„J. Edgar“ – Interessantes Biopic über den FBI-Gründer

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Thor

Wenn Clint Eastwood mit Leonardo DiCaprio und Naomi Watts einen Film über eine so interessante Persönlichkeit wie J. Edgar Hoover, den FBI-Gründer und vielleicht über viele Jahrzehnte mächtigsten Mann der USA, dreht, kann da eigentlich nur etwas Gutes bei herauskommen. Das gelingt auch in großen Zügen, Inszenierung, Schauspiel und Ausstattung können eindeutig überzeugen, aber dennoch hat man am Ende des Films das Gefühl, dass einem das, was man über Hoover erfährt, irgendwie nicht reicht. Außerdem fällt es dem Film sichtlich schwer, einen Mann zu charakterisieren, der einerseits ein visionäres Genie, andererseits aber ein korruptes, paranoides Schwein war.

John Edgar Hoover beschließt nach einigen Jahrzehnten als Chef des F.B.I. der Nachwelt seine Sicht der Ereignisse zu hinterlassen und beginnt seine Memoiren zu diktieren. Als Mitarbeiter im Justizministerium machte er sich aufgrund seiner Vorgehensweise gegen Kommunisten einen Namen und wurde in den 1920ern als Leiter der Organisation eingesetzt, die später ins F.B.I. umbenannt wurde. Dort führte er nicht nur neue Ermittlungsmethoden in der Verbrechensbekämpfung unter Einbezug wissenschaftlicher Untersuchungen ein, er gewann auch immer mehr Wissen und dadurch immer größere Macht. Doch erst die Entführung des Lindberg-Babys ermöglichte ihm weitreichenden Einfluss und Kontrolle, auch in politischen Kreisen.

Vielleicht liegt es auch an fehlendem Hintergrundwissen und der Tatsache, dass der Film wahllos in der Lebenszeit Hoovers hin und herspringt, was ohne Einblendungen von Jahreszahlen hier und da etwas chaotisch wirkt. Aber nach dem Film war mein Interesse an Hoover zwar geweckt, aber bei weitem nicht befriedigt. Der Film konzentriert sich zu sehr auf die privaten Verhältnisse zu seiner Mutter und die homosexuelle Beziehung zu seinem Stellvertreter Clyde Tolson, reißt aber viele andere interessante Aspekte nur am Rande an, wie zum Beispiel seinen Bezug zu den Kennedys.

Über Hoover ist trotz seiner Berühmtheit verhältnismäßig wenig bekannt, genauso gehen die Meinungen über ihn allerdings weit auseinander. Doch auch hier traut sich der Film nicht, wirklich Stellung zu beziehen, denn einerseits lobt er Hoovers weitreichenden Einfluss auf die moderne Kriminalermittlungsweise nicht genug, noch bietet er genug Anstößiges über seine oft extrem paranoide und egozentrische Vorgehensweise, mit der er sogar Präsidenten und Senatoren einzuschüchtern vermochte. Vielleicht tut der Film gut daran, hier nicht weiter zu polarisieren, etwas mehr Biss hätte man aber gerade von Clint Eastwood schon erwartet, hier hatte beispielsweise „Nixon“ ein ganz anderes Kaliber. Unterm Strich ist der Film solide und interessant, für Fans von Biopics sicherlich ein Muss, dennoch bleibt er leider etwas hinter den Erwartungen zurück.

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