„Tödliche Entscheidung“ – Guter Thriller ohne Thrill

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In der lübecker Sneak Preview gab es diesmal einen Film zu sehen, der die Genres Drama und Thriller kombiniert. Da ich schon grundsätzlich über alles hocherfreut bin, was keine primitive Liebeskomödie ist, war das für mich ein positives Ereignis. Der besagte Film ist sicherlich auch nicht schlecht, aber irgendwas fehlt ihm auch, um wirklich gut zu sein. Trotz der großartigen Schauspieler, allen voran Oscar-Preisträger Philip Seymour Hoffman und Ethan Hawke, und einer interessanten Story kommt nicht so recht Spannung auf.

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Die sehr unterschiedlichen Brüder Andy und Hank führen beide auf ihre Weise ein mieses Leben. Doch durch den Plan, sich wenigstens ihrer finanziellen Sorgen zu entledigen, geraten sie allerdings durch einen verpatzten Überfall in noch viel größere Probleme. Der Juwelierladen, den sie hochnehmen wollten, gehört ihren Eltern, und der Raub geht gnadenlos schief. Für die beiden Brüder wird die Situation immer aussichtsloser und sie müssen überlegen, wie sie aus dieser wieder herauskommen, schließlich fängt auch noch ihr Vater mit privaten Ermittlungen an…

Wenn man den Film als reines Drama betrachtet, war er gelungen. Insbesondere Ethan Hawke als armer, nervöser Loser spielte klasse, Hoffman als eiskalter Snob ebenfalls. Auch die Story war für einen Thriller interessant und es geht nicht gerade harmlos zu, wobei die FSK-16-Freigabe wohl eher durch einige sehr freizügige Szenen zustande gekommen ist.

Problematisch war allerdings die verschachtelte Inszenierung, welche in unchronologischer Weise jeweils Andy, Hank und deren Vater einen kleinen Zeitabschnitt lang folgt, um dann wieder in der Zeit zurück zu einer anderen Person zu springen. Eigentlich eine recht interessante Machart, doch sie wirkte teilweise fehl am Platz. Zu oft wiederholten sich Abschnitte, und auch wenn hin und wieder etwas Interessantes aufgedeckt worden ist, blieb ein Aha-Effekt aufgrund der Zusammenführung der geteilten Szenen meist aus. So musste man eher aufseufzen, wenn die Zeit wieder zurückspringt, denn viel Neues, was diese Anordnung erklären würde, erfährt man nicht. Auch das Musikstück, welches immer und immer wieder die Bilder untermalte, hätte, obwohl es ein sehr schönes Stück ist, doch ruhig öfter mal durch etwas Neues ausgetauscht werden können, dann wäre vielleicht auch ein wenig mehr Spannung aufgekommen.

Und nur so nebenbei, die deutsche Titeländerung ist momentan ein wenig einfallslos: „One Missed Call“ – „Tödlicher Anfruf“, „Eastern Promises“ – „Tödliche Versprechen“, „Before The Devil Knows You’re Dead“ – „Tödliche Entscheidung“…

Insgesamt kann man also sagen, dass der Film eine interessante Handlung mit interessanten Charakteren bietet, nur leider fehlt an vielen Stellen einfach Tempo. Die verschachtelte Inszenierung ging nur bedingt auf und brachte eher negative als positive Effekte. Doch durch die wirklich gute schauspielerische Leistung kann man sich den Film ruhig angucken.

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3 Kommentare

  1. Da kann ich nicht viel hinzufügen, gute Schauspieler, interessanter Plot, aber doch irgendwie langatmig inszeniert.

    Offensichtlich sucht man dieses Jahr für die Sneak in Lübeck ausschließlich Filme aus, die hier vermutlich ansonsten gar nicht in die Kinos kommen würden, Prognosen haben auch dieses Mal wieder potentielle Kinoerfolge wie „Abgedreht“ oder „Jumper“ vermutet, aber der Hang zu Independent-Streifen bleibt weiterhin bestehen.

  2. kann da auch nicht viel hinzufügen.
    zum titel kann ich nur sagen: wenigstens nicht „ein raubüberfall zum verlieben“ :D , aber stimmt schon, dass sich das diese titel-übersetzer etwas leicht machen. der titel „before the devil knows you’re dead“ hätte meiner meinung schon mehr potential gehabt, als ihn mit einem nichts sagenden „tödliche entscheidung“-einheitsbrei zu übersetzen. tut echt nicht not!!!

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