Kurz kritisiert 22: Von Aliens, Geistern und Indianern

Auf geht’s zur nächsten Runde von Kurzkritiken zu Filmen, die auf jeden Fall kurz erwähnt werden sollten. Dieses Mal sind mit „Die Frau, die vorausgeht“, „Ocean’s 8“, „Isle of Dogs“, „Hotel Artemis“, „Extinction“, „Attraction“, „The First Purge“, „I Kill Giants“, „Ghost Stories“, „Game Night“, „Die kleine Hexe“ und „Das kleine Gespenst“ größtenteils Filme aus dem letzten halben Jahr dabei, die teilweise gar nicht in die Kinos gekommen sind.


Die Frau, die vorausgeht (USA 2018)

Kurz nach „Hostiles“ kommt hier schon der nächste Film, der sich mit dem Konflikt zwischen Indianern und Kolonisten beschäftigt. Das durchaus bewegende Biopic über die Malerin Catherine Weldon, die alleine in den Wilden Westen zog, um den Indianerhäuptling Sitting Bull zu malen, kratzt leider einige Male zu knapp am Kitsch vorbei, kann aber mit einer wirklich tollen Jessica Chastain und tollen Darbietungen von Michael Greyeyes, Sam Rockwell und Ciaran Hinds aufwarten. Die Geschichte der Malerin, die sich in einer den Indianern sehr feindlich gesinnten Gegend nicht unbedingt Freunde macht und dann die Indianer und ihren imposanten Anführer auch noch unterstützt, als man ihnen noch mehr Gebiete entwenden will, hält sich nicht ganz an die historischen Fakten, ist thematisch aber trotzdem interessant und optisch gut gemacht.


Ocean’s 8 (USA 2018)

Warum man nach dem Heist-Klassiker „Ocean’s Eleven“, einer komplett verhunzten und einer mittelmäßigen Fortsetzung jetzt auch noch eine Frauen-Variante ins Kino bringen musste, ist für mich nicht nachvollziehbar. Unabhängig davon, dass Gaunerkomödien nicht gerade der Fokus des weiblichen Publikums sind, der Film selber verfehlt sein Ziel, die Frauen den Männern ebenbürtig darzustellen, völlig. Die plumpe Zusammenstellung der Mannschaft (Hey, du kannst zwei Computerfachbegriffe, du bist voll unser Hackergenie!), der „frauenfreundliche“ Fokus auf Schmuck und Mode und die alles andere als rasante Inszenierung, setzen den Frauen ganz klar kein Denkmal, was sicher ganz anders beabsichtigt war. So bekommt auch kaum jemand aus dem völlig überladenen Cast neben Sandra Bullock, Cate Blanchett, Sarah Paulson, Rihanna, Helena Bonham Carter vielleicht gerade mal Anne Hathaway die Chance, ein paar denkwürdige Momente abzuliefern. Ok, vielleicht auch noch James Corden als Versicherungsdetektiv. Alles andere ist von dem einen zu viel und dem anderen zu wenig. Jegliche Zielgruppe verfehlt, würde ich sagen.


Isle of Dogs (USA 2018)

Schon mit „Der fantastische Mr. Fox“ hat Ausnahmeregisseur Wes Anderson gezeigt, dass er neben schrulligen Filmen wie „Grand Budapest Hotel“ oder „Moonrise Kingdom“ auch Stop-Motion-Animationsfilme zu drehen vermag. „Isle of Dogs“ ist nun die Krönung in Anderson optisch mal wieder perfekt arrangierter Formen und Farben, ein wieder sehr seltsamer Film voller skurriler Ideen. In einer fernen Zukunft hat man in Japan aufgrund einer Seuche alle Hunde auf eine müllige Insel verbannt. Doch ausgerechnet der junge Neffe des Regierungschefs fliegt auf die Insel, um seinen Hund wiederzufinden und zu beweisen, dass mehr hinter Seuche steckt, als dem Volk gesagt wird. Ein Trupp seltsamer Hunde hilft ihm bei der Suche und beschützt ihn vor menschlichen Verfolgern und Roboterhunden. Soweit verstanden? Nein, ist schließlich auch ein Film von Wes Anderson! Künstlerisch wertvoll, inhaltlich interessant, aber natürlich alles andere als wirklich greifbar. Für Anderson-Fans ganz klar ein Muss, für alle anderen vermutlich etwas zu sonderbar.


Hotel Artemis (USA 2018)

Nein, es geht hier zwar auch um einen Ort, wo Verbrecher Unterschlupf finden und nach vorgegebenen Regeln agieren müssen, aber „John Wick“ hat nichts damit zu tun. Im Gegensatz zu dem Actionreißer geht es hier in dem entsprechenden Krankenhaus auch bis fast zum Ende relativ ruhig zu. Der Film zeigt eine düstere Zukunft mit bürgerkriegsähnlichen Zuständen, wo verletzte Verbrecher mit Mitgliedsberechtigung in einem Krankenhaus mit bester Technik zusammengeflickt werden. Natürlich decken sich auch hier nicht alle Interessen und so ist die Konfrontation unausweichlich. Neben netten Gastauftritten von Jeff Goldblum, Zachery Quinto, Sterling K. Brown und Dave Bautista ist das große Highlight des Films die Rückkehr von Jodie Foster vor die Kamera. Die sichtlich gealterte Schauspielerin liefert eine wirklich tolle Leistung ab und trägt als brummelige Krankenschwester mit psychischen Wunden aus der Vergangenheit fast den ganzen Film.


Extinction (USA 2018)

Der Alieninvasionsthriller mit Michael Peña, Lizzy Caplan und Mike Colter, der direkt auf Netflix gestartet ist, fängt eigentlich nicht besonders originell an, auch wenn die Invasion schon ansehnlich in Szene gesetzt wurde. Doch eine interessante und recht überraschende Wendung setzt die komplette Handlung in ein anderes Licht und sorgt dafür, dass „Extinction“ eine ganz andere Bedeutung und vor allem eine andere Botschaft einnimmt. Optisch gelungen, gut gespielt und inhaltlich interessant. Vielleicht kein Film fürs Kino, aber ganz klar eine Empfehlung fürs Heimkino.


Attraction (RU 2017)

Und noch mal landen die Aliens auf der Erde. Doch schon alleine, dass es sich hier um einen russischen Film handelt, der sich optisch aber problemlos mit Hollywood messen kann, macht den Film interessant. Wenn hier ein Alien-Raumschiff abgeschossen wird und mitten in Moskau abstürzt, woraufhin keiner weiß, was von den Aliens zu erwarten ist. Während sich ein Teil der Bevölkerung schnell für einen Erstschlag stark macht und das zögernde Militär unter Druck setzt, trifft ein Mädchen durch Zufall auf einen der Invasoren und nach gegenseitiger Lebensrettung bauen die beiden Vertrauen zueinander auf. Mitten im Pulverfass Moskau versuchen die beiden nun, einen Krieg zu verhindern. Man merkt schnell, dass man in Russland anders reagiert und auch anders Geschichten erzählt, so läuft der Film nicht unbedingt nach einem bekannten Standard ab, was wirklich Spaß macht. Vor allem das Thema Rassismus nimmt hier einen hohen Stellenwert ein und wird großartig in die sehr spannende Handlung integriert. Ganz klar ein Geheimtipp!


The First Purge (USA 2018)

Schon der erste Teil von „The Purge“ startete originell, wurde dann aber zu sehr ein gewaltätiger Slasher. Das gilt auch für den zweiten und den dritten Teil, die beide ein paar gesellschaftskritische Aspekte einbrachten, aber letztendlich genau die Begeisterung an Gewalt ansprachen, die sich eigentlich zu kritisieren behaupteten. Das setzt sich auch im Prequel „The First Purge“ so weiter durch. Wer sich immer noch nicht satt daran gesehen hat, wird auch hier wieder auf seine Kosten kommen. Ob es einen wirklich interessiert, welche politischen Intrigen einst die erste „Purge“-Nacht ins Leben gerufen haben, weiß ich nicht. Aber für alle Gewalthungrigen gibt es in Kürze auch noch eine „Purge“-Serie. Die braucht doch eigentlich echt keiner mehr, oder?


I Kill Giants (BE/GB/USA 2017)

Ein Teenager verarbeitet einen Schicksalsschlag mit der Flucht in eine fantastische Welt, bei der man nicht genau weiß, was Wahrheit und was Fantasie ist. Würde das nicht so sehr an „Sieben Minuten nach Mitternacht“ erinnern, mit dem sich der Film natürlich nicht messen kann, wäre er vielleicht noch etwas origineller gewesen. Respekt verdient aber auf jeden Fall die junge Madison Wolfe für ihre Darstellung des verstörten Teenagers, in einer sehr ruhigen Nebenrolle ist zudem Zoe Saldana zu sehen. Für einen Fantasyfilm ist der Film nun leider nicht speziell genug, für ein Drama leider zu überdreht. Irgendwie kann man den Film zwar nebenbei mal anschauen, so richtig etwas damit anfangen kann man allerdings nicht. Zudem enttäuscht das Ende, das sicher noch einiges hätte rumreißen können.


Ghost Stories (GB 2017)

Manchmal kann man aus Theaterstücken wirklich tolle Filme machen, doch bei diesem Gruselfilm hätte man an der Vorlage etwas mehr ändern müssen, um außerhalb der Bühne auch überzeugen zu können. Zwar kann Martin Freeman in einer Nebenrolle wieder eine tolle Performance auf sein Konto verbuchen, der komplette Film über einen Mann, der übernatürliche Phänomene als Betrug enttarnt und von seinem großen Idol auf drei ungelöste Fälle angesetzt wird, bei denen er beweisen soll, dass nichts Übernatürliches dahinter steckt, steckt voller dramaturgischer Schwächen. Im Theater kann man mit ein paar Schockmomenten, düsteren Orten und seltsamen Personen vielleicht schon einen Abend lang unterhalten, hier fällt einem gleich negativ auf, dass die Fälle alle nicht wirklich zu Ende erzählt werden, dass nichts wirklich zusammen hängt und der Film so zwar ein paar originelle Ideen bietet, aber insgesamt als Film alles andere als rund wirkt. Die langweilige Auflösung gibt dem Film dann leider den Rest. Anders muss nicht immer besser sein und was als Theaterstück funktioniert, muss nicht als Film taugen, wenn man Aufbau und Dramaturgie nicht an die andere Darstellungsform anpasst.


Game Night (USA 2018)

Rachel McAdams, Jason Bateman, Kyle Chandler, Michael C. Hall und Jesse Plemons kalauern sich durch einen originellen Spieleabend, bei dem sich ein vermeintliches Rollenspiel als echtes Verbrechen entpuppt. Die Komödie ist rasant, viele Gags zünden und sind mitunter nicht nur nach Schema F gestrickt, trotzdem fühlt sich das ganze eben doch nur an wie eine typische Durchschnittskomödie. Man sieht den Schauspielern ihren Spaß an, vor allem Rachel McAdams macht Spaß und jedem, der eine entspannte Komödie ohne Tiefgang für einen Abend ohne Anspruch sucht, der kann hier problemlos zugreifen. „Game Night“ ist für das, was er sein will, ganz klar ein gelungener Film, aber eben leider kein Film für mich.


Die kleine Hexe (DE 2018)

Über 60 Jahre hat der Kinderbuchklassiker von Ottfried Preußler auf eine Kinoadaption warten müssen. Mit einer unglaublich sympathischen Karoline Herfurth in der Hauptrolle hat man hier auf jeden Fall alles richtig gemacht. Zudem ist die Ausstattung mit viel Liebe zum Detail wirklich gelungen und der Film so inszeniert, dass er auch kleine Kinder schon begeistern kann ohne zu ängstigen. Dass aber auch das Ende sehr werkgetreu umgesetzt wurde, mag einen dann doch etwas erstaunen und bei besonders plitschen Kindern zu etwas Erklärungsnot führen. Trotzdem ist „Die kleine Hexe“ ein schöner Kinderfilm für Jung und Alt.


Das kleine Gespenst (DE 2013)

Nach „Die kleine Hexe“ darf ich natürlich nicht die Verfilmung von einem anderen von Preußlers Klassikern unterschlagen, denn schon 2013 kam auch „Das kleine Gespenst“ ins Kino. Hier gibt es allerdings deutsche Kinderkino-Massenware mit einem überdrehten Uwe Ochsenknecht in einer Doppelrolle. Tricktechnisch ist der Film durchaus überzeugend und auch für Kinder entspannte, unterhaltsame Kost, aber eben nichts Besonderes. Unfassbar finde ich die Tatsache, dass es auch hier schon wieder Diskussionen gab, weil das Gespenst wie auch schon im Buch plötzlich am Tag wach ist und vor allem nicht damit klar kommt, dass es plötzlich schwarz geworden ist. Bei aller Liebe, man kann sich gerne für Gleichberechtigung einsetzen, aber wo manche Menschen heute schon angeblichen Rassismius sehen, ist echt verrückt!

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