„Das Boot“ – Serienfortsetzung des deutschen Filmklassikers!

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Letztes Jahr gelang dem Bezahlsender Sky mit der Serien-Eigenproduktion „Babylon Berlin“ ein wirkliches Serienhighlight. Während wir hier leider noch länger auf die nächste Staffel warten müssen, schickt Sky jetzt eine neue aufwendige Serie ins Rennen. Bei „Das Boot“ handelt es sich nich um eine Neuauflage von Wolfgang Petersens Klassiker von 1981, sondern eine Fortsetzung, die ein Jahr nach den damaligen Ereignissen im Herbst 1942 spielt. Während es auch hier zu einem Großteil mit einem U-Boot auf Jagd geht, widmet sich ein Großteil der Serie dem Widerstand im französisch besetzten La Rochelle. Insgesamt ist die Serie nicht schlecht, hält dem unausweichlichen Vergleich zu Petersen Film- und Serienklassiker nicht stand. Während man damals trotz einer recht überschaubaren Handlung wirklich auf engstem Raum mit der Mannschaft litt und mitfieberte, fehlen hier völlig die Identifikationspersonen. Zudem wirkt die Optik mitunter einfach zu sauber und auch der Versuch, möglichst viele Personen und Themen in die Handlung zu pressen, geht nicht immer auf.

Inhalt

Als der junge Kapitänleutnants Klaus Hoffmann (Rick Okon) mit dem U-Boot U-612 vom französischen La Rochelle aufbricht, glauben viele, er verdanke den Posten nur seinem prominenten Vater. So kommt es schnell zu Unstimmigkeiten mit der Mannschaft, vor allem als vom Oberkommando ein Befehl kommt, den auch der Kommandant nur widerwillig annimmt. Auch zwischen den Crewmitgliedern kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen. Zurück in La Rochelle stellt Übersetzerin Simone Strasser (Vicky Krieps) fest, dass ihr Bruder Frank (Leonard Scheicher), der überraschend der U-612 als Funker zugeteilt wurde, nicht nur ein Baby mit einer Französin hat, sondern auch für den französischen Widerstand tätig war, um mit Freundin und Kind außer Landes zu fliehen. Schnell gerät Simone zwischen die Fronten, auf der einen Seite ihr Chef, der Kriminalrat Hagen Forster (Tom Wlaschiha), auf der anderen Seite die Widerstandskämpferin Carla Monroe (Lizzy Caplan).

Review

Vielleicht sollte man nicht wie ich vorab noch mal das Original von 1981 anschauen, denn „Das Boot“ von 2018 versucht bewusst, anders als der Vorgänger zu sein. Aber trotzdem fühlt es sich im Vergleich nicht ganz richtig an. Dabei ist die Serie vermutlich in der Charakterzeichnung realistischer, die Auseinandersetzungen an Bord sind vielleicht viel realistischer als der damalige Trupp Männer, die immer an einem Strang zogen, doch so will sich auch kein Charakter wirklich als Identifikationsfigur anbieten. Allerdings bieten die Spannungen an Bord ab Hälfte der ersten Staffel dann doch ein paar Entwicklungen, die die Handlung deutlich interessanter aussehen lassen. Die Handlung an Land in La Rochelle hingegen bietet zwar ein paar interessante Aspekte, will sich die ganze Zeit nicht richtig anpassen. So sind gerade die Verhaltensweisen der Simone Strasser oft so an den Haaren herbeigezogen, dass der komplette Plot um die Resistance einfach nicht funktionieren will. Vielleicht hätte man sich wie im Vorgänger nur auf ein Szenario konzentrieren sollen.

Vielleicht wollten die Macher mit ihren Deutschen nicht den gleichen „Fehler“ machen wie damals Petersen, der sich der Kritik stellen musste, dass man hier doch eigentlich mit Nazis sympathisierte. Dass es auch damals schon darum ging, dass Krieg immer etwas Grauenvolles ist, egal auf welcher Seite man steht, wird hier ganz anders ausgespielt. Hier hat eigentlich jeder irgendwie Dreck am Stecken und sucht eben doch nur nach seiner Chance zum Überleben in einem unnachgiebigen Krieg ohne Skrupel.

Dass man heute völlig andere technische Möglichkeiten als 1981 hat, ist klar. Aber während die damaligen Techniken und Ideen für die Umsetzung einerseits leicht zum Schmunzeln anregen, erfüllen sie bis heute ihren Zweck. „Das Boot“ aus den 80ern ist heute noch selbst in der fast 6-stündigen Serienfassung spannend, actionreich und emotional. Auch wenn die Animationen von 2018 recht gut aussehen und man auch für die Innenaufnahmen im U-Boot auf Authentizität bedacht war, ist die Neuauflage irgendwie zu „sauber“. Bei „Das Boot“ erwartet man Dreck, bärtige Männer mit Kodderschnauze, die in jeder noch so aussichtslosen Lage zusammenhalten und eine Lösung finden. Das bietet die neue Serie leider nicht. Natürlich verzichtet man auch hier nicht auf das Warten auf die Wasserbomben der näherkommenden Zerstörer mit immer schnell kommenden Ping-Geräuschen, was dann auch zu ein paar Momenten führt, die sich wieder richtig anfühlen, aber insgesamt inszeniert man heute eben völlig anders.

So ist gerade der Plot um die U-612 unterm Strich originell, überraschend und spannend inszeniert, wenn man sich in der U-96 nicht so zu Hause fühlen würde, vielleicht sogar besser als damals. Der Handlungsstrang mit der Resistance hingegen hinkt an so vielen Stellen und ist eben so gar nicht „Das Boot“, dass die Serie insgesamt nicht als Highlight wie „Babylon Berlin“ gewertet werden kann. Die Dreharbeiten für eine zweite Staffel sollen bereits im Frühjahr 2019 starten, vielleicht kann man sich bis dahin von der alten Version genug lösen und vielleicht konzentrieren sich die Macher dann mehr auf die Ereignisse auf dem Meer, damit man der Serie mehr Anerkennung zuteil werden lassen kann.

Fazit

Wer gehofft hat, das gleiche Setting und Feeling wie in Wolfgang Petersens „Boot“ auch in der Serien-Fortsetzung zu finden, wird leider enttäuscht, trotzdem entpuppt sich die neue Serie unabhängig betrachtet trotz einiger Schwächen als nicht uninteressant.

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