„Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ – Grandios!

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Die Filme von Martin McDonagh sind überschaubar, aber wenn er mal einen dreht, kommen immer Geniestreiche wie „Brügge sehen… und sterben?“ oder „7 Psychos“ dabei heraus. Auch sein neuer Film dürfte schnell Kultstatus erlangen und nach seinem Erfolg bei den Golden Globes sicher auch noch bei den Oscars abräumen. „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ ist ein wirklich grandioser Film mit einer bitteren Handlung voll schwarzem Humor, die immer wieder solche Haken schlägt, dass man immer wieder überrascht wird. Rund wird der Film aber erst durch den einfach herrlichen Cast! Wie schon in „7 Psychos“ sind Woody Harrelson und Sam Rockwell wieder mit von der Partie und liefern beide eine ihren besten Rollen ab, ganz klar den Vogel schießt aber Frances McDormand ab. Wer übrigens glaubt, dass es hier um die Aufklärung eines Mordes geht, dem sei gleich gesagt, das wäre nicht interessant genug gewesen, was hier zwischen den Protagonisten abgeht, ist um einiges spannender und origineller.

Inhalt

Über ein halbes Jahr ist seit dem brutalen Mord an der Tochter von Mildred Hayes (Frances McDormand) vergangen und die Polizei hat nicht mal eine Spur. So mietet Mildred mal eben drei riesige Werbetafeln und prangert mit drei prägnanten und provokanten Sätzen die Arbeit der Polizei und direkt Polizeichef William Willoughby (Woody Harrelson) an, damit die Ermittlungen endlich Fahrt aufnehmen. Doch während die Bewohner des Ortes einerseits Mildreds Sicht verstehen, geht vielen dieser Schritt zu weit, vor allem, weil der Polizeichef nicht nur sehr beliebt ist, sondern sich bereits herumgesprochen hat, dass er in wenigen Monaten an Krebs sterben wird. Besonders der gleichermaßen rassistische wie naive Officer Jason Dickson (Sam Rockwell) reagiert extrem wütend und wird schnell zur Gefahr für Mildred, ihr Umfeld und den Vermieter der Werbetafeln Red Welby (Caleb Landry Jones). Doch auch Mildred hat noch so einiges in der Hinterhand.

Review

Das Grundsetting hat eigentlich alles für ein düsteres Drama, da ist die verzweifelte Mutter, die um alles in der Welt den Mörder ihrer Tochter stellen will, auf der anderen Seite der gutmütige Polizeichef, dessen Tage wegen einer Krebserkrankung bereits gezählt sind und der mit seinen letzten Tagen das Richtige anfangen will, und ein Officer, der noch bei Mama wohnt und von ihr tagein tagaus rassistisches Gedankengut eingeplanzt bekommt und dies auch ohne Skrupel auslebt. Doch was Regisseur Martin McDonagh speziell aus diesen drei Charakteren und der Konfrontation zwischen ihnen macht, ist mit so viel bitterbösem schwarzem Humor versehen, dass Drama allein ganz sicher nicht die richtige Kategorie für diesen Film ist, Komödie aber ganz sicher auch nicht. Es ist allerdings absolut erstaunlich, wie die drei Hauptcharaktere agieren und vor allem reagieren, bis zum Ende des Films können sie einen alle immer wieder überraschen. So wird bewusst vermieden, dass jemand ein reiner Sympathieträger ist, alle überschreiten deutlich die Grenzen, aber letztendlich scheint aus jeder noch so verrückten Tat etwas zu entstehen, womit vorher keiner gerechnet hat. Der Film behandelt Gewaltausübung und mangelnden Ermittlungseifer bei der Polizei, Selbstmord, Meineid, Brandstiftung, häusliche Gewalt und noch so einige andere explosive Themen, heraus kommt aber eine wirklich sehenswert Studie von Kleinstädtern, die alle mit ihren Problemen klarzukommen versuchen und sich durch die Provokation des anderen immer genötigt sehen, noch einen drauf zu setzen. Der eigentliche Fokus, nämlich das Aufklären des Mordes, kann da schon mal in den Hintergrund geraten.

Dass das so perfekt funktioniert, ist aber auch den wirklich tollen Darstellern zu verdanken. Frances McDormand ist sie seit ihrer Kultrolle im inzwischen glanzvoll in einer Serie umgewandelten „Fargo“ und der Ehe mit Joel Coen und dadurch der Mitarbeit in zahlreichen Filmen der Coen-Brüder wie z.B. „Burn After Reading“ in skurrilen Rollen zu Hause, aber ihre Darstellung der Mildred Hayes ist vermutlich mit die beste Leistung ihrer Karriere. Unbeugsam aber immer mit einem Augenzwinkern treibt sie alle in den Wahnsinn, fast schon besessen von der Rache am Mörder ihrer Tochter, für die sie sich wegen Familienstreitgkeiten auch noch eine Mitschuld gibt. Den Golden Globe als beste Hauptdarstellerin hat sie daher ohne Frage verdient, was auch für Sam Rockwell gilt, der die Trophäe als bester Nebendarsteller in Empfang nehmen konnte. Dieser ist nicht zuletzt seit „Moon“ dafür bekannt, dass er keinesfalls auf witzige Rollen festgelegt ist, trotzdem sorgt er mit seiner Rolle als brutales, dummes Muttersöhnchen, der sich seine Fettnäpfchen meistes sogar selber in den Weg stellt, für die meisten amüsanten Momente. Wer aber glaubt, dass er schon abschätzen kann, wie sich gerade dieser noch entwickeln wird, sollte ihn nicht zu früh abschreiben. So kann sich Woody Harrelson nur deshalb nicht ganz nach vorne spielen, da Rockwell in eben doch noch toppt. Was aber trotzdem bedeutet, dass auch Harrelson hier eine wirklich fantastische Leistung abliefert. Er spielt der Polizeichef wirklich einprägsam, hart mit weichem Kern, intelligenter Ermittler, toller Ehemann und Vater, bei (fast) allen beliebt, ein Mann, der eigentlich alles hat und dem es doch so früh genommen werden soll. So überrascht auch er so einige Male mit dem, was er tut, selbst im Angesicht des Todes will er das Richtige tun, aber das macht er auf seine ganz eigene Art. Kurz erwähnen sollte man aber auch noch „Game of Thrones“-Star Peter Dinklage, der hier als in der Stadt oft gehänselter Kleinwüchsiger ein Auge auf Mildred geworfen hat und eine so untypische Rolle spielt, dass es echt eine Freude ist. Ein paar gute Momente hat aber auch der aus „Deadwood“ bekannte John Hawkes, der hier den Ex von Mildred spielt, der zum einen seine Gewalttätigkeit seiner Exfrau gegenüber unter Kontrolle zu halten versucht und auf der anderen Seite mit jedem Satz seiner strohdummen neuen, sehr jungen Freundin zu Recht etwas peinlich berührt und bloßgestellt zurückbleibt.

So startet das neue Kinojahr gleich mit einem echten Kracher, wäre er letztes Jahr gelaufen, hätte er es bei mir bei der FlimmerWAHL vermutlich sogar auf den ersten Platz geschafft. Nun kann man ihm in Kürze die Daumen für die Oscars drücken und wird abwarten müssen, ob er in diesem Jahr noch vom Thron der besten Filme 2018 gestoßen wird. Das könnte jedenfalls schwer werden.

Fazit

„Brügge sehen“-Regisseur Martin McDonagh schickt mit Frances McDormand, Woody Harrelson und Sam Rockwell drei begnadete Schauspieler in ein absurdes Szenario voller verrückter Wendungen. Ein absoluter Geheimtipp und ganz sicher jetzt schon einer der besten Filme des Jahres!

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