„Auslöschung“ – Großartiger, intelligenter SciFi-Horror!

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Regisseur Alex Garland hat schon mit seinem Regiedebut „Ex Machina“ gezeigt, dass man von ihm ganz besondere Filme erwarten kann. Das trifft auch auf sein neues Meisterwerk „Annihilation“ zu, einen sehr ruhigen Science-Fiction-Film mit teilweise recht heftigen Horrorelementen und einer ganz eigenen Interpretation der Frage, wie eine Alieninvasion aussehen könnte. Der Film geht dabei ähnliche Wege wie „Arrival“, kommt aber mit seinem ganz eigenen optischen Stil und einer sehr interessanten Mischung aus Drama, Action und Horror daher. Bis vor wenigen Monaten galt der Film bereits als potentielles Kinohighlight, sodass man tatsächlich nicht verstehen kann, wieso der Filmverleih den Film letztendlich an Netflix verkaufte, wo der Film jetzt in Deutschland seine Premiere fand. Es ist schon erschreckend, wenn ein Film, der nicht der Norm entspricht und ganz offensichtlich Fragen offen lässt, um dem Zuschauer seinen eigenen Interpretationsspielraum zu lassen, als dem Publikum nicht zumutbar eingestuft wird. So kommt man zwar schon früh in den Genuss, den visuell und inhaltlich gelungenen Film mit einer großartigen Natalie Portman im Heimkino zu genießen, die beeindruckenden Bilder hätten aber sicher auch auf der Kinoleinwand eine gute Figur gemacht.

Inhalt

Seit mehreren Monaten hatte Lehrerin ena (Natalie Portman) nicht mehr von ihrem Mann Kane (Oscar Isaac) gehört, als er plötzlich sehr verstört von seinem Geheimauftrag wieder auftaucht. Doch als die beiden von der Regierung in Gewahrsam genommen werden, erfährt Lena, wie der letzte Auftrag ihres Mannes ausgesehen hat. Er ist als einziger Überlebender aus einem seltsamen Gebiet zurückgekehrt, in dem vor drei Jahren ein außerirdisches Objekt abstürzte und in dem Flora und Fauna sich auf sehr spezielle Art und Weise entwickelt haben. Da sich das Gebiet immer weiter ausbreitet, will ein Team von weiblichen Wissenschaftlern unter der Leitung von Dr. Ventress (Jennifer Jason Leigh) dem Phänomen auf den Grund gehen, auch wenn sie wissen, dass sie vermutlich nicht zurückkehren werden. Lena beschließt, sich dem Team anzuschließen und herauszufinden, was ihrem Mann widerfahren ist.

Review

Auch „Auslöschung“ präsentiert sich als gelungener Film über starke Frauen, deren Domäne selten Action und Science-fiction waren. Besondern Natalie Portman kann einmal wieder beweisen, dass sie zu Hollywoods besten Schauspielerinnen gehört und dass man ihre Ausflüge in Kommerzwelten wie „Star Wars“ oder das MCU ganz klar als Ausrutscher angesehen werden dürfen. Doch auch Jennifer Jason Leigh, Gina Rodriguez und Tessa Thompson dürfen zeigen, dass Frauen in Extremsituationen durchaus mal weiter kommen als die Männer. Doch nicht nur der weiblich dominante Cast macht den Film sehenswert, vielmehr ist es Regisseur Alex Garland gelungen, die Themen Alieninvasion und Rache der Natur auf eine ganz neue Ebene zu heben. „Auslöschung“ ist nämlich nicht, wie man angesichts der mal wieder völlig irreführenden Trailer glauben könnte, ein Actionfilm oder ein Horroslasher, es gibt zwar ganz klar fiese Schockmomente und gelungene Actionszenen, die untermauern aber nur die ansonsten sehr ruhige, mysteriöse und wirklich unangenehme Stimmung des Films. Wenn man sich zusammen mit den Frauen in das als „Schimmer“ bezeichnete Gebiet wagt, erlebt man einen Trip der ganz besonderen Art. Nicht nur die bunt und seltsam veränderte Natur lassen einen staunen, man spürt am eigenen Körper die Anspannung und gleichzeitig die Neugier der Frauen. Auch als Zuschauer will man wissen, was sich hinter dem Phänomen verbirgt, welche Absichten die außerirdische Macht hat und ob die Frauen die entscheidenden Antworten finden und vielleicht sogar die Ursache zerstören können, sollte sie sich als gefährlich herausstellen.

Bei dieser optisch und psychologisch einzigartigen Reise wird man immer wieder überrascht, die Gefahren tauchen urplötzlich und ungebremst auf, während man eben noch die Schönheit der Flora bewundert, reißt einen ein verändertes Tier gleich wieder aus der Annahme, hier könnte tatsächlich etwas Gutes entstehen. Doch das allein macht den Film noch nicht so rund, denn letztendlich sind es die Probleme und inneren Konflikte der zu einem Selbstmordkommando bereiten Frauen, die sich ebenfalls bei der Erkundung auf ganz eigene Weise entladen.

Da ich hier nicht spoilern will, kann ich nur noch sagen, dass auch das Erreichen des „Schimmer“-Zentrums und das Ende ihre ganz eigene Botschaft senden, die bewusst dazu anregt, dass jeder seine Schlüsse daraus ziehen und über das Ende hinaus seine eigene Interpretation entwickeln kann. „Auslöschung“ geht bewusst nicht in den „Mindfuck“-Bereich, die Handlung bleibt trotz all ihrer absurden Entwicklungen ungewöhnlich bodenständig und in sich logisch. Damit reiht sich der Film aber ganz klar in die Highlights dieses Filmjahres ein und zeigt eindrucksvoll, dass es immer noch möglich ist, Filme zu sehen, die einen überraschen können. Man kann nur hoffen, dass der Film abseits der umwerfenden Kritiken auch ein Publikumserfolg wird. Nicht für den finanziellen Erfolg von Netflix, sondern ganz klar dafür, dass nie wieder ein Filmverleih einen Film als nicht kinotauglich einstuft, weil er endlich mal was Neues riskiert, was vielleicht nicht der Masse gefällt. Und bitte keine Trailer mehr, die das falsche Publikum anlocken und das richtige Publikum abschrecken.

Fazit

Der auf Netflix „verbannte“ Science-fiction-Horror „Auslöschung“ entpuppt sich wie erhofft als echter Hingucker. Mit tollen Bildern und einem grandiosen weiblichen Cast entführt der Film einen auf eine bunte, mysteriöse und gleichzeitig extrem gruselige Odyssee mitten in eine durch außerirdische Kräft veränderte Welt auf der Suche nach dem Ursprung und gleichzeitig nach den Abgründen der eigenen Seele. Absolut sehenswert!

Bildergalerie


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