„Stephen Kings ES – Kapitel 2“ – Gelungen, aber nicht genial!

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Als vor zwei Jahren der erste Teil der Neuauflage von Stephen Kings Meisterwerk „ES“ in die Kinos kam, hatte man so ziemlich alles richtig gemacht, die einzigartigen Kinderdarsteller, die Nähe zur Vorlage, das 80er-Feeling und die Horrormomente, hier passte alles zusammen. Zwei Jahre hat Andy Muschietti nach seinem Megaerfolg gebraucht, um die Fortsetzung ins Kino zu bringen. Die kann man zwar wieder grundsätzlich als gelungenen Film bezeichnen und doch macht der Regisseur hier ein paar Fehler, die den Film leider nicht aus dem Schatten des Erstlings heraustreten lassen. Denn auch, wenn die erwachsenen Loser wirklich toll gecastet wurden, mit den Kindern konnte man sich doch mehr identifizieren, das können auch die Rückblenden nicht retten. Was mich aber noch mehr gestört hat, war die Masse an immer nach dem gleichen Schema ablaufenden „Jump Scares“, die zwar alle für sich als schöne Schocker funktionieren, in der Masse dann aber doch zu ähnlich sind, um wirklich noch gruseln zu können. Genial ist aber wieder Bill Skarsgård, der seinem Pennywise hier noch einen Level fieser spielen darf.

Inhalt

Seit sie als Kinder dem fiesen Clown Pennywise (Bill Skarsgård) vermeitlich den Garaus gemacht haben, sind 27 Jahre vergangen. Doch als Mike Hanlon (Isaiah Mustafa), der als einziger die Kleinstadt Derry nie verlassen hat, alle inzwischen erwachsenen „Loser“ anruft, müssen sich auch Bill (James McAvoy), Beverly (Jessica Chastain), Richie (Bill Hader), Ben (Jay Ryan), Eddie (James Ransone) und Stanley (Andy Bean) der schrecklichen Erkenntnis stellen, dass sie das Monster damals nicht getötet haben und sich ihrem Schwur entsprechend in die Heimatstadt aufmachen müssen, um Pennywise entgültig fertig zu machen. Doch der Clown hat bereits auf sie gewartet und macht sich einen Spaß daraus, sie auch als Erwachsene mit fiesen Visionen ihre bittersten Ängste durchleben zu lassen.

Review

Der erste Teil ist in meinen Augen weiterhin ein Meisterwerk, auch wenn er nicht wie erwartet wirkliches Albtraumpotential lieferte, dafür aber auch auf Basis eines Dramas bzw. Coming-of-Age-Movies ganz weit die Nase vorne hatte. Andy Muschietti hatte sich bewusst dafür entschieden die Erzählebenen der jungen und erwachsenen „Loser“ nicht wie im Buch und der TV-Verfilmung 1990 zu mischen. Das konnte den ersten Teil extrem pushen, erweist sich aber für den zweiten Teil doch als kleiner Nachteil. Denn die Erwachsenen spielen zwar souverän und gehen wirklich alle perfekt als große Version ihrer jungen Ausgabe durch, aber den gleichen Identifikationslevel bieten sie dann doch nicht. Trotzdem bekommt man die Kinder auch noch mehrfach zu sehen, allerdings nur in eher zusammenhanglosen Rückblenden.

Obwohl der Film mit fast drei Stunden sogar noch die Länge des ersten Teils toppt (die erste Schnittfassung soll noch eine Stunde länger gewesen sein!), kommt einem der Film nicht zu lang vor, er kann einen über die volle Länge bei Laune halten, rückwirkend hätte ich aber tatsächlich einen gewissen Anteil deutlich gekürzt: die Horrorszenen! Im ersten Teil waren die Horrormomente großartig, gruselig und originell und immer förderlich für die Handlung. Das kann man hier leider nicht mehr sagen, denn auch wenn die Horrorszenen wieder optisch ansprechend und jede für sich orginell daherkommen, ist es irgendwann nicht mehr gruselig, wenn sich zum zehnten Mal jemand ganz offensichtlich einem verborgenen Schreckensszenario nähert, der erwartete Schockmoment in der ersten Sekunde ausbleibt, um dann kurz nach einem Kameraschwenk aus der anderen Ecke zuzuschlagen, dann kann es einen nicht mehr wirklich von den Socken hauen. Maske und Inszenierung funktionieren zwar jedes Mal, aber eben nicht als Massenware. Dann erreicht der Film seinen maximalen Schreckensfaktor doch wieder, wenn er Pennywise auf ein Mädchen unter einer Footballtribüne oder einen Jungen in einem Spiegelkabinett treffen lässt. Die Szenen fressen sich dann doch wieder ins Gehirn, im wahrsten Sinne des Wortes!

Und auch wenn der Film sich weiterhin recht nah an der Vorlage orientiert, finde ich es schade, dass das Leben der erwachsenen Verlierer so fix abgehandelt wird und dann auch keinen weitern Einfluss mehr auf die Handlung hat. Was ist mit Bills Frau? Im Buch und in der alten Verfilmung war es wichtig, dass plötzlich Gefühle für jemanden außerhalb der Gruppe den Kampf gegen Pennywise erschwerten. Im Buch spielt sogar Beverlys brutaler Mann noch eine wichtige Rolle bei den Ereignissen in Derry. Mit dem Ende kann ich leben, auch wenn es sich gegenüber dem Buch so einige Freiheiten nimmt.

Abschließend muss ich sagen, dass meine Ausführungen nicht den Eindruck erwecken sollen, der Film wäre nicht gelungen, das ist absolut nicht der Fall! Es war fast unmöglich, die Qualität des ersten Teils beizubehalten oder sogar zu toppen, während ich Teil 1 weiterhin als Horror-Meisterwerk empfinde, ist Muschietti hier doch etwas über das Ziel hinaus geschossen, man merkt dem Film leider ein wenig an, dass hier mehr Geld zur Verfügung stand und man sich ein wenig auf dem Erfolg des Erstlings ausgeruht hat.

Und doch ist der neue Zweiteiler von „ES“ absolutes Pflichtprogramm, dass auch alle sehen sollten, denen die alte TV-Version mit Tim Curry damals fiese Albträume bescherte. Muschietti spricht in den letzten Tagen davon, dass er am liebsten noch eine viele längere Fassung herausbringen wollen würde, ich kann für mich nur sagen, her damit! Auf dem Level nehme ich gerne noch etwas mehr Pennywise-Horror mit!

Fazit

Auch wenn das zweite Kapitel der Neuauflage von Stephen Kings Meisterwerk „ES“ ein paar kleine Schwächen aufweist, bleibt auch die Fortsetzung Horror auf ganz hohem Niveau!

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