„Fluch der Karibik 4: Fremde Gezeiten“ – Jack säuft ab!

nur miesschlechtfast mittelmäßigmittelmäßigfast gutgutfast sehr gutsehr gutfast einzigartigfast einzigartig   4,15 (13 Stimmen)
Loading...

Alle werden jetzt sagen, sie hätten es schon vorher gewusst, aber dass diese verspätete Fortsetzung einer der besten Filmtrilogien ein derartiger Reinfall werden würde, hätte ich nicht erwartet. Fast aller alten Darsteller und epischen Ansätze beraubt, in billigen Kulissen gedreht und mit einer derart schlechten Story ausgestattet, dass man fast „Indiana Jones 4“ eine originelle Geschichte zugestehen will, so präsentiert sich der vierte Teil von „Pirates of the Caribbean“. Schockiert leidet man im Kinosessel, traut seinen Augen nicht und stellt enttäuscht fest, dass Jack Sparrow als einziger zentraler Charakter einen Film eben doch nicht tragen kann. Oh man, fast wünscht man sich Orlando Bloom und Keira Knightley zurück.

Inhalt

Die Spanier und Engländer suchen den Jungbrunnen und Jack Sparrow weiß, wo er zu finden ist. Doch während sich sein ehemaliger Widersacher Barbossa als Freibeuter der englischen Krone auf die Jagd begibt, befindet sich Jack auf dem Schiff des gefürchteten Piraten Blackbeard, zusammen mit dessen Tochter, einer ehemaligen Geliebten von Jack. Für ein Ritual brauchen sie die Träne einer Meerjungfrau, also schickt Blackbeard seine Crew zum Fischen aus, doch Meerjungfrauen sind alles andere als gutmütige Wesen.

Review

Ok, was ist uns geblieben? Jack, Barbossa und Gibbs, ein paar Aufnahmen von Wasser und Schiffen und die donnernde Musik der alten Trilogie. Das war’s! Johnny Depp bemüht sich wirklich, seinen Charakter wie früher in Szene zu setzen, doch Jack Sparrow ist eben nicht mehr neu und originell, außerdem braucht er kontrastreiche Nebencharaktere, um wirklich zur Geltung zu kommen. Diese Charaktere sucht man hier vergebens, Geoffrey Rush als Barbossa und Kevin McNally als Gibbs bleiben weit hinter ihren Möglichkeiten zurück, auch Ian McShane kann aus seiner Rolle als Blackbeard nichts herausholen und Penelope Cruz als Sparrows Ex nervt einfach nur und sieht einfach nur noch alt und kein bisschen anziehend aus. Interessant ist in der deutschen Fassung übrigens auch, dass Johnny Depp im Gegensatz zur alten Trilogie seine typische Synchronstimme hat. Während die Synchro der alten Filme dem Charakter wenigstens ein bisschen Stil geben konnte, verkommt Jack Sparrow so noch mehr zu einer Witzfigur.

Kommen wir zur Story, die ist zwar nahezu nicht vorhanden, schafft es aber bei dieser Nichtexistenz trotzdem, jeden Witz und jede interessante Wendung zu vergeigen und vor allem an ihrer Gradlinigkeit zu kranken. Während die alten Teile von ihren verschiedenen Handlungssträngen lebten, gibt es hier ein Ziel, das man ohne große Umwege verfolgt und irgendwann erreicht. Dazu gibt es vampirartige Meerjungfrauen, Zombies und einen Voodoo-Blackbeard, generell haben die übernatürlichen Anteile der Trilogie immer in die Handlung gepasst, hier passt überhaupt nichts. Gekrönt wird die gesammelte Inkompetenz mit einem verblödeten Prediger, der nicht nur alle mit seinem Glaubensgelaber in der Wahnsinn treibt, sondern sich auch mal eben in die Monstermeerjungfrau verguckt, die natürlich auch gleich ganz doll lieb wird. So reiht sich Blödsinn an Unsinn und Langeweile an Kopfschütteln. Selbst Jack Sparrow hat in nur wenigen Szenen die Lacher auf seiner Seite. Und wenn man zu allem die bekannte, bombastische Musik hört und dazu nur die billigen Kulissen, kombiniert mit der miesen Story und den schlechten darstellerischen Leistungen sieht, will man eigentlich nur das Kino verlassen.

Wieder einmal hat man sich eine Gelddruckmaschine genommen, den Lieblingscharakter mit viel Geld geködert und den Regisseur durch einen zweitklassigen Kollegen ersetzt. Ich frage mich, ob Gore Verbinski ansehen musste, was man aus seiner Trilogie gemacht hat und daraufhin ein Mordkommando zum neuen Regisseur Rob Marshall und vor allem den Autoren geschickt hat, verdenken könnte man es ihm nicht. Was ich am wenigsten verstehe, ist, warum für die Produktion so überhaupt gar kein Budget bereitgestellt wurde, den traurigerweise wird ja auch dieser Piraten-Untergang wieder Unsummen in die Kasse spülen. Und die nächsten beiden Teile sind bereits beschlossene Sache, sicher auch wieder ohne großes Budget, wenn die Macher erstmal sehen, dass man auch ohne Geld für gute Autoren, Schauspieler, Kulissen und Effekte ein Vielfaches von den blöden Kinobesuchern wieder reinholen kann.

Und zum Schluss noch eine Bemerkung zum Thema 3D: Wann hat sich dieser Versuch, Veränderungen in die Kinowelt zu bringen, endlich erledigt? Klar, „Avatar“ war beeindruckend, aber inzwischen finde auch ich die Brillen einfach nur nervig, zudem habe ich neben „Avatar“ keinen Film in 3D gesehen, der durch diese Technik irgendwie dazugewonnen hätte. Auch dieser Film wirkt dreimensional nicht besser als der nachträglich gewandelte „Kampf der Titanen“. Obwohl der Hype um die dritte Kinodimension schon lange nicht mehr anhält, werden wohl noch so einige Produktionen in die Kinos kommen, die auf dem Höhepunkt des Hypes geplant wurden. Hoffen wir mal, dass die Technik in den nächsten Jahren wieder ganz aus dem Kino verschwindet.

Bildergalerie (zum Vergrößern anklicken)


Verwandte Artikel

7 Kommentare

  1. Ich kann verstehen, dass man als großer Fan der Trilogie doch etwas von diesem Spin-off enttäuscht ist. Mich konnten die FdK Filme noch nie wirklich so vom Hocker reißen.
    Der erste Teil war ein erfrischendes Wiederbeleben des Piraten-Genres (und durch seine Monkey Island Anspielungen besonders sehenswert). Bei den beiden Nachfolgern kam dann bei mir immer dieses Matrix-Gefühl auf. „Der erste Teil war so erfolgreich, machen wir doch schnell ne Trilogie draus.“ Für solides Popcorn-Kino reichte es immer, aber mehr war’s dann auch nicht, dass ich mich zur Fan-Base zählen würde.
    Der „vierte“ Teil reiht sich da meiner Meinung nach gut ein. Nehmen wir mal den Fdk-Aspekt beiseite (vgl. Monkey Island Flashfilm ohne Verletzung der Urheberrechte) bleibt ein mittelmäßiger bis fast guter Treasure Hunt Film. Zugegeben die Story ist linear, aber das war schon im ersten Film nicht ganz anders.
    Nachdem ich mir den noch mal vor dem Kinogang angesehn hatte, ist mir doch aufgefallen, dass in diesem die Story doch sehr in die Länge gezogen wurde. [Spoiler]Erst kommen sie zum Schatz, dann segeln sie wieder weg, nur um dann kurz darauf wieder zum Schatz zu kommen. Klar ist da dann noch was passiert und vom Story-Verlauf ist es nachvollziehbar, aber als Zuschauer sitzt man dann nur da und möchte den Leuten ins Gesicht schreien: „Warum lauft ihr denn jetzt wieder weg?“ Ich fand einfach unschön, dass da praktisch ein vorläufiges Finale aufgebaut wurde, am finalen Schauplatz, dann aber doch abgebrochen wurde, nur um später ein weiteres mal aufzutauchen. Die Ereignisse, die zwischen dem ersten und zweiten Besuch des Schatzes passieren, hätte man auch in einer längeren, einmaligen Reise zum Schatz verpacken können.[/Spoiler] Aber genug über den ersten Teil ausgekotzt.

    Dann komme ich mal zu den Charakteren von „Stranger Tides“. Angefangen mit dem Sparrow. Man hat gemerkt, dass dieser als Hauptfigur einfach nicht funktioniert. Jack hat in den vorherigen Teilen größtenteils seine eigenen, dem Zuschauer oft nicht bekannten Ziele verfolgt. Gleiches gilt auch wieder im neuen Film, nur dass er so zum Mitläufer verkommt und so doch wieder die Rolle des Nebencharakters einnimmt. Jetzt fehlt dem Film bloß ein wirklicher Hauptcharakter, dessen Motive und Ziele auch den Zuschauer antreiben. Auch die anderen Charaktere können diese Rolle nicht einnehmen. Am nahesten kommt Barbossa dieser Rolle, da der Zuschauer wenigstens nachvollziehen kann, was er nun eigentlich will. Allerdings ist dieser ja schon zu Beginn an als Antagonist gebrandmarkt, weshalb man auch keine Sympathien aufbauen kann und will. Die Piratenbraut (wie ich finde passend verkörpert von den Geschwistern Cruz) ist durch ihre Wahl der Gesellschaft in der sie sich aufhält unsympathisch und auch nicht wirklich ein Kandidat und scheint auch nur als Leading-Lady-Verschnitt eingebaut worden zu sein. Ach ja, der Missionar, dessen Charakter, als er noch am Mast hing wirklich Potential zum semi-coolen Side-Kick hatte, verheizt dieses auch spätestens, als er sein Hemd UND Weste auszieht und daraufhin halb nackt durch den Dschungel läuft (Er hätte wenigstens die Weste wieder anziehen können, die er dann später auch plötzlich wieder an hat). Wenn man bedenkt, dass daraus jetzt eventuell ein Orlando-Bloom-Ersatz werden soll, muss man sagen, dass es dem Charakter doch etwas an Kantigkeit fehlt. Er ist dann einfach zu nett und lässt sich auch zu sehr vermöbeln. Ein Lulli eben. Apropos schlechte Charaktere, die Spanier, lachhaft. [Spoiler]Erst am Anfang ein riesen Fass aufmachen von wegen „Wir müssen unbedingt den Jungbrunnen finden, koste es, was es wolle“ nur um dann zu sagen „Nö, das gefällt uns hier alles gar nicht. Zerstört es!“ ist echt daneben. Die scheinen sich das ja echt zur Lebensaufgabe gemacht zu haben, wenn die da mit ner ganzen Flotte hinsegeln.[/Spoiler] Nicht nachvollziehbar, aber man steckt ja nicht drin.

    Fassen wir also nochmal zusammen. Drei Parteien wollen zum Jungbrunnen und Jack steht irgendwie in der Mitte und will irgendwie gar nichts.

    Trotzdem kann der Film doch unterhalten. Denkt man sich die verkorksten Charaktere mal weg, bekommt man wie schon gesagt eine recht nett inszenierte Schatzsuche zu sehen. Der Film spielt hauptsächlich an Land, was mich jetzt nicht so gestört hat. Aufwendige, offensichtlich animierte Seeschlachten hat man in den Vorgängern schon zu genüge gehabt. Dafür bietet der Film hübsche Einstellungen und reale Schauplätze, was man bei so viel CGI heutzutage schon hoch anrechnen muss.

    Also wer sich die Filme bisher nur wegen dem Depp angesehn hat, wird sicherlich auch mit diesem Film zufrieden sein. Und ich glaube auch genau diese Zielgruppe soll der Film hauptsächlich bedienen. Dass man von diesem Spin-Off keine Perle der Filmgeschichte erwarten konnte, war ja eh klar, hält man sich die NAtur des Charakters des Jack Sparrows vor Augen.

    Mein Fazit: Wirft man seine Erwartungen entsprechend über Bord und lässt sich von der Story treiben, bekommt man auch hier wieder nettes Piraten-Popcorn-Kino für die ganze Familie.
    (Um es mit dem hier vorliegenden Bewertungsschema auszudrücken: Mittelmaß aber nett.)

    Zum Schluss dann jetzt doch nochmal der Film in drei Worten:
    Jack
    ist
    LOST.

  2. Der erste war, alleine schon aus der Idee heraus, ein echter Knaller.
    Der zweite brillierte noch mit ausgesprochen innovativen Spezialeffekten, man denke nur an das Rad.
    Der dritte diente wohl nur noch dazu Kasse zu machen, was ja auch legitim ist.
    Der vierte braucht wohl keine Erwähnung mehr. Man denke nur daran, wer nicht mehr mitspielt, was denen wohl nicht zu verübeln ist.


  3. Ich will nicht unhöflich sein, aber geht ihr alle ins Kino nur dann den Film auseinander zu nehmen und zu kritisieren?
    Ich bin ins Kino gegangen, weil ich ihn gucken wollte.
    Die zweiten (in diesem falle vierten) Teile sind immer ’schlechter‘ als die ersten, weil man hier eingeschrenkt ist, es ist nicht mehr völlig neu.
    Und das hier weder Orlando Bloom noch Keira Knightley mitspielen ist in Ordnung, weil selbst mir (und ich komme immer auf die bescheuersten ideen) wenig einfällt, was meiner Meinung nach eine gute Story oder einen etwas guten Film hergeben würde. Etwas frischer Wind in den Segeln kann nicht schaden.
    Klar, schade finde ich, dass die Piraten iwie mehr am Land kämpfen von Schiffskämpfen sieht man wenig, aber dafür mag ich wie die Charaktere untereinander umgehen. Ich achte nie auf Schauspieler und wie sie ihre Rollen spielen. Es kommt mir drauf an, wie die Charaktere auf mich einwirken. Woher wollt ihr wissen, dass sie schlecht gespielt sind? Vielleicht sollten sie so sein. Ich mag das Hin und her zwischen Jack und Angelica. Man lernt mal eine andere Seite an Jack kennen, das macht ihn auch menschlich, das selbst er mal ne Schwäche für einen Menschen hat. Blackbeard mag ich ebenfalls, allein schon wie er immer guckt, wenn jemand direkt vor seinen Augen stirbt, wenn er es nicht eingeplant hat.
    Ich gehe prinzipiell ohne Erwartungen ins Kino, so kann ich den Film besser genießen. Ich finde den Film toll und würde mich freuen, wenns noch einen Teil gibt, weil ich neugierig bin, wie Jack seine Pearl wieder kriegt und allein schon was Angelica mit der Puppe anstellt.
    Und so schlecht kann der Film nicht sein, wenn man bedenkt, wieviel er schon eingenommen hat ;)
    Ich finde man sah schon im Trailer, auf was man sich einlässt. Also bitte. Eine Kritik enthält zwar auch negatives, aber auch positives. Das was ich hier gelesen habe, ist nichts weiter als gemeckere. Tut mir Leid, aber bis jetzt waren alle die ich kenne von diesem Film begeistert, also kann diese ganze ‚Kritik‘ nicht gänzlich recht haben.

    TK was here

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.