„Lakeview Terrace“ – Rassistischer Nachbarschaftsterror

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In der Osnabrücker Sneak Preview gab es diesen Montag den Thriller „Lakeview Terrace“ mit Samuel L. Jackson zu sehen. Obwohl es Spaß macht, diesem als irren Cop, der seine Nachbarn provoziert, zuzusehen, kommt der Film nie recht in Schwung und ist stets vorhersehbar. Dass in einem solchen Mainstream-Film die Problematik des Rassismus aufgegriffen worden ist, ist hingegen prinzipiell gelungen – die Klischeebilder wurden umgedreht und der Schwarze diskriminiert den Weißen…

Abel Turner (Samuel L. Jackson) ist Polizist, ein strenger, allein erziehender Vater und wohnt in einem Edelviertel in Lakeview Terrace. Als neben ihm ein verschieden farbiges Pärchen (Patrick Wilson, Kerry Washington) einzieht, geht dessen Beziehung Turner aus zunächst undefinierbaren Gründen gegen den Strich und er beginnt, nach anfänglichen Anspielungen zunächst zu Mobbing, dann zu aggressiver Abneigung zu wechseln…

Der große Pluspunkt des Films ist definitiv Samuel L. Jackson. Es macht zweifellos Spaß, ihm bei seinem Schauspiel zwischen gefährlichem Psychopath und verständnisvollem Nachbarn zuzusehen. Auch seine ungewohnt kräftige Statur inklusive schlurfendem Gang passen. Allerdings führt dies auch ein wenig dazu, dass man, obwohl er eigentlich der Antagonist des Films ist, dennoch Sympathie für ihn empfindet und wenig mit dem Pärchen leidet, welches auch noch ein wenig arrogant und spießig ist. Auch bekommen alle drei Hauptpersonen recht viel Zeit für Charaktertiefe, was ebenfalls mit Samuel L. Jackson mitfühlen lässt.

Als Nachbarfeindschafts-Thriller kann der Film leider nicht recht überzeugen, da sehr früh klar ist, in welche Richtung sich der Film entwickeln wird, diese Entwicklung aber Ewigkeiten braucht. Soll heißen: Es passiert lange kaum etwas, und das, was dann endlich in Feindschaft zwischen den Nachbarn stattfindet, ist meist wenig originell und zum Schluss kaum nachvollziehbar.

Sicherlich hatte der Film ein paar gute Ideen; insbesondere, den Rassismus aufzugreifen, aber ihn in ungewohnter Form darzustellen und in keine (im wahrsten Sinne des Wortes) Schwarz-Weiß-Klischees zu verfallen. So muss sich nicht die schwarze Lisa unter der Ehe mit ihrem weißen Mann Chris (der gerne Hip-Hop hört) verantworten, sondern eben dieser muss sich von allen Seiten Sticheleien gefallen lassen, nicht zuletzt von Lisas Vater. Auch die Tatsache, dass der irre Nachbar ein Cop ist und alle das Pärchen beruhigen, indem sie meinen, sie können froh sein, in dieser Gegend einen Polizisten als Nachbarn zu haben, war gelungen. Die Frage, warum Turner eine solche Abneigung gegen das neu eingezogene Paar besitzt, wird dann allerdings leider sehr unglaubhaft und platt gelöst, was dem Film eine Menge nimmt. Generell wurde das (vorhersehbare) Ende unnötig unglaubhaft – hinsichtlich der Handlungen beider Parteien, was schade ist und die anfängliche Charakterzeichnung völlig ignoriert.

Zusammenfassend kann man sagen, dass man den Film aufgrund der guten Schauspielleistung von Jackson ansehen kann, aber auch nichts verpasst, tut man es nicht. Als Thriller ist er fast ein wenig unspannend, und die Charakterzeichnung verkommt leider zum Schluss.

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Ein Kommentar

  1. Joa, sehr mittelmäßig und wenig überraschend. Samuel L. Jackson spielt gut, aber auch nicht so klasse, dass man den Film seinetwegen sehen müsste. Der Film ist nicht unbedingt schlecht, aber man verpasst nichts, wenn man ihn nicht gesehen hat.

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