„Der Marsianer“ – Entspannter Überlebenskampf

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„Der Marsianer“ wird von einigen als unterhaltsamster Film von Ridley Scott seit Jahren betitelt, und irgendwie ist das nicht ganz verkehrt. Obwohl der Film stark daran leidet, nach „Interstellar“ und „Gravity“ in die Kinos zu kommen, sodass viele inhaltliche und visuelle Elemente dem Zuschauer erst kürzlich im Kino begegnet sind, hebt er sich durch seine lockere, sich nicht ganz ernst nehmende Grundhaltung ab, die im Space-Survival-Genre recht rar ist, und bietet solide Unterhaltung zu schönen Bildern von orangefarbenen Marslandschaften.

Inhalt

In naher Zukunft will die Mars-Forschungstruppe um Kommandantin Lewis (Jessica Chastain) den Planeten in Richtung Erde verlassen. Allerdings ereignet vor dem plötzlichen Notstart durch einen Sandsturm ein Unfall, sodass der totgeglaubte Botaniker Mark Watney (Matt Damon), der nur durch großes Glück überleben konnte, alleine auf dem Mars zurückbleibt. Ohne Kommunikationsmöglichkeiten zur Crew oder zur NASA, die von Teddy Sanders (Jeff Daniels) und Missionschef Venkat Kapoor (Chiwetel Ejofor) geleitet wird, muss Mark nun einen Plan entwickeln, trotz der hoffnungslosen Umstände und den gegebenen Essensrationen zu überleben und an seine nahezu unmögliche Rettung zu glauben …

Rezension

Mark Watney wird als unerschütterlicher Space-McGyver inszeniert, der nur selten mit seinem bitteren Schicksal hadert, sondern stets hoffnungsvoll und mit einer ordentlichen Ladung Witz und Galgenhumor an seine Rettung glaubt. Ridley Scott hat sich somit dagegen entschieden, ein schwermütiges Drama zu inszenieren, sondern liefert einen für ihn ungwohnt glatten Film mit optimistischer Tonalität ab, sodass der Film trotz Überlänge stets unterhaltsam bleibt. Scott selbst sagt: „The optimism of the story is the fun. […] I like the dry humor, the gallows humor, that you can joke about having nearly died”.

Diesen Ansatz kann man einerseits lobend hervorheben. Er hat aber leider auch zur Folge, dass der Film nie ganz ernstgenommen werden kann, obwohl gerade das Buch (deutlich mehr) Wert legt auf die interessanten wissenschaftlichen Hintergründe für das, was Mark Watney so alles tut. Auch ist der Film sehr geradlinig und ohne Besonderheiten aus typischen Hollywood-Versatzstücken inszeniert, sodass er nie Gefahr läuft, tatsächlich ein beeindruckender Geniestreich oder auch nur ein realistischer Film mit Anspruch zu sein, was die Ausgangslage des Films ja durchaus zugelassen hätte.

Zu oft wirken Oneliner, Figuren oder Handlungsaspekte aber klischeehaft und funktional. Gerade zum Ende hin werden nicht nur das medienoffene Verhalten der NASA, sondern auch einige Aspekte des Rettungsplans unglaubwürdig. Der Film ist eben kein knallhartes Überlebensdrama, sondern spaßige Unterhaltung. Eine Intensität wie bei „Apollo 13“ schafft der Film dadurch aber nie ganz. Das Mitfiebern hält sich in Grenzen und ist mehr als Interesse daran zu bezeichnen, was wohl als nächstes passiert. Spannend ist der Film dennoch, auch wenn ihm im letzten Drittel ein wenig die Puste ausgeht.

Nichtsdestotrotz bietet „Der Marsianer“ eine gute Leistung von Matt Damon, dessen Situationskomik hier voll ausgespielt wird, der in einigen dramatischen Momenten jedoch auch dafür sorgen kann, mit seiner Figur mitzufühlen. Alle anderen zum Teil durchaus bekannten Schauspieler bekommen kaum Möglichkeiten, etwas aus ihren simpel gestrickten Figuren zu machen, auch wenn sie durch die Bank solide spielen.

Visuell ist der Film ziemlich gelungen, auch das 3D war angenehm unaufdringlich, hat den Film aber bereichert. Die modernen, organefarbenen Raumanzüge heben sich auffällig vom Genre-Einheitsbrei ab und auch sonst gibt es so einige optische Höhepunkte im Film.

Dass mich der Film allerdings vor dem Kinogang kaum angesprochen hat, liegt in erster Linie daran, dass er eben zu einer Zeit ins Kino kommt, nachdem gerade tatsächlich bombastische Raumfahrer-Filme mit dem Anspruch, sich selbst ernstzunehmen, im Kino gewesen sind. Dass mit Matt Damon und Jessica Chastain auch noch zwei Darsteller aus „Interstellar“ in den Hauptrollen zu sehen sind, macht das Ganze nicht besser. Zu oft fühlt man sich an bereits Gesehenes erinnert, sei es der Sandsturm aus „Prometheus„, die Raumfahrerei mit der Erkundung neuer Planeten aus „Interstellar“ oder der Space-Überlebenskampf und Sich-an-dünnen-Seilen-durch-das-All-ziehen aus „Gravity“.

Insofern: Kann man sich gut anschauen, falls man den Film verpasst, ist es aber auch nicht tragisch. Wem die Science-fiction-Filme der letzten Zeit zu ernst waren, der hat mit „Der Marsianer“ bei ähnlicher Thematik genau seinen Film gefunden!

Fazit

Man hat nach den großen Raumfahrer-Blockbustern der letzten Jahre bisweilen das Gefühl, ähnliche Bilder und Situationen schon gesehen zu haben. Durch seine schnelle, humorvolle Feel-Good-Inszenierung hebt sich der Film aber zeitweise von unheilsschwangeren Streifen wie „Interstellar“, „Gravity“ und „Prometheus“ ab. Dadurch bietet der Film ordentliche Blockbuster-Unterhaltung mit netten Bildern, bleibt aber auch weit davon entfernt, ein Meisterwerk zu sein.

Bildergalerie

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