten berühmter Rivalitäten in der Welt des Sports bringen derzeit viele tolle Filme hervor, nach Rennsport („Rush“) und Tennis („Borg/McEnroe“ und „Battle of the Sexes“) ist jetzt der wohl bekannteste Fall aus der Welt des Eiskunstlaufes dran. Dabei macht die Verfilmung der Karriere von Tonya Harding, die letztendlich durch ihre Verwicklung in einen Angriff auf ihre Konkurrentin Nancy Kerrigan zu weltweitem Ruhm gelangte, aus mehreren Gründen Spaß. Zum einen ist die Geschichte Hardings nicht uninteressant, aber die Umsetzung als halbe Dokumentation, in der die Darsteller auch immer mal wieder direkt in die Kamera sprechen, passt bei der herrlich absurden Geschichte wirklich perfekt. Abgerundet wird die zudem mit tollen Aufnahmen auf dem Eis mit wirklich einzigartigen Darstellern. Auch wenn Margot Robbie gerade bei den Oscars leer ausging, spielt sie die rotznäsige Harding wirklich herrlich frech, sodass man sie trotz ihrer patzigen Art fast schon lieb gewinnt. Neben den durchweg atemberaubend tumben Männern in Hardings Umfeld verdient vor allem Allison Janney eine Erwähnung für ihre wirklich krasse Darstellung der rücksichtlosen Mutter Hardings, wofür zu Recht sogar der Oscar als beste Nebendarstellerin drin war.

Inhalt

Als LaVona Harding (Allison Janney) erkennt, welche Fähigkeiten ihre Tochter auf dem Eis zu haben scheint, lässt sie diese schon im Alter von vier Jahren trainieren. Während keiner das Talent von Tonya Harding (Margot Robbie) in Frage stellt, steht ihr trotzdem ihre rotznäsige Art und ihr schlechter Geschmack in Sachen Kleidung im Weg, da die Juroren lieber „Prinzessinnen“ auf dem Eis bevorzugen und keine Trampeltiere vom Land. Doch als Tonya als eine der ersten Amerikanerinnen einen besonders schweren Sprung schafft, müssen auch die Juroren ihr Talent anerkennen. Auf dem Weg zum Erfolg steht ihr eigentlich nur ihre Konkurrentin Nancy Kerrigan (Caitlin Carver) im Weg. Doch als Tonyas dummer und gewaltätiger Mann Jeff Gillooly (Sebastian Stan) und sein noch dümmerer Kumpel Sean (Paul Walter Hauser) einen Plan aushecken, um die Konkurrentin auszuschalten, geht plötzlich alles nach hinten los.

Review

Bis heute ist nicht wirklich geklärt, wie weit Tonya Harding selber in den Anschlag auf Nancy Kerrigan verwickelt war, das macht sich der Film auch gekonnt zunutze, wählt er bewusst den Weg, dass man Tonya zwar nicht liebt, aber ihr doch zugesteht, dass ihr Weg zum Erfolg wirklich steinig und voller Rückschläge war und die Konsequenzen aus dem „Vorfall“, wie der Anschlag von allen Beteiligten im Film genannt wird, tatsächlich auch für sie ein schlimmes Schicksal bedeutet haben. Ob verdient oder nicht, das Urteil kann sich jeder selber bilden.

Margot Robbie erweist sich als absoluter Glücksgriff für die Rolle. Die attraktive Schauspielerin spielt mit echter Freude die rotznäsige, schlecht gestylte Eiskunstläuferin, die neben ihrem Talent auf dem Eis lieber dreckige Automotoren repariert oder im Wald jagen geht. Wenn sie sich von ihrer Mutter unterdrücken und von ihrem Freund verprügeln lässt, schwankt man immer zwischen Mitleid und Enttäuschung, dass sie ihrem Schicksal nicht entflieht, hin und her. Doch trotz Hardings Geschichte voller Entbehrungen, Rückschläge und Erniedrigungen gelingt es dem Film trotzdem, seinen amüsanten Stil nicht zu verlieren. Dazu trägt neben dem bereits erwähnten dokumentarischen Stil vor allem der grandiose Schnitt bei, durch den die gezeigten Ereignisse perfekt gerafft und doch auf den Punkt gebracht umgesetzt werden. Zudem sind die gezeigten Szenen bei den Turnieren ebenfalls großartig in Szene gesetzt.

„I, Tonya“ ist ein Film über starke, rücksichtslose Frauen und unfassbar dumme Männer. Während auf der einen Seite Allison Janney als rücksichtslose Mutter immer für einen fiesen Kommentar oder eine andere böse Aktion gut ist, möchte man Sebastian Stan und Paul Walter Hauser als Hardings (Ex-)Mann und seinen Kumpel einfach nur mit dem Kopf gegen die Wand hauen, so unfassbar dumm und undurchdacht ist so ziemlich jede Aktion der beiden, nicht zuletzt die Planung und Durchführung des „Vorfalls“ selber, sondern auch ihr Verhalten danach, als man sie bereits verdächtigt und verhört. Damit die Zuschauer gerade ein unfassbares Interview mit Sean nicht für eine Idee der Filmemacher halten, bietet der Abspann neben ein paar anderen Originalaufnahmen auch Ausschnitte aus eben diesem Interview.

Der Film hat sich perfekt dafür entschieden, Tonya Harding nicht als die „Eishexe“ zu zeigen, als die sie der Welt in Erinnerung geblieben ist, sondern ein amüsantes und zugleich emotionales Porträt einer Versagerin zu zeigen, die ihrer Karriere leider trotz ihres großen Talents immer wieder selber im Weg stand.

Fazit

Der Anschlag auf Eiskunstläuferin Nancy Kerrigan und die Verwicklung Tonya Hardings in den 1990ern ist vielen sicher noch im Gedächtnis geblieben und sicher so schon ein gutes Fundament für einen Film. Dass „I, Tonya“ Harding aber eben nicht erwartungsgemäß als fiese „Eishexe“ darstellt, sondern als junge Frau mit einem Traum und dem Talent, sich das Erreichen desselben immer selber zu verbauen, ist wirklich gelungen. Wer Tonya Harding weiter uneingeschränkt hassen will, sollte sich diesen Film daher lieber nicht ansehen.

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Ein Kommentar

  1. Cooler Film, gut gespielt und interessante reale Geschichte. Aber gerade, wenn man sich die reale Tonya Harding anschaut, ist Margot Robbie – obwohl sie sehr gut spielt – nicht nur deutlich zu hübsch (die Aussagen, dass sie abgelehnt wird, weil sie keine Prinzessin und eher Bauernpferd sei, kann man so wirklich gar nicht nachvollziehen), sondern auch klar zu alt und geht nun wirklich nicht mehr als 14- bis 23-Jährige durch. Aber darüber kann man hinwegsehen. Sehenswert und unterhaltsam! Allison Janney ist klasse!

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