„Silence“ – Scorsese schickt Andrew Garfield nach Japan

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Religion war in der Geschichte oft der Auslöser für Gewalttaten, so auch im Japan des 17. Jahrhunderts, als Tausende Christen von der japanischen Regierung verfolgt und brutal getötet wurden. In dieser Zeit folgt Regisseur Martin Scorsese auf Basis einer wahren Geschichte zwei portugiesischen Priestern, deren Glaube in der feindlichen Umgebung auf so manche Probe gestellt wird. Neben einer großartigen Leistung der Stars Andrew Garfield, Adam Driver und Liam Neeson bietet „Silence“ wirklich beeindruckende Bilder und regt zum Nachdenken über die Auslegung der unterschiedlichen Glaubensgrundsätze an. Der Film ist voller Bitterkeit und lässt einen mit seinem Hauptdarsteller leiden, aber trotzdem immer mit der Frage im Hinterkopf, ob dessen unerschütterlicher Glaube wirklich zum Guten führt.

Inhalt

silenceDer junge Priester Sebastião Rodrigues (Andrew Garfield) begiebt sich 1638 zusammen mit Bruder Francisco Garrpe (Adam Driver) auf die gefährliche Suche nach seinem Mentor, Pater Cristóvão Ferreira (Liam Neeson), der sehr zur Verwunderung von Sebastião seinem Glauben abgeschworen haben soll. Die japanische Regierung ist gerade dabei, alle Christen im Land entweder zu töten oder abschwören zu lassen, so müssen die beiden Europäer immer auf der Hut sein, nicht der Inquisition in die Hände zu fallen. Sie werden zwar von ein paar überlebenden Christen versteckt, doch müssen sie erleben, mit welcher Gewalt die japanische Regierung vorgeht, was die beiden selber an die Grenzen ihres Glaubens bringt.

Review

Während der Film zunächst so wirkt, als würde er sich hier nur den Grausamkeiten widmen, die den Christen in Japan zugefügt wurden, stellt er schon bald auch den christlichen Glauben in Frage, den während der junge Priester unerschütterlich an seinem Glauben festhält, wird ihm sehr konsequent vor Augen geführt, welche Konsequenzen diese Einstellung hat. Gerade die Gespräche mit den Inquisitoren und später mit seinem alten Mentor lassen einen völlig neuen Blick auf die Christianisierung Japans zu. Viel härter trifft den Priester jedoch die Erkenntnis, dass die japanischen Christen offensichtlich den Kerngedanken des Glaubens gar nicht verinnerlicht haben. Das kommt besonders bitter rüber in Form eines Japaners, dem er immer wieder Absolution erteilt, obwohl dieser seinen Glauben immer wieder verrät, gerade in dem Wissen, dass man ja nur beichten muss, damit alles wieder gut ist.

Neben diesen interessanten inhaltlichen Themen ist der Film optisch wirklich eine Augenweide. Die tristen Sümpfe im Nebel und die lange Zeit, in der sich die beiden Priester immer wieder verstecken müssen, unterstützt die ohnehin schon bittere Stimmung um ein Vielfaches. Der Film ist traurig und mitunter extrem brutal. Man kann sich natürlich schwer mit den Japanern identifizieren und doch sind die Dialoge zwischen christlichem Priester und japanischem Inquisitor so voller interessanter Ansätze zum Nachdenken, dass es einem ebenso schwer fällt, sich unbegrenzt auf die Seite des leidenden Priesters zu schlagen, die Ansätze der Japaner sind auch nicht unbedingt unlogisch. Letztendlich schlägt hier der alte Mentor dann die Brücke, da dieser nach Jahren in Japan auch die Vorteile der japanischen Lebensphilosophie zu schätzen gelernt hat.

Neben der tollen Optik und Akustik spielen die Darsteller einfach großartig, neben Andrew Garfield überzeugen auch Adam Driver und mal wieder Liam Neeson, aber ohne die vielen grandiosen japanischen Darsteller als gebildete Unterdrücker auf der einen und einfache Bauern auf der anderen Seite hätte der Film sicher nicht diese Wirkung.

Fazit

„Silence“ ist ein neuer Geniestreich von Martin Scorsese, aber ganz klar weit weg vom Popcornkino. Die bittere Geschichte mitten im Glaubenskonflikt im Japan des 17. Jahrhunderts ist mitreißend gut gespielt und absolut bitter und tiefsinning inszeniert. Ein echter Geheimtipp!

Bildergalerie

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