„Detroit“ – Packendes Drama über die Rassenunruhen 1967!

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Mit Klassikern wie „Near Dark“, „Strange Days“ oder „Gefährliche Brandung“ machte sich Regisseurin Kathryn Bigelow schon früh einen Namen, doch seit ihrer Zusammenarbeit mit dem Journalisten Mark Boal präsentiert sie nach „Tödliches Kommando“ und „Zero Dark Thirty“ mit „Detroit“ bereits ihr drittes politisches Drama, das sich nicht nur durch die akribische Recherche und den Drang zur exakten Wiedergabe der Ereignisse, sondern auch durch eine wirklich packende Erzählweise auszeichnet. Der Film spielt während der Rassenuhruhen 1967 in Detroit und konzentriert sich in erster Linie auf einen brutalen Polizeieinsatz in einem Hotel. Obwohl es sich hier um einen Film mit historischem Background handelt, wirkt er schon fast wie ein Horrorfilm, so erschreckend ging es damals zu und so unberechenbar setzten die rassistischen Polizisten ihre Macht ein. Trotzdem schafft es Kathryn Bigelow erneut, möglichst neutral zu bleiben und die Unsicherheit und Wut auf beiden Seiten des Konfliktes gut zu veranschaulichen.

Inhalt

Nachdem sich in den 60ern die Ausgrenzung und Diskriminierung von Schwarzen auf einem untragbaren Level befindet, löst am 23. Juli 1967 eine Razzia einen der größten Bürgeraufstände in der Geschichte der USA aus. Während die Schwarzen anfangen, sich zu Wehr zu setzen und die Stadt zu plündern, schickt die Regierung Tausende Soldaten und Polizisten in das Krisengebiet, um die Lage zu beruhigen. Inmitten dieses Straßenkrieges löst ein unbedachter Schuss aus einer Kinderpistole in einem größtenteils von Schwarzen bewohnten Hotel einen Polizeieinsatz aus, bei dem vor allem der brutale Cop Philip Krauss (Will Poulter) mit absoluter Brutalität gegen die Verdächtigen vorgeht. Der schwarze Sicherheitmann Melvin Dismukes (John Boyega) versucht die Situation zu entschärfen.

Review

Das Thema Rassismus gegen Schwarze ist im Kino nicht neu, und doch trifft Kathryn Bigelow mit ihrem neuen Film absolut einen Nerv, nicht zuletzt aufgrund der weiterhin sehr aktuellen Thematik. So verdeutlicht der Film zuerst, wie es zu den Unruhen kommen konnte, wie die Lebens- und Arbeitssituation von Schwarzen in Detroit war und warum das Pulverfass unausweichlich explodieren musste. Der Film fungiert in erster Linie als Beobachter, was natürlich nicht ohne Bewertung der Situation auskommen kann. Trotzdem zeigt sie die Probleme auf beiden Seiten, auf der einen Seite die schwarze Bevölkerung, die die Diskriminierung nicht mehr hinnehmen kann und so ihrer Wut freien Lauf lassen, auch wenn das Plündern ihres eigenen Viertels und die Lebensgefahr, der sie sich aussetzen, auf den ersten Blick unlogisch erscheinen mag. Auf der anderen Seite die verunsicherten Polizisten, die dem wütenden Mob gegenüber stehen und um ihr Leben fürchten, aber selber jegliche Gewalt verhindern sollen, um den Konflikt nicht weiter eskalieren zu lassen.

So konzentriert sich der Film auch zuerst nicht auf konkrete Charaktere, sondern schickt den Zuschauer einfach mitten ins Geschehen, mischt Dokumentaraufnahmen mit nachgestellten Szenen des Aufstandes, um sich dann über einen durch die Unruhen geplatzten Auftritt der schwarzen Band „The Dramatics“ mit dem Sänger Larry (Algee Smith) und seinem besten Freund (Jacob Latimore) durch das Chaos auf den Straßen in das Hotel zu begeben, wo dann der Hauptteil der Handlung spielt. Da in der aufgeheizten Stimmung einer der Hotelbewohner einen Schuss aus einer Spielzeugpistole abfeuert, fallen sofort die Cops und das Militär auf der Suche nach einem Heckenschützen in das Hotel ein und terrorisieren die Bewohner, um diesen zu identifizieren. Da es aber gar keinen Schützen gibt, also auf der einen Seite kein Geständnis möglich und auf der anderen Seite kein Verantwortlicher ausgemacht werden kann, spitzt sich die Situation immer mehr zu und vor allem beim Polizist Philip Krauss (Will Poulter) entlädt sich alle Wut, was es immer schwerer macht, da er ohne einen Schuldigen seine Handlungen keinesfalls entschuldigen kann.

Wäre der Aufstand an sich nicht schon schockierend genug, entwickelt sich die Situation im Hotel auf wirklich grauenvolle Weise, die schon fast einem Horrorfilm gleicht, so werden auch hier Unschuldige von mächtigen, bewaffneten Endringlingen unterdrückt und sogar getötet, ohne eine wirkliche Chance zur Flucht oder zur Auflösung des Konflikts. Das geht unter die Haut und sorgt natürlich spätestens hier für eine eindeutige Polarisierung, zumal man das brutale Verhalten der damaligen Beteiligten größtenteils auf einen (fiktiven) Charakter herunterbricht, der so als personifizierter Bösewicht des Films klar erkennbar ist. Will Poulter liefert dabei eine wirklich beeindruckende Leistung ab, der junge Schauspieler spielt den rassistischen Cop wirklich einzigartig, sodass ich mich doch fragen musste, wie „Stephen Kings ES“ wohl geworden wäre, wenn man ihm wie ursprünglich geplant die Rolle des Pennywise gegeben hätte. Doch auch der restliche Cast spielt wirklich eindringlich und macht den Film zu einem wahren Psychotrip. Einzig „Star Wars“-Star John Boyega bleibt etwas blass und kann in der Rolle des schwarzen Wachmanns Melvin Dismukes, der einerseits eine Art Gesetzeshüter und auf der anderen Seite einen Schwarzen darstellt, nicht komplett überzeugen.

Der letzte Teil des Films spielt dann übrigens im Gerichtssaal, wo der unverhältnismäßige Polizeieinsatz verhandelt wird und das unverständliche Urteil den aufrüttelnden Film perfekt abrundet. Kathryn Bigelow gelingt so ein weiterer Geniestreich, der zum Nachdenken anregt und ein weiteres Mal Politik und Gesellschaft an den Pranger stellt. Dass der echte Melvin Dismukes geäußert hat, die dargestellte Version der Geschehnisse würde zu fast 100% der Wahrheit entsprechen, macht den Film noch etwas interessanter und lobt zudem den Ehrgeiz bei der Recherche von Mark Boal. „Detroit“ ist ein spannendes Drama und ein düsterer Blick in ein Stück US-Geschichte, das bis heute noch vor sich hin schwelt.

Fazit

Kathryn Bigelows heftiger Thriller über die Rassenunruhen 1967 in Detroit und einen erschreckenden Polizieeinsatz in einem Hotel ist rundum gelungen. Der wackelige Filmstil und die großertigen Darsteller sorgen dafür, dass man sich mitten im Konflikt befindet und die Angst auf allen Seiten spüren kann. „Detroit“ ist ein nicht nur aufgrund des realen Backgrounds interessant, der Film funktioniert auch als packendes Drama perfekt.

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