„Nordwand“ – Ja, mir san mit’m Radl da

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„Nordwand“ mit Benno Fürmann und Johanna Wokalek, das war also der Film, der diesen Montag in der Lübecker Sneak lief. Ich war schon recht erfreut darüber, dass der Film nicht das letzte mal lief, aber jetzt war es doch noch dazu gekommen. Doch statt einem langweiligen Biopic à la „Lauf um dein Leben“ kam ein doch spannender, nicht zu überzeichneter und teilweise sogar amüsanter Bergsteigerfilm.

„Andi, wach auf, es geht los!“

1936. Das Deutsche Reich braucht neue Helden. Und was wäre heldenhafter, als die Eiger Nordwand als erstes zu bezwingen. Das denkt sich auch der berliner Reporter Arau und schickt seine Voluntärin Luise los, um ihre Jugendfreunde Toni und Andi zu animieren, dieses Wagnis einzugehen. Obwohl die zwei Gebirgsjäger schon einige Aufstiege hinter sich haben und Andi hell auf begeistert ist, spricht sich Toni vorerst entschieden gegen diese Idee aus. Ein Aufstieg sei zu sehr vom Wetter abhängig und daher reine „Lotterie“. Luise zieht daraufhin semi-beleidigt ab, wäre die Reportage doch die große Chance für ihren Durchbruch als Journalistin. Andi lässt allerdings nicht locker und als Toni merkt, dass es ihm wirklich ernst damit ist, will er seinen Kameraden auch nicht im Stich lassen. Also wird prompt eingekauft und auf dem Fahrrad ab in die Schweiz. Dort angekommen merken die beiden schnell, dass sie nicht die einzigen sind, die den Ruhm einsacken wollen. Ein Haufen Bergsteigerkollegen haben am Fuße der Nordwand ihre Zelte aufgeschlagen, darunter auch zwei alte Bekannte aus Österreich. Auch Luise und Arau sind doch noch zur Nordwand gepilgert, um vielleicht doch noch eine gute Story zu ergattern.

Spoiler zeigen

Der Film springt durchgehend von den Schwierigkeiten des Aufstiegs zu den Geschehnissen im Hotel am Fuße des Berges. Oftmals waren diese Sprünge schon nützlich, um die allgemeine Sensationsgier des Reporters und die schaulustigen Touristen aufzuzeigen, aber oft auch nur da, um die weibliche Hauptrolle nochmal in Erinnerung zu rufen. Als stark überflüssig erachte ich das österreichische Ehepaar mit der nervigen Frau. Und auch die „lustigen“ Sprüche der Schweizer hätten lieber untertitelt sein sollen, da ein hochdeutscher diese kaum versteht.
Auch die Kletterroute selbst wurde zwar am Anfang kurz erklärt, aber auch die Einblendungen mit den Wegpunktnamen konnte keine gute Übersicht über den aktuellen Standort geben. Man konnte nur durch die Höhenangabe etwa erahnen, dass die Beiden schon verdammt hoch sind. Auch einige Kameraeinstellungen waren seltsam gewählt, da man vor lauter Schneegestöber oft kaum jemanden am Berg klettern sah.
Jetzt bleibt noch die Liebesgeschichte zwischen Toni und Luise zu erwähnen. Diese war am Anfang des Films eher kaum zu erkennen. Bis Toni dann irgendwann etwas Eifersucht zeigt, als Arau sich an Luise ranmachen will und natürlich ihre Angst um Toni, als dieser auf gefährlichem Kletterausflug ist. Insgesammt erfrischend knapp behandelt, so dass wirklich das Klettern im Vordergrund steht.

Ich kann deutschem Kino zwar generell nicht so viel abgewinnen, aber die Schwächen halten sich hier in Grenzen, so dass ich getrost gute 3 Sterne verteilen kann. Wer deutsche Filme mag und auch mit dem Setting der 30er was anfangen kann, sollte sich den Film auf alle Fälle mal zu Gemüte führen.

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4 Kommentare

  1. Als Kind habe ich den alten Film um den ‚Eiger‘ immer gerne gesehen, und wurde auch gestern in der Sneak nicht enttäuscht. Allerdings ist der Film etwas zu lang geraten, gerade am Anfang hätte man sich einiges schenken können.

    Auch von mir 3 Sterne.

  2. Nachdem ich zweimal in der Sneak „Ananas Express“ sehen musste, habe ich mich natürlich sehr über „Nordwand“ gefreut. Prinzipiell ist der Film genauso, wie man es erwartet. Mir hat er sehr gut gefallen. Besonders beeindruckend fand ich die Machart; mir ist bis heute nicht klar, wann sie was wie gedreht haben… es geht alles perfekt ineinander über und wirkt real. Darstellerische Leistungen haben mich jetzt nicht so umgehauen, gerade Benno Fürmann war ertaunlich unaufdringlich, aber sein Dialekt war definitiv überzeugend. Gestört hat mich allerdings der viel zu lange Anfang. So war z.B. der ganze Kasernenkram viel zu unnötig und lange. Auch dieses österreichische Paar war in der Tat total unnötig. Aber ansonsten ein netter typisch deutscher Film. Und ich bin absolut von den Socken, dass Schütti einen deutschen Film nicht total schlecht fand!!

  3. Joa, der Film ist nicht schlecht, aber das Thema ist schon recht speziell. Doch die Aufnahmen sind echt beeindruckend, vor allem, wenn man weiß, dass vieles an Originalschauplätzen gedreht wurde und dass die Darsteller wirklich ein Bergsteigertraining absolviert haben.

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