„Lady Bird“ – Saoirse Ronan will erwachsen werden

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Dieser gelungene Coming-Of-Age-Film wäre vermutlich an mir vorbeigegangen, wäre der Film aufgrund seiner rekordverdächtigen Anzahl positiver Kritiken nicht überall erwähnt worden. Die dadurch ungünstigerweise geschürte Erwartungshaltung kann „Lady Bird“ zwar nicht erfüllen, jedoch ist Regisseurin Greta Gerwig ein wirklicher toller Film übers Erwachsenwerden gelungen, der sich amüsant, emotional und intelligent sehr vielen Aspekten einer jungen Frau widmet, die aufgrund der konservativen Erziehung, der schweren Beziehung zu ihrer Mutter, den Problemen mit der ersten Liebe, der Konfrontation mit Homosexualität und entsprechender Diskriminierung und nicht zuletzt der schlechten finanziellen Situation ihrer Familie ihren eigenen Widerstand gegen die Einschränkungen ihrer Welt immer weiter auslebt und von einer illusorischen Vorstellung einer besseren Welt in der großen Stadt angetrieben wird. Hauptdarstellerin Saoirse Ronan und „Roseanne“-Star Laurie Metcalf in der Rolle ihrer Mutter waren zudem völlig berechtigt bei den Oscars für ihre Leistungen nominiert, sie bringen den Mutter-Tochter-Konflikt wirklich realistisch und abwechslungsreich auf die Leinwand. Leider ging der Film bei den Oscars leer aus, trotz weiterer Nominierungen für Regie, Drehbuch und bester Film.

Inhalt

Die junge Christine McPherson (Saoirse Ronan) nennt sich selber nur Lady Bird und geht in der Kleinstadt Sacramento auf eine katholische Highschool. Sie kann sich nur schwer mit den Einschränkungen durch die Kleinstadtwelt arrangieren und sucht so immer wieder den Konflikt mit Lehrern oder ihrer Mutter (Laurie Metcalf). Sie würde gerne nach der Highschool in einer Großstadt auf die Uni gehen, da ihrer Ansicht nach dort alle Jugendlichen weniger konservativ, belesen und vor allem interessanter daher kommen als in ihrem Heimatkaff. Während sie durch die Gefühle zu zwei völlig unterschiedlichen Jungen mehrfach aus der Bahn geworfen wird und sie auch noch ihre beste Freundin Julie (Beanie Feldstein) verprellt, fällt es Lady Bird zunehmend schwerer, sich in all den Problemen überhaupt noch zurecht zu finden.

Review

Was „Lady Bird“ von anderen Coming-Of-Age-Filmen abhebt ist ganz klar die sehr realistische und zugleich sehr abwechslungsreiche Geschichte, die nicht zuletzt aufgrund der tollen Darstellerinnen so gut funktioniert. Gerade Saoirse Ronan kann einen als Lady Bird immer wieder überraschen, hin- und hergerissen zwischen einer starken Persönlichkeit und gleichzeitig den weltverändernden Problemen einer jungen Frau. Aber auch Laurie Metcalf überzeugt voll und ganz in ihrer Rolle als überforderte Mutter, die eigentlich nur das beste für ihre Tochter will, aber aufgrund der eigenen Frustration, ihr das nicht geben zu können, ständig Streitereien auslöst. Die Mutter-Tochter-Beziehung fungiert als roter Faden während der ganzen Handlung, denn während das Mädchen und ihr Vater ziemlich gut miteinander auskommen, ist die Meinung der Mutter für Lady Bird der ausschlaggebende Faktor und die ständige Ablehnung für sie das schlimmste ihrer Probleme. Doch weder Mutter noch Tochter bekommen es hin, ihre Probleme und die eigene starke Persönlichkeit nicht für weniger Konflikte zurückzustellen.

Aber auch die Kleinstadt-Thematik ist toll umgesetzt, denn während einer die konservative Langeweile und Engstirnigkeit immer wieder unter die Nase gerieben wird, merkt man erst zum Ende, wie viele postive Aspekte die auf den ersten Blick so überschaubare Kleinstadt-Welt so bereithält. „Lady Bird“ verzichtet auch bewusst auf ein perfektes, glückliches Ende, trotzdem macht das Ende den Film erst richtig rund, da er die Handlungsstränge auf seine ganz spezielle Art perfekt zusammenführt. Auch die für einen solchen Film typischen Themen wie Liebe, Beziehung, Sex und Freundschaft kommen hier natürlich nicht zu kurz und trotzdem verläuft auch hier nichts so, wie man es erwarten würde.

„Lady Bird“ ist ein kleiner Film und will auch nicht mehr sein, so war dem Film der Podest, auf den er gestellt wurde, vielleicht doch eine Nummer zu groß. Sehenswert ist der Film aber auf jeden Fall.

Fazit

Von den vielen Filmen über das Erwachsenwerden kann sich „Lady Bird“ dank toller Darsteller und einer emotionalen, intelligenten und immer wieder überraschenden Handlung gekonnt absetzen.

Bildergalerie


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