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„The Lego Movie“ hat nicht nur die perfekte Optik für den ersten (Kino-)Film der beliebten Spielzeugsteine gefunden, sondern wirkt mit viel Spaß und Herzblut gemacht. Dabei vereint er eine moderne unendlich hektische Inszenierung mit nostalgischen Erinnerungen an die LEGO-Kindheit und bietet eine schöne Hymne gegen Konformismus und für Kreativität. Es ist kein Film (nur) für Kinder, denn viele Witze und Anspielungen sind eher für Jugendliche/Erwachsene. Auch wenn die vielen Lizenzfiguren-Cameos Spaß machen, waren es doch die Retro-Momente, die einen den Film ins Herz schließen lassen. Wer nach dem Film nicht wieder Lust bekommt, die LEGO-Kiste vom Dachboden zu holen, hat im Prozess des Erwachsenwerdens etwas falsch gemacht!

Inhalt

Der einfache Bauarbeiter Emmet (Chris Pratt) führt mit seinen Arbeitskollegen ein Leben im Gleichschritt: Die Obrigkeit – Lord Business (Will Ferrell) – diktiert, welche Serie, welcher Song und welches Gesprächthema angesagt ist. Doch eines Tages trifft Emmet auf die wilde Wyldstyle (Elizabeth Banks) und den Zauberer Vitruvius (Morgan Freeman), die ihn für den auserwählten ‚Masterbuilder‘ halten, der angeblich einen üblen Plan des Lords gegen jede Kreativität vereiteln kann. Doch nicht nur zweifelt Emmet an seiner Rolle, er wird auch noch vom fiesen Cop (Liam Neeson) verfolgt und macht Bekanntschaft mit Batman (Will Arnett) …

Rezension

Der Film hätte echt mies werden können, schließlich hätte das große LEGO-Franchise deutlich weniger Mühe und Leidenschaft in den Film stecken können, um trotzdem finanziell erfolgreich zu sein und für Werbung zu sorgen. Umso schöner ist es, wie die neue Lizenz-LEGO-Generation mit älteren LEGO-Szenarien vereint wird und dabei eine nette Botschaft hinterlässt, die zwar Potenzial zum Kitschig-sein hat, es aber irgendwie dann doch nicht ist. Dafür ist der Film einfach viel zu weit weg vom Mainstream und zu speziell.

Die Geschichte ist nett und führt verschiedene LEGO-Welten zusammen, ist aber vor allem deshalb großartig, weil sie komplett auf eine Meta-Ebene ausgerichtet ist (samt Klebstoff und Batterien), deren eindeutige Zurschaustellung im letzten Drittel gut aufgeht (wenngleich sie auch viel weniger offensichtlich funktioniert hätte). Die Story für Kreativität und einfallsreiches LEGO-Bauen gegen Gleichschritt und Nach-Anleitung-Bauen stellt eine angenehme Leitidee des Films dar, mit der man sich durch eigene LEGO-Erfahrungen sofort anfreunden kann. Und auch der abstruse Film selbst wird der eigenen Forderung nach Kreativität gerecht!

Die Visualisierung ist einfach umwerfend gut gelungen! Obwohl alles animiert ist, wurde ein Stop-Motion-Look gewählt, der plastisch wirkt und einen tollen ‚Selfmade‘-Charme versprüht – hinzu kommt, dass wirklich ausnahmslos alles mit (animierten) Legosteinen dargestellt wird; selbst Explosionen, Feuer, Rauch oder Wasser. Auch die Figuren sehen benutzt und real aus, großartig!

Nicht nur wegen zahlreicher Cameos von den Ninja-Turtles, Gandalf, Abraham Lincoln, Han Solo oder der gesamten Justice-League orientiert sich der Film nicht unbedingt an einem besonders jungen Publikum – auch oder vielleicht gerade Ältere dürften ihren Spaß mit den zahlreichen Anspielungen haben.

Dass viele Lizenzfiguren (insbesondere die DC-Superhelden) vorkommen, ist für einige Witze gut. Gerade Batman wird herrlich parodiert (Batman-Witze funktionieren einfach fast immer!). Dass aber dann ein 08/15-Retro-Typ Hauptfigur ist, der noch kein individuelles Gesicht hat, und auch die weibliche Figur und der Zauberer eigene Kreationen von LEGO sind, erfreut einen umso mehr.

Meinetwegen hätte der Lizenz-Anteil auch noch geringer sein können zugunsten anderer bekannter Lego-Figuren, aber die zahlreichen Querverweise auf andere Filme wurden amüsant und einfallsreich eingebaut. Ich hätte mir noch mehr Szenarien gewünscht (wie z. B. Ritter, Inkas etc.); aber vermutlich wünscht sich jeder vor allem Figuren aus der Zeit, in der man großgeworden ist. Und gerade der 80er-Weltraummann (mit authentisch durchgebrochenem Helm!) kommt selbst den ältesten LEGO-Fans entgegen!

Der Film ist jedoch nichts für Leute, die sich über die ach so schnelle Welt von heute beschweren und sich beklagen, dass die ganzen Kinder heutzutage Aufmerksamkeitsprobleme haben – diese Leute dürften sich mit diesem Film ziemlich bestätigt fühlen. Die „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“-Regisseure bleiben ihrer rasanten Inszenierung und ihrem abgedrehten Humor treu. So schlagen sie öfter eine unerwartete Richtung ein und können auch einige Stereotype gekonnt und originell persiflieren („Bla bla, ich bin eine hübsche Frau und finde dich toll, bin aber aus irgendeinem Grund sauer auf dich …“).

Dass der nervige „Awesome“-Song, der penetrant durch den Film führt, auch eine ziemlich zynische Note und einen starken Story-Bezug hat, tröstet darüber hinweg, dass er einen erschreckend hartnäckigen Ohrwurm hinterlässt.

Fazit

Der Film ist extrem gut visualisiert und schafft es, Retro-Gefühle mit modernen Sehgewohnheiten von Jugendlichen zu vereinen. Viele der Anspielungen und Witze sind eher weniger auf Kinder ausgerichtet, die aber trotzdem Spaß am Film haben könnten. Man merkt dem Film Herzblut und Kreativität an, obwohl die Gefahr einer reinen PR-Routine groß war. Die etwas anstrengende Hektik, pausenlose ‚Awesome‘-Beschallung und der „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“-Humor sind vielleicht nicht für jeden, aber der temporeiche Film kann durchaus als ambitioniert, gelungen und dem LEGO-Kosmos gerecht werdend bezeichnet werden und macht Lust auf Fortsetzungen, die dann vielleicht weitere der tollen LEGO-Welten thematisieren.

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