„Blue Jasmine“ – Cate Blanchett spielt groß auf!

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Woody Allen hat mit „Blue Jasmine“ einen großartigen Film über unterschiedliche Gesellschaftsschichten abgeliefert, wobei die High Society mit ihrer Lebensferne, Unmoral, Arroganz und Steuerbetrug recht schlecht abschneidet. Der Film ist angenehm zynisch und weniger romantisch als Allens letzten Filme, ist aber dennoch nie anstrengend anzuschauen. Die größte Stärke des Film ist aber Cate Blanchett, die ihre aus der Welt der Reichen gefallene Figur derart einnehmend und überzeugend verkörpert, dass man den satirisch-überzeichneten Unterton des Film fast vergisst und ihre Figur ernstnimmt. Großartige Schauspielerleistung!

Inhalt

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Nachdem ein großer Steuerbetrug ihres Mannes Hal (Alec Baldwin) aufgeflogen ist, verliert auch Jasmine (Cate Blanchett), High-Society-Mitglied aus ganzer Seele, ihr gesamtes Vermögen, weshalb sie notgedrungen bei ihrer in bescheidenen Verhältnissen lebenden Adoptivschwester Ginger (Sally Hawkins) einzieht, zu der sie eigentlich kein gutes Verhältnis hat. Der Klassenkonflikt ist vorprogrammiert, während Jasmine verzweifelt versucht, einen neuen Lebensanfang hinzubekommen …

Rezension

Woody Allen schlägt trotz komödiantischem Unterton diesmal keine leicht-romantischen Klänge an, sondern bissige Geschellschaftskritik. Und dies gelingt hervorragend, indem er sich auf die Figur Jasmine und ihre Schwester beschränkt. Durch die tollen Schauspielerleistungen geht das relativ klein gehaltene Grundszenario dabei bestens auf. Stetiges, inszenatorisch unaffälliges Hin- und Herschneiden zwischen Gegenwart und Vergangenheit kontrastiert die reiche Millionärs-Arroganz und Mittelstandsnormalität ausgezeichnet; außerdem erhält der Film durch diese Gegenüberstellung stets Spannung und Ironie. Dass der Film einen schön aktuellen Seitenhieb auf Steuersünder setzt, ist auch nicht unbedingt schlecht.

Der Fokus liegt dabei auf Jasmine. Diese ist absolut resistent gegen Einsicht und dermaßen nicht gewillt, ihren bisherigen Lebensstil zu hinterfragen und sich trotz dramatischer Situation ohne Geld zu ändern, dass es einfach nur Spaß macht, dieser von grundauf unsympathischen Figur zuzuschauen, die konsequent eine Entwicklung verweigert. Aber auch ihre mittelständische Gegenspielerin, ihre Schwester Ginger, ist auf der anderen Gesellschaftsseite ebenso nicht in der Lage, aus ihren Fehlern zu lernen. Und so belehren sich die beiden gegenseitig, ohne sich wirklich aufeinander einzulassen.

Trotzdem bleibt die psychisch kaputte Figur Jasmines trotz gewisser Schablonenhaftigkeit komplex. Dass Cate Blanchett mal wieder für ihre überragende Leistung für den Oscar nominiert wurde, ist nur verdient. Mit ihrer tollen Performance hat sie diesmal sicherlich gute Chancen, nach einigen Nominierungen ihren ersten Oscar für die weibliche Hauptrolle zu ergattern, nachdem sie für „Aviator“ bereits den Goldmann für die beste Nebenrolle bekommen hat.

Aber auch Sally Hawkins als ihre Adoptivschwester Ginger sowie die Nebenfiguren können überzeugen, seien es Gingers gewalttätiger, trinkender, aber trotzdem nicht abgrundtief unsympathischer Freund oder ihre neue Affäre. Das gilt auch für Alec Baldwin, der allerdings mal wieder lediglich die altbekannte Rolle des schmierigen, eleganten Erfolgsmachos spielt, in der man ihn schon so oft gesehen hat.

Woody Allen schafft es wieder einmal, ein gutes Gespür für Situationskomik und Alltagbeobachtungen aufzutischen, sodass auch „Blue Jasmine“ trotz bitterböser, pessimistischer Weltsicht sehr unterhaltsam und leicht anzuschauen ist. Auch wenn er von kleinerem Kaliber ist, ist es jedenfalls der Film von Woody Allen, der mir nach „Match Point“ am meisten zugesagt hat.

Fazit

Dieser Woody-Allen-Film ist mal wieder ein wenig bissiger als seine vorherigen und stellt eine herrlich zynische Gesellschaftsbeobachtung dar, in der insbesondere die Welt der Reichen einiges abbekommt. Wirklich umwerfend gut spielt wieder einmal Cate Blanchett, die nicht zu unrecht oscarnominiert wurde. Ansehen lohnt!

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