„Verschwörung“ – Claire Foy ist top, der Film nicht!

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Mit seiner „Millenium“-Trilogie hat der schwedische Autor Stieg Larsson eine echte Kultreihe geschaffen, die zudem als schwedische Filmereihe von „Verblendung“, „Verdammnis“ und „Vergebung“ sowie einem US-Remake von „Verblendung“ sehr erfolgreich im Kino liefen. Seinen Erfolg konnte der Autor leider nicht auskosten und sein Tod sorgte auch dafür, dass er die Reihe trotz vorhandener Entwürfe nicht fortsetzen konnte. Das wurde jetzt von einem anderen Autor übernommen, doch wenn Larsson wüsste, was jetzt mit „Verschwörung“ im Kino läuft, würde er sich im Grab umdrehen. Das liegt nicht an Claire Foy als inzwischen dritte Lisbeth Salander, sondern an der völlig übertriebenen Handlung und der noch schlimmeren Umsetzung, die nichts mehr vom ursprünglichen nordischen Charme aufweist, sondern nur noch mit Hollywood-Klischees und einer völlig überzogenen Hauptperson protzt, deren technische und physische Fähigkeiten fast schon in einen Superhelden-Film gepasst hätten.

Inhalt

Lisbeth Salander (Claire Foy) ist untergetaucht und setzt sich für unterdrückte Frauen ein, indem sie nachts deren Männer zur Rechenschaft zieht. Doch als sie dank ihrer Hackerkenntnisse engagiert wird, ein Computerprogramm zur Kontrolle aller Nuklearraketen zu stehlen und zu zerstören, sieht sie sich auf einmal mit bösen Mächten konfrontiert, die auch vor Mord und Kindesentführung nicht zurückschrecken. Und die Polizei hält Lisbeth bei allen Taten für die Hauptverdächtige.

Review

Die „Millenium“-Reihe war nicht zuletzt dank des vielschichtigen Charakters Lisbeth Salander so besonders, dank der großartigen Darstellung von Noomie Rapace in den schwedischen Filmen und Rooney Mara im US-Remake wurden der Charakter einer der interessantesten der letzten Jahre. Dass man die „Millenium“-Kuh weitermelken würde, war da natürlich absehbar. Dass aber aufgrund des vorzeitigen Ablebens von Autor Stieg Larsson eine so peinliche Fortsetzung entstehen könnte, hätte man wohl nicht für möglich gehalten.

Dass hier die titelgebende Zeitschrift und der Journalist Mikael Blomkvist nur am Rande vorkommen und gerade der damals noch zweitwichtigste Charakter hier so gar nichts zum Geschehen beiträgt, ist noch nicht das Schlimmste. Auch damals wurden die Plots immer „größer“, aber blieben trotzdem noch recht bodenständig, hier ist dann gleich die ganze Welt in Gefahr, das Computerprogramm, um alle Atomraketen der Welt zu steuern, ist die nächste hirnrissige Idee, über die plötzlich erfundene Schwester von Lisbeth muss man gar nicht mehr reden, aber auch da ist man noch nicht beim nervigsten Teil angelangt. Wenn schon der Plot seine Bodenständigkeit verliert, kann man auch den letzten Happen Realismus über Bord werfen, haben sich die Macher wohl gedacht. Denn was das Hacker-Kampf-Intelligenz-Vorahnungs-Supertalent Lisbeth hier zu bieten hat, toppt echt so manchen Superhelden. Mit wenigen Klicks die Flughafensoftware kapern und sekundengenau ohne überhaupt hinzuschauen Dinge ein- und ausschalten, problemlos ein Auto und seine Route orten, Lisbeth kann alles. Und natürlich auch super kämpfen, einmalig Auto fahren und und und. Was als spannender Krimi damals startete, ist jetzt vollkommen zum James-Bond-Actionthriller Marke Hollywood verkommen. Das könnte vielleicht kurzweilig sein, wenn man nicht ständig im Hinterkopf hätte, was für ein Vermächtnis da gerade mit Füßen getreten wird.

Wobei man die Schuld ganz klar nicht bei Claire Foy suchen muss, deren Versuch, Lisbeth Salander ihre eigene Note entgegen des schlechten Scripts zu geben, durchaus honoriert werden muss. Sie kann den beiden Vorgängerinnen nicht das Wasser reichen, macht ihre Sache aber trotzdem gut. Was man von der restlichen Besetzung nicht unbedingt sagen kann, denn weder Sverrir Gudnason, Sylvia Hoeks oder Vicky Krieps können hier irgendwie überzeugen, bekommen aber in dem Salander-dominierten Plot auch kaum die Chance auf interessante Momente.

Man hätte es bei den drei alten Teilen, wenn nicht sogar beim ersten Teil belassen sollen, diese maue Fortsetzung haben weder Stieg Larsson noch Lisbeth Salander verdient.

Fazit

Wenn Lisbeth Salander im Stil von James Bond die Welt rettet, hat das leider nichts mehr mit dem spannenden Krimi zu tun, der mal die Basis der „Millenium“-Reihe war.

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